"Eine gute Woche für die CSU"

Andreas Kopton, Präsident der Schwaben-IHK. Fotos: Matz

So aufgekratzt wie am Donnerstagabend im Kornhaus erlebt man Thomas Kreuzer selten bei einem CSU-Neujahrsempfang. „Das war eine gute Woche für die CSU, für Deutschland und für Bayern“, strahlte der CSU-Kreisvorsitzende sichtlich angesichts der wieder deutlich besseren Umfragewerte für seine Partei. Selbst der Hauptredner des Abends, der schwäbische IHK-Präsident Andreas Kopton, wollte da kein Spielverderber sein und hielt sich im Gegensatz zur Eröffnung der Allgäuer Festwoche 2010 mit Spitzen gegen die Christsozialen zurück.

Das Signal, das von Kreuzer am Donnerstagabend ausging, war deutlich – die CSU ist wieder da. 46 Prozent attestieren neueste Umfragen der zuletzt gebeutelten Partei, die noch bis zum Mittag in Wildbad Kreuth in Klausur saß. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals in so guter Stimmung von Kreuth weggefahren zu sein“, schmunzelte der Kemptener CSU-Vorsitzende. 46 Prozent seien zwar „kein Grund zum Übermut, aber eine Stabilisierung ist eingetreten“, so Kreuzer gegenüber seinen zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Gesellschaft. Wenig Arbeitslose, niedrige Kriminalität und solide Staatsfinanzen würden vom Wähler wieder honoriert. „Das Land ist insgesamt gut regiert worden“, bilanzierte der stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion. Und dank gemeinsamer Anstrengungen von Politikern, Unternehmern und Arbeitnehmern sei die Wirtschaftskrise erfolgreich gemeistert wordem. Nun müsse sich die Partei für die Zukunft aufstellen. „Damit wir die Sache noch finanzieren können“, müssten vor allem Verwaltung und Bürokratie abgebaut werden. Zum anderen werde sich die Politik überlegen müssen, wie sie den demografischen Wandel – insbesondere im ländlichen Raum – bewältigen kann. Angesichts der jüngsten Umfragewertewerte warnte Kreuzer vor einer rot-grünen Regierung in Baden-Württemberg. Was unter Rot-Grün mit den Staatsfinanzen geschehe, sehe man derzeit in Nordrhein-Westfalen. „Es geht um eine vernünftige bürgerliche Politik“, betonte Kreuzer. Um vernünftige Politik ging es auch dem Hauptredner des Abends, Andreas Kopton, Präsident der Schwaben-IHK. „Ich wollte nur zum Nachdenken anregen“, spielte er auf seine Rede anlässlich der Eröffnung der Allgäuer Festwoche 2010 an. Seinerzeit hatte Kopton an gleicher Stelle der Politik den Kopf gewaschen, sich dabei vor allem auf die CSU bezogen und damit die ein oder andere heimische Größe etwas pikiert. Beim Publikum war seine Ansprache dafür umso besser angekommen. „Und ausgerechnet die CSU lädt mich ein“, frotzelte er am Donnerstagabend unter dem Gelächter der Anwesenden, das an diesem Abend noch öfter aufkommen sollte. Mit seinem damaligen Beispiel – der teilweise Sperrung einer Bundesstraße durch einen CSU-Bürgermeister – habe er vor einem „Flächenbrand“ warnen wollen. „Aber jetzt ist der Flächenbrand da“, so Kopton. So seien in Baden-Württemberg zum Teil alle Abfahrten der A7 für Lkws gesperrt worden. Für die dortige Wirtschaft sei das verheerend. Klare Kante zeigen Kritik übte Kopton auch an den eigenen Standesvertretern. „Natürlich ist die Wirtschaft auch nicht immer ein Musterknabe“, so der IHK-Präsident. Manager, die für wenig bis gar keine Leistung Millionen bekämen, „geben ein verheerendes Bild für die Wirtschaft ab.“ Bei seinem anschließenden Streifzug durch Politik und Gesellschaft griff der IHK-Präsident unter anderem den Begriff „Wutbürger“ auf und warf den Stuttgart-21-Gegnern puren „Eigennutz“ vor. Der Politik empfahl er, endlich eine andere Sprache zu finden, um die „heutige Dieter-Bohlen-Generation“ noch zu erreichen. Gleichzeitig sprach sich Kopton für einen gemeinsamen Wahltermin für alle Wahlen – „dann lässt sich mal vier Jahre in Ruhe und stabil arbeiten“ – und gegen Bürgerentscheide durch Minderheiten aus. „Jedes Bürgerbegehren ist ein Misstrauensvotum gegen die Regierung“, betonte er. Bei einem Fußballspiel könne man auch nicht bei jeder umstrittenen Schiedsrichterentscheidung die Zuschauer entscheiden lassen. Die Konsequenz: Der Bürger werde durch das Diktat einiger weniger Minderheiten der Politik bald überdrüssig. Überhaupt wünsche er sich von Politikern in Zukunft mehr Stehvermögen. „Wir brauchen durchsetzungsfähige und kantige Politiker“, appellierte er.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Kempten – Das neue Jahr wird ein Jahr in dem einiges entschieden wird. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde am Freitag ein Präsident …
Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Kommentare