Einblick in die Holzwirtschaft

Der Unternehmerstammtisch des Vereins Isny Aktiv verschafft sich einen Einblick in die Arbeitsvorgänge der Firma Poschenrieder. Foto: Schubert

Im Schüttentobel, recht versteckt in einem ruhigen Winkel des Allgäus, ist die Firma Poschenrieder angesiedelt. Und dort wird seit mehr als 100 Jahren Holz gesägt und bearbeitet. Die Teilnehmer des Unternehmerstammtisches von „Isny Aktiv“ haben sich jetzt einen Einblick in die moderne Holzverarbeitung verschafft. Klaus-Dieter Poschen- rieder empfing die Besuchergruppe und hatte für diesen Abend seine Mitarbeiter zu einer „Nachtschicht“ bewegen können.

Was nutzt eine Betriebsführung, wenn alle Maschinen still stehen? Diese Frage hat sich der Geschäftsführer wohl auch gestellt und daher ermöglichte er seinen Gästen, den Ablauf der Produktion hochwertiger und veredelter Hölzer zu begutachten. 60 000 Kubikmeter Holz werden von den 24 Beschäftigten im Ein-Schicht-Betrieb jährlich verarbeitet und bis zur fast astfreien Leiste und dem sauber gefertigten Brett wird hier ein breites Absatzspektrum geliefert. Einer der großen Abnehmer ist die Firma Dethleffs, die in ihren Wohnwagen und Reisemobilen vorwiegend Massivholz von Poschenrieder verarbeitet. Das ist natürlich noch nicht alles. Für den Fertighausbau, Schalungsmaterial und Bedarf regionaler Baugeschäfte wird ebenfalls produziert. Durchschnittlich liegt der Lieferradius von Poschenrieder bei maximal 300 Kilometern. Die Schweiz ist ebenfalls eines der Zielländer. Der Holzmarkt ist im überwiegenden Teil heiß umkämpft und gekämpft wird mit harten Bandagen. Da braucht es schon eine gepflegte Firmenpolitik, um sich am Markt halten zu können. Ein Umsatz von jährlich acht Millionen Euro muss erst einmal erwirtschaftet werden, wenn aus Osteuropa Russland und den baltischen Staaten nachgedrückt wird. Doch zurück zur Verarbeitung: Stammholz wird täglich angeliefert und läuft über die halbautomatische Verarbeitungsstraße zum Entrinden und zur vorläufigen Lagerung. Anschließend kommt das Stammholz in die Sägewerke, auch das automatisch aber sorgfältig überwacht. Quadratisch praktisch gut wandern die Stämme nach dem ersten Schnitt in die Verarbeitung zum besäumten Brett, das in großen sorgfältig geschichteten Bretterstapeln in der Trockenanlage landet. Fichte bleibt dort durchschnittlich fünf Tage, die inzwischen häufig georderte Weißtanne noch etwas länger. Wie groß die Trockenanlagen sind, kann man sich vor Augen führen, wenn man an die rund 400 Kubikmeter Stammholz denkt, die hier täglich angeliefert werden. Ist dieser Arbeitsgang abgeschlossen, wird das Material in der Qualitätskontrolle geschickt. Die Leisten werden geröntgt und die starken Aststücke entfernt. Abfälle werden genutzt Die Schnittstücke werden anschließend über automatische Transportbänder zur weiteren Verarbeitung geleitet. Erst dann ist das Material fertig gestellt und kann ausgeliefert werden. Die Holzabfälle aus der Verarbeitung landen natürlich heutzutage nicht mehr auf dem Abfallhaufen, sondern werden als Holzschnitzelmaterial, Grundmaterial für Spanplatten und ähnlichen Verwendungszwecken genutzt. Rund fünf Prozent der angelieferten Hölzer landen in der energetischen Nutzung. Nach diesem interessanten aber anstrengenden Rundgang durch das Firmengelände hatten sich die Besucher eine Erfrischung und einen kleinen Imbiss verdient. Auch die „Nachtschichtler“ waren inzwischen eingetroffen. Interessante Gespräche rundeten den Abend ab.

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