Direkt, ehrlich und bescheiden

Unter anderem seine vier Kinder hat der Maler Joseph Schugg häufig portraitiert. Das Bild seiner jüngsten Tochter als Teenager ziert das Plakat zur aktuellen Gedächtnisausstellung, zu der natürlich auch die darauf abgebildete Bernadette Schugg gekommen war. Foto: Tröger

Es sind keine Bilder mit Interpretationsbedarf. Vielmehr drücken sie in bestechender Schlichtheit aus, wie der 1994 im Alter von 73 Jahren verstorbene Maler Joseph Schugg seine Motive gesehen hat. Es ist seine Wahrnehmung der „kleinen Dinge“, die den Landschaften, Menschen oder auch Blumen etwas verleiht, das schwer zu beschreiben ist. Magisch? Berührend? Poetisch? Ruhig? Oder von allem etwas?

Der Blick mag nicht einfach weitergleiten, bleibt an der Dramatik Allgäuer Himmel hängen, an Gesichtern, die tief in die portraitierten Menschen Blicken lassen, an Blumen, deren Schönheit mit seelenvollem Strich festgehalten wurde. Ihre Wirkung entfalten sie „leise“. Keine schrille Farbe, kein provozierendes Detail, kein Bild „ohne Titel“ lenkt von dem ab, was der Kimratshofener Maler und Restaurator, ganz seinem Wesen entsprechend, direkt, ehrlich und bescheiden zum Ausdruck bringt. Seine Zeit an der Klosterschule in der Benediktinerabtei Ottobeuren hat sich für sein künstlerisches Schaffen als Glücksfall erwiesen. In seinem Lehrer, Bruder Michael, fand Schugg dort einen Förderer für erste zeichnerische und malerische Versuche. Nach seiner Lehre als Kirchenmaler musste der Feingeist Schugg Krieg und Gefangenschaft erleben. Gezeichnet hat er auch in dieser Lebensphase, manches davon wurde später in Malereien „weiterverarbeitet“. Eigene Handschrift Zwar war die Malerei ein stetiger Begleiter als Ausgleich zum akribischen Restaurieren auf dem Lebensweg des ebenso leidenschaftlichen und über die Allgäuer Grenzen hinaus bekannten Restaurators. Richtig Zeit zum Malen hat er, nach seiner Heirat 1953 und im darauffolgenden Jahr Gründung einer eigenen Restaurierungswerkstatt, erst wieder in späten Jahren gefunden. Seine Handschrift – „das muss ein Schugg sein“ – hat er nicht nur in den nicht idealisierten Stimmungen und mit zunehmendem Alter immer dramatischeren Him-mel seiner Landschaftsbilder hinterlassen. Markant blicken auch die portraitierten Gesichter – häufig von Familienmitgliedern, aber auch Menschen, die für ihn im Charakterausdruck reizvoll waren – auf ihre Betrachter. Sein Faible für weibliche Gesichter ist dabei nicht zu übersehen. Auch wenn er laut seiner Tochter Bernadette Schugg „nicht gern gereist ist“, sondern vor allem „sein Allgäu, das er über alles geliebt hat gemalt hat“, zeugen eindrucksvolle Bilder ebenso von wenigen Urlaubsaufenthalten, beispielsweise in Italien. Die Gedächtnisausstellung zum 90. Geburtstag von Joseph Schugg ist noch bis kommenden Sonntag, 28. August, im Kemptener Kunstkabinett, Salzstraße 12, zu sehen. Geöffnet hat die Ausstellung mittwochs bis samstags von 15 bis 18 Uhr, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.

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