"Ein sehr gutes Miteinander"

Akif Bayran (v.l.) neben seinem ehemaligen Chemielehrer, dem Intergrationsbeauftragten Siegfried Oberdörfer, Maria Borhidan, Aminata Ba und OB Dr. Ulrich Netzer genießen die erste Begrüßungsfeier für neu eingebürgerte deutsche Staatsangehörige. Foto: Tröger

„Fühlen Sie sich in Kempten zu Hause“, begrüßte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zahlreiche im vergangenen Jahr neu eingebürgerte Menschen. 75 aus 23 verschiedenen Ländern waren es, um genau zu sein. Am Montagabend vergangener Woche fand die offizielle Begrüßungsfeier in die Schrannehalle des Kemptener Rat- hauses statt. Die bewusste Entscheidung für die Einbürgerung „ist Ausdruck von gegenseitigem Vertrauen“, hob Netzer das „Ja“ der Bewerber zur deutschen Staatsbürgerschaft wie auch das zur Aufnahme neuer Mitbürgerinnen und Mitbürger hervor.

So unterschiedliche Vorgeschichten oder Gründe für diese Entscheidung auch gewesen sein mögen, sei doch allen gemein der „Wunsch, hier zu bleiben und Ihren Willen zur Zugehörigkeit mit der deutschen Staatsbürgerschaft zu unterstreichen“ – verbunden mit allen staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten. OB Netzer hob das „sehr gute Miteinander“ in Kempten hervor, wo „Menschen aus 116 Nationen“ zusammen lebten, internationale Gäste anzutreffen seien und Städtepartnerschaften nach Frankreich, Italien, Irland und Ungarn gepflegt würden. Bei aller Weltoffenheit sei es aber vor allem wichtig „sich zugehörig zu fühlen“ und zu „wissen, wo man ist, wo man steht und wo man Freunde und Vertraute hat“. Beide Seiten „betreten hier Neuland“, meinte Integrationsbeauftragter Siegfried Oberdörfer (SPD): „Sie als neue Staats- bürger und wir mit dieser Feier“, die auf seine Anregung hin ins Leben gerufen, hier Premiere hatte. Eine sehr persönliche Note erhielt die Veranstaltung durch die als Interview geführten Gespräche zwischen Oberdörfer und neu Eingebürgerten, die unter anderem von ihren sehr unterschiedlichen Beweggründen für das Leben in Deutschland erzählten. Aus politischen Gründen war Maria Borhidan vor 25 Jahren, mit zwei Wörtern Deutsch im Gepäck, aus Rumänien durch Zufall nach Kempten gekommen. „Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt und wollte nicht mehr weg“. Neben den netten Menschen habe es wohl an der „alten Stadt“ gelegen, denn „von den Betonklötzen hatte ich genug“. Deutsch habe sie dann „an mir“ gelernt: Jeden Tag fünf neue Wörter und das Üben von Frage und Antwort. Die deutsche Staatsbürgerschaft habe sie nun angenommen, da sie „endlich zuhause ankommen wollte“, zumal unter anderem ihre beiden Enkel hier lebten. Der Kontakt zu deutschen Nachbarn sei „absolut perfekt“, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen und lehnte sich stolz an die Worte eines großen Staatsmannes an: „Ich bin eine Kemptenerin“. „Wegen der Liebe“ war Aminata Ba aus dem Senegal ihrem Mann 1996 nach Kempten gefolgt, der bereits zwei Jahre vorher gekommen sei. Deutsch habe sie schon am Gymnasium im Senegal gelernt, „aber hier haben mich die Leute nicht verstanden“. Oberdörfer hatte den Grund dafür schnell ausgemacht: „Die Allgäuer sprechen ja auch nicht perfekt Deutsch“, meinte er schmunzelnd. Dass sie jetzt Kemptnerin sei mache sie „sehr sehr froh“ meinte Ba. 1982 hier geboren, hat sich Akif Bayran nun auch für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Seine Familie sei hier bereits in dritter Generation ansässig und „es ist mir nicht schwer gefallen“. Vielmehr bezeichnete der kurz vor dem Abschluss stehende Maschinenbaustudent es als „mein Glück hier geboren und zur Schule gegangen zu sein“. Mit schmissiger Musik trugen Eugenie Krause am Knopfakkordeon und Hans Natterer am Bass zur lockeren Atmosphäre der Feier bei.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kommentare