Kreistagsliste der Republikaner soll ebenfalls nicht korrekt sein

Noch mehr Fälschungen?

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Auch das Landratsamt in Sonthofen muss nun der Frage nachgehen, ob bei der Aufstellung der Republikaner-Liste alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Kempten/Landkreis – Nachdem auf der Kandidatenliste der Republikaner für die Kemptener Stadtratswahlen möglicherweise zwei Kandidatenunterschriften gefälscht wurden, besteht nun auch der Verdacht auf Unterschriftenfälschung bei der Aufstellung der Kreistagsliste der Partei.

Das Dietmannsrieder Ehepaar Nitsche behauptet, keine Einwilligung unterzeichnet zu haben. Dennoch stehen beide Eheleute auf der Kandidatenliste für die Kreistagswahl am 16. März. „Ich habe nichts unterschrieben“, sagt Irena Nitsche, polnische Staatsangehörige aus Dietmannsried. Mit Politik und den Republikanern habe sie so wenig zu tun wie ihr Mann Frank – nämlich gar nichts, behauptet die Köchin. Doch auch er wird auf der Kreistagsliste der Republikaner als Kandidat für den Oberallgäuer Kreistag geführt. Doch auch er will wissentlich nirgendwo etwas unterschrieben habe, wie er am Freitag gegenüber dem Kreisboten betonte. 

Offenbar, so zumindest der Verdacht der beiden Dietmannsrieder Eheleute, hat ein Verwandter von Irene Nitsche die beiden ohne ihre Einwilligung auf die Kandidatenliste der Republikaner gesetzt und dabei gleich für sie unterschrieben. Erst durch Bemerkungen von Arbeitskollegen sei sie vor kurzem auf ihre vermeintliche Kreistags-Kandidatur für die Republikaner aufmerksam geworden, sagt Irena Nitsche. 

Ob es sich dabei um Urkundenfälschung oder Betrug handle, müsse geklärt werden, falls sich die Vowürfe erhärten sollten erklärte Andreas Kaenders, Sprecher des Landratsamtes Sonthofen und Wahlleiter im Landkreis. Das Landratsamt ist seit Freitag über den Fall informiert. „Man muss jetzt schauen, was ist da für eine Unterschrift drauf“, erklärte Kaenders das weitere Vorgehen. Auf die Wahl am kommenden Sonntag, 16. März, hat das aber zunächst keinen Einfluss. Da alle Fristen (23. Januar) bereits verstrichen sind, könne an den Listen nichts mehr geändert werden, erklärte der Sprecher des Landratsamtes. Sollte sich aber tatsächlich herausstellen, dass die Nitsches zu Unrecht auf der Kandidatenliste stehen, wären die auf sie entfallenden Stimmen ungültig. 

Ähnlich verhält es sich auch im Fall des Kemptener Musiklehrers Zoltan Wagner, der, wie im Kreisboten berichtet, keine Einverständniserklärung für seine Kandidatur für den Kemptener Stadtrat unterschrieben haben will. Sollten seine Vorwürfe zutreffen, würden die auf ihn entfallenen Stimmen im Nachhinein gestrichen. 

Keine Einzelfälle 

Die Oberallgäuer Republikaner sind über den neuesten Fall bereits im Bilde, wie Kreisvorsitzender und Kreisrat Ludwig Streitle am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Wie im Kemptener Fall hoffe die Partei auf Aufklärung. In Kempten hat OB-Kandidat und Verbandsvorsitzender Michael Ulmer wie am Samstag berichtet Strafanzeige gegen einen Listenbewerber der Partei gestellt, da der Verdacht bestehe, dass er zwei Unterschriften gefälscht habe. 

Bei den Vorgängen in Kempten und im Oberallgäu handelt es sich jedoch offenbar um keine Einzelfälle. In Regensburg, so berichtete es vergangene Woche die Süddeutsche Zeitung, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den dortigen Spitzenkandidat der Republikaner. Der Mann soll gleich zwölf Kandidaten ohne deren Wissen auf die Liste für die Kreistagswahlen gesetzt haben.

Matthias Matz

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