Gelungene Aufführungen

"Löwen kämmen sich auch nicht"

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Viele Schwierigkeiten hat „Der König aller Tiere“ zu meistern. In der charmanten Inszenierung spielen vier Jahrgangsstufen der VS Kottern-Eich/Kempten/Außenstelle Eich zusammen.

Kempten – Es wuselte wieder einmal gewaltig diese Woche im TheaterInKempten (TIK). Bei den 3. Schultheatertagen hatten die offensichtlich schwer vom Theatervirus infizierten Jungschauspieler die beiden Bühnen des Stadttheaters fest im Griff.

Es war auch diesmal beeindruckend, was da an Herzblut von Akteuren auf der Bühne und dahinter, an Kreativität und Liebe zum Detail bei Kostümen oder Bühnenbildern einfach mitriss.

Ziel der Kooperation zwischen dem städtischen Amt für Jugendarbeit und dem TIK ist es, musische Dinge wieder ein bisschen stärker in den Vordergrund zu rücken und Jugendlichen Lust auf Theater zu machen – vor der Bühne, auf der Bühne und auch durch den Blick dahinter. Die Teilnahme von heuer 22 Schulen und Institutionen mit 600 Mitwirkenden, dazu (zumindest bis Redaktionsschluss am Donnerstag) mehrfach nicht nur ausverkauftem, sondern eher schon berstend vollem Haus, zeigen, dass es an Interesse – nebenbei bemerkt: auch an Begeisterung – auf keiner Seite der Bühne mangelte.

Zu den jährlichen Publikumsmagneten zählen sicher die englischsprachigen Aufführungen der „Hilde Drama Group”, die mit gewohntem Verve den selbst entwickelten, äußerst schräg-skurrilen Western „Sweaty Saddles – Der vogelwilde Westen“ auf die Bühne brachte: Rassismus, Vorurteile, Skrupellosigkeit, Gangster, Spieler, Ordnungshüter... ein rasantes, amüsantes Potpourri aus menschlichen Schwächen und Stärken, mit wild-west-galoppierender Live-Musik von der „Terrible Teacher Gang“.

An mal charmant verpackten, mal rotzig vorgebrachten gesellschaftskritischen Fingerzeigen herrschte auch bei den anderen Stücken kein Mangel. „Die Löwen kämmen sich doch auch nicht die Haare, der liebe Gott geht doch auch nicht zum Friseur“, sang die Gruppe der Agnes-Wyssach-Schule und wollte wissen, warum sie nicht aussehen dürfen wie sie wollen. In „Kennst Du Struwwelpeter?“ gingen sie hart ins Gericht mit Erziehung, Verboten, Strafen oder einfach der Schwierigkeit, „anders“ zu sein.

„Anders“ waren auch zwei Protagonisten im fantasiereich gestalteten Stück „Der Regenbogenfisch – Das Musical“ der Grundschule auf dem Lindenberg. Da galt es einmal den richtigen Umgang mit Schönheit und dann den mit der Aufnahme von Fremden zu finden. Eine gelungene Aufführung für Auge und Ohr. Einen Klassiker der Weltliteratur hatten sich die Theatermacher von Magnuskirche mit IKARUS Thingers vorgenommen: „Der Prinz und der Bettelknabe“ von Mark Twain begeisterte in einer spritzigen Inszenierung und einem Bettelknaben, der die Rolle seines Lebens zu spielen schien. In die heimische Unterwasserwelt – da gab es unter anderem Nixen, Moormänner & Co. aus hiesigen Gewässern wie der Rottach oder dem Stadtweiher – entführten die Jungschauspieler der Grundschule an der Fürstenstraße in dem rundum bezaubernden „Der kleine Wassermann“.

Mit Begeisterung machten sich auch die Besucher einer fünften Jahrgangsstufe beim Workshop „Antikes Theater“ des Carl-von-Linde-Gymnasiums selbst ans Werk, nachdem sie eine Kostprobe früher Theaterkunst zu sehen bekommen hatten. Und wie jedes Jahr, reicht der Platz einfach nicht, um den durchweg guten bis herausragenden Darbietungen gerecht werden zu können – da hilft nur: selbst hingehen und sehen! Fortsetzung folgt in der Mittwochsausgabe des Kreisboten.

Christine Tröger

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