Einer für alle, alle für einen

Wer die Aufführung der „Drei Musketiere“ auf der Freilichtbühne Altusried besucht, wird für einige Stunden ins Frankreich des 17. Jahrhunderts entführt. Foto: Würzner

Wenn alle Mitspieler des Mantel- und Degendramas „Die drei Musketiere“ gleichzeitig auf der Freilichtbühne Altusried agieren, könnte man den Überblick verlieren. Aus den über 300 Mitwirkenden die zwei herauszufinden, die den Dialog führen, gelingt dennoch durch Zuhören und Zuordnen. Hat man sie erst einmal entdeckt, kann man den Blick mit Hilfe eines empfehlenswerten Opernglases wieder auf die Komparsen richten. Auch bei genauem Hinsehen ist die detailverliebtheit der Kostüme, das Mienenspiel und die Körpersprache der Schauspieler beeindruckend.

Zusammen mit der grandiosen Naturkulisse hat dies den Ruf der Freilichtbühne Altusried weit über die Grenzen des Oberallgäus hinaus verbreitet. Selbst diejenigen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Klassiker Götz, Tell, Hofer und die neuen Stücke im Repertoire, „Jungfrau von Orleans“, oder den Bauernkrieg gesehen haben und der Meinung sind, eine Steigerung sei eigentlich nicht möglich, müssen sich dieser Tage eines Besseren belehren lassen. Neue Ideen durch einen noch unverbrauchten Regisseur, noch aufwändigere Kostüme und Requisiten, dazu neue Gesichter, die einen schauspielerischen Vergleich mit Profis nicht fürchten müssen. Das Bessere ist bekanntermaßen der Feind des Guten. Liebe und Intrigen Die Geschichte des jungen Charles Ogier de Batz de Castelmore, Comte d’Artagnan, versteht man auch ohne Wissen über die Hintergründe der politischen und gesellschaftlichen Zustände im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Intrigen, Machtkämpfe, Liebe und Tod sind heute noch so aktuelle Ingredienzien des Lebens wie damals. Da verwundert es nicht, dass ein herzhafter Schmatz, den d’Artagnan seiner neuen Liebe Constance aufdrückt, mit Szenenapplaus quittiert wird (Wer unter den Zuschauern weiß schon, dass die beiden im wirklichen Leben tatsächlich auch ein Paar sind). Und der Schmerz, mit dem er den Tod der jungen Frau beklagt, ist vielleicht auch deshalb so gänsehauterzeugend. Das Premierenpublikum jedenfalls konnte sich am Freitagabend des Öfteren spontane Beifallsbezeugungen nicht verkneifen, der kräftige und langanhaltende Schlussapplaus war letztendlich Ausdruck einer positiven Gesamtbeurteilung. Interessierte können sich noch ihre eigene Meinung bis zum 17. Juli bilden, dann wird Kardinal Richelieu seinen König Ludwig XIII zum letzten Mal davon überzeugen können, dass Athos, Porthos und Aramis Verstärkung gebrauchen können.

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