Der "Dorfclub" feiert sich selbst

Das Foto „Libellenaugen“ von Martin Möckel. Fotos: privat

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens und des Gewinns der Bayerischen Fotomeisterschaft zeigen die Fotofreunde Wiggensbach noch bis zum 5. Juni im Hofgartensaal der Residenz ihre Ausstellung „Im Fokus“. Auf 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren über 40 Mitglieder Werke aus den vergangenen Jahren.

Seit die Fotografie vornehmlich digital stattfindet, ist die Welt reichlich mit Bildern eingedeckt. Auch qualitativ hochwertige Fotos sind inzwischen genug vorhanden in Werbung, Dokumentation und Kunst. Also muss sich ein ambitionierter Fotoclub wie der der Fotofreunde etwas einfallen lassen, will er nicht nur fotografische Standardkost bieten. Bei ihrer Suche nach eigenen Ansätzen in der Kunst der Fotografie nahmen die Wiggensbacher zwei Körperteile besonders in den Fokus: Den Kopf und den Bauch. Der Kopf übernimmt das „Sehen von Bildern“ – eine Fähigkeit, die gelernt werden will und kann. Dabei wird man sich natürlich mit klassischen Sehweisen und Bildgestaltungsregeln wie Goldener Schnitt oder durchgehende Schärfe beschäftigen und auch kritisch auseinandersetzen. Wobei als Ziel eine kreative Erweiterung, kein radikales Ignorieren der Spielregeln, beabsichtigt ist. Mit dem Programm „Neue Horizonte“ wird hier seit einigen Jahren kreative Bildgestaltung abseits althergebrachter Gestaltungsnormen versucht. Konzepte, also Bildideen, und Bildstrecken – Umsetzung der Bildidee mit mehreren Bildern – entstehen vor dem Drücken des Auslösers im Kopf des Fotografen. Technisch nicht perfekt Der Bauch ist für uns sehr wichtig geworden. Der Betrachter von Bildern soll auch auf der emotionalen Ebene angesprochen werden. Was macht ein im Jargon „Hammerbild“ genanntes Foto aus, also ein Foto, das den Betrachter zwingt, sich emotional darauf einzulassen, das ihn nicht so schnell loslässt? Es ist keineswegs das technisch perfekte, mit Photoshop gestylte Produkt, das berührt und fesselt. Manuela Prediger, sehr erfolgreiches Mitglied seit vier Jahren und Produzentin von „Hammerbildern“, meint: „Bilder mit Hintergrund und Freiraum für Phantasie liegen mir am Herzen“, sagt dazu Manuela Prediger, seit vier Jahren Mitglied und Produzentin solcher „Hammerbilder“. „Die Fototechnik ist für mich nur Mittel zum Zweck, so wie der Pinsel für den Maler. Ich will mit meinen Aufnahmen Freude machen, Geschichten erzählen und lege viel von mir hinein", so Prediger weiter. Ein präzises Abbild der Wirklichkeit zu vermitteln, ist sicher ein legitimes Ziel der Dokumentarfotografie. Ziel der Wiggensbacher Fotofreunde ist es aber, Träume, Glücksgefühle, Ängste und Stimmungen visuell umzusetzen und beim Betrachter anzusprechen. Dabei greifen die Allgäuer auch auf unkonventionelle Bildideen, moderne Fototechniken und vielfältige Bildpräsentationen zurück. Bayernweit spitze Schon sehr früh war der in der internationalen Wettbewerbsszene „Dorfclub aus dem Allgäu“ genannte Verein bestrebt, sich mit anderen Fotoclubs zu messen. Nicht kopieren, sondern selbst Spuren zu hinterlassen ist dabei das Ziel. 2009 resultierte das in einem Vereinshöhepunkt, dem Gewinn der Deutschen Fotomeisterschaft in allen drei Sparten: Einzel-, Club- und Jugendwertung. Im Folgejahr ging zum 15. Mal der Schwäbische Meistertitel nach Wiggensbach. Ganz aktuell erreichte den Club die Meldung über den Sieg bei der Bayerischen Fotomeisterschaft 2011. Clubvorstand Manfred Köhler nahm im fränkischen Schwanfeld von Innenminister Joachim Herrmann den Bayerischen Löwen für den Sieg in der Clubwertung entgegen. Besonders freuen sich die Jubilare mit Manuela Prediger, Siegerin der Einzelwertung (punktgleich mit Josef Schwarz, Fotoclub Schrobenhausen) und Daniel Suchy, Sieger der Jugendwertung. „Mir gefällt es sehr gut, mich mit anderen Fotobegeisterten über Bilder und Sichtweisen auszutauschen und mich somit in meinem Hobby weiterzubringen“, kommentierte Suchy seinen Erfolg. Geöffnet ist die Jubiläums-Ausstellung im Hofgartensaal der Residenz donnerstags und freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 10 bis 21 Uhr und sonntags 10 bis 18 Uhr.

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