Einblicke in einen Schlachthof

Hans-Peter Rauch, Vizepräsident der Handwerkskammer für Schwaben, glaubt fest an die Zukunft des Schlachthofs.

Nur selten bietet sich die Gelegenheit, einen Schlachthof von innen zu betrachten. Am Samstag nutzten viele Besucher das Angebot für eine Betriebsführung bei der A.F.G. Allgäu Fleisch GmbH. Rund 1000 Besucher kamen zum Tag der offenen Tür auf das Firmengelände in der Bleicherstraße. Neben Essen und Trinken warteten Musik und Gastredner auf die Besucher.

Im Frühjahr 2011 ging der Kemptener Schlachthof insolvent. Die Rettung kam mit der Übernahme durch die Unternehmensgruppe Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen (der KREISBOTE berichtete). Seitdem geht es wieder aufwärts. In den vergangenen Monaten konnte die GmbH die Zahl der pro Woche geschlachteten Rinder auf rund 1000 verdoppeln. Clemens Tönnies, Vorstandvorsitzender der Unternehmensgruppe Tönnies, zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden. „A.F.G. Allgäu Fleisch konzentriert sich ganz bewusst auf Rinder und damit auf die Stärken des Allgäus. Die Rindviehhaltung ist das Herz der Landwirtschaft im Allgäu und hat eine über die Jahrhunderte lange Tradition. Wir schätzen die Struktur und Qualität der Allgäuer Landwirtschaft und sehen uns als Partner, der das Allgäuer Rindfleisch als hochwertiges Produkt in der Region und überregional vermarktet“, erklärte Tönnies. Im Allgäu wolle das Unternehmen der Ansprechpartner schlechthin für Rindfleisch werden. „Ich begrüße es außerordentlich, dass A.F.G. und Tönnies hier ein Kompetenzzentrum für Allgäuer Rindfleisch aufbauen wollen“, sagte der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser (CSU). Die Unternehmensgruppe Tönnies sei mit ihrem Konzept nach der Übernahme zum Segen für die Allgäuer Landwirtschaft und Tierhaltung geworden. „Ich lege schon immer großen Wert darauf, dass möglichst viele der verwendeten Lebensmittel aus der Region kommen“, verdeutlichte Kaiser. "Sensibles Thema" Die Schlachtung von Tieren sei ein sensibles Thema, meinte Dr. Gerd Müller (CSU), Staatssekretär bei der Bundeslandwirtschaftsministerin. Bei der A.F.G. Allgäu Fleisch gehöre der Tierschutz zur Philosophie. „Die Rettung des Schlachthofs war ein wichtiges Zeichen für die regionale Versorgung in Kempten und darüber hinaus“, betonte Hans-Peter Rauch, Vizepräsident der Handwerkskammer für Schwaben. Regionalität und Qualität würden in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Die Firma müsse sich neu aufstellen, da es immer weniger Metzgereien gebe, erläuterte Rauch gegenüber dem KREISBOTEN. Deswegen gehe die Entwicklung stärker in Richtung Catering, Gastronomie und regionale Vermarktung. „Die A.F.G. Allgäu Fleisch ist aber weiterhin ein Großbetrieb und soll keine Konkurrenz zu Einzelhändlern sein.“ „Tierschutz wird bei uns großgeschrieben“, bekräftigte Erich Gölz, Geschäftsführer bei Allgäu Fleisch. Da die Rinder aus der Region stammen, gebe es keine langen Transportwege. Zudem lege man Wert auf ständige tierärztliche Kontrollen, die schonende Tötung der Tiere und die Ausbildung der Schlachter. In der Firma mit rund 100 Beschäftigten lasse die Feneberg Lebensmittel GmbH schlachten. Mitarbeiter der A.F.G. Allgäu Fleisch führten Gäste durch den Betrieb. Los ging es im Umkleideraum für Herren, wo die Beschäftigten große weiße Schürzen und Gummistiefel anziehen sowie schmale kurze Messer mitnehmen. Dann müssen sie in der Hygieneschleuse ihre Hände über einem Wasserbecken reinigen. Die Schuhe werden auf einem Gitter von unten gereinigt. Am Rinderschlachtband trennen die Mitarbeiter den Kopf ab. Am Boden dieser Stelle befindet sich ein großes Becken aus Metall zum Auffangen des Blutes. Anschließend häuten die Fachkräfte die Keulen. Hinterher öffnen sie den Bauch und nehmen die Innereien heraus. Eine Säge teilt die Tiere in zwei Hälften, die ein Tierarzt einer letzten Kontrolle unterzieht. Nach der Klassifizierung kommt das Fleisch für zwei Tage in den Kühlraum, bevor es geviertelt wird. Danach zerlegen Mitarbeiter die Stücke an Tischen in einem sehr kühlen Raum in Portionen. Nach der Verschweißung in Folie wird das Fleisch auf einer Rampe verladen. Schnelleres Schlachtband Vor kurzem baute man das Schweineschlachtband ab. An der Stelle soll nun ein neues, schnelleres Rinderschlachtband entstehen. Trotz des Besucheransturms gab es auch enttäuschte Gesichter beim Tag der offenen Tür. Einige waren um 13.30 Uhr gekommen, um die Gastredner zu hören. Doch da dieser Programmpunkt vorverlegt wurde, konnten sie nur noch dem Schlussredner lauschen.

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