Eine Stadt in Schwarz und Weiß

Der Stadt Isny ist es gelungen, über die Hochschule für Gestaltung in Ulm eine Ausstellung von Otl Aichers Grafiken in einer Gesamtzusammenfassung nach Isny zu bekommen. „Das Allgäu, (bei Isny)“ ist eine Präsentation der Motive, die in Zusammenarbeit mit dem früheren Verkehrsamtsleiter Rudi Winkler entstanden. Sie sind auch als Buch erschienen und über den Isnyer Buchhandel und die Isny Marketing GmbH erhältlich.

Durch die Zusammenarbeit mit Otl Aicher erhielt Isny seinerzeit ein unverwechselbares Werbeimage, das sich weit von den vielfarbigen sonnigen Allgäumotiven unterschied und in seiner Werbewirksamkeit richtungsweisend war. Wer sich ein wenig in der Materie auskennt, hat mit Sicherheit schon Motive von Aicher zu Gesicht bekommen. Seine Umsetzung von Fotovorlagen in Gebrauchsgrafik mit hohem künstlerischem Anspruch prägt noch heute in vielen Plätzen die aussagekräftigen Piktogramme. In der selben Weise brachte er sie zum Beispiel in der Gestaltung der Olympischen Spiele in München und in vielen Industrielogos zum Einsatz. Eigene Hochschule Otl, eigentlich Otto, Aicher wurde 1922 in Ulm geboren und begann seine Karriere mit einem Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Schon 1947 eröffnete er sein eigenes Atelier in Ulm. 1952 heiratete er Inge Scholl, die Schwester von Hans und Sophie Scholl. Gemeinsam mit ihr war er 1946 Mitbegründer der Ulmer Volkshochschule. Mit Max Bill und seiner Frau leistete er bereits Ende der vierziger Jahre theoretische und konzeptionelle Vorarbeiten für eine eigene Hochschule der Gestaltung, die 1953 mit der am Kuhberg ihre Grundsteinlegung feierte. Dort wurde er Dozent für visuelle Kommunikation. Seine theoretischen Grundlagen werden noch heute fast täglich angewandt. Anfang der siebziger Jahre zog er mit seiner Familie nach Rotis. Dort gründete er 1984 das „Rotis Institut für analoge Studien“ und entwickelte dort auch die Rotis-Schriftfamilie, die er nach seinem Wohnort benannte. Mehr als eine Farbgebung Isny kann stolz darauf sein, dass Aicher sich auf Anregung von Rudi Winkler bereit erklärte, das Stadtbild grafisch umzusetzen. Die Textzeilen, die ebenfalls in der Gestaltung verarbeitet wurden, stammen aus prominenten Federn. „Isny, das Kap der Guten Hoffnung von Baden Württemberg“ stammt von Taddäus Troll und „Dort wohnen wo andere Urlaub machen“ ist zu einem Selbstläufer für die ganze Region geworden. Jetzt kann man also im Espantorturm einen Teil seiner Werke auf sich einwirken lassen. Schwarz-Weiß ist mehr als eine Farbgebung, es ist fast schon eine Philosophie. Die Eröffnung der Ausstellung findet am kommenden Freitag, 8. Mai, um 19.30 Uhr im Isnyer Rathaus statt. Unter anderem werden Bürgermeister Rainer Magenreuter, Julian Aicher und Dr. Dagmar Rinker vom Archiv der Hochschule für Gestaltung sprechen. Vom 9. Mai bis zum 12.Juli ist die Ausstellung mittwochs bis samstags jeweils von 15 bis 18 Uhr und Sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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