"Einfach nur grässlich"

Mit einer bronzefarbenen Lochfassade will XXXLutz nun sein geplantes Möbelhaus zieren. Foto: Matz

Mit seinem ständigen kritischen Nachbohren und Nachhaken hat sich Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) bei der CSU-Fraktion nicht viele Freunde gemacht. Umso erstaunlicher war die Übereinstimmung zwischen beiden Seiten am Donnerstagabend im Bauausschuss: „Ich möchte nicht jeden Tag dort vorbei fahren und denken, ich bin in einem Industriegebiet gelandet“, sagte Hitscherich. Bei Karl Sperl von der CSU hörte sich das ähnlich an: „Bei den Anwohnern wird das den Eindruck eins Industriebaus erwecken“, sagte er. Der Grund für die ungewohnte Harmonie waren die neuesten Wünsche von Investor XXXLutz zum geplanten Bau des Möbelhauses am Haslacher Berg. „Einfach nur grässlich“, befand dazu Grünen-Stadtrat Hans Mangold.

Kommt er, oder kommt er nicht, fragen sich die Kemptener bereits seit Jahren. Eine Antwort darauf gab es erwartungsgemäß zwar auch am Donnerstagabend nicht. Dafür wird immer deutlicher, dass das Möbelhaus – sofern es denn tatsächlich irgendwann einmal gebaut werden sollte – mit der ursprünglichen Planung nicht mehr allzu viel zu tun haben wird. Neuestes Anliegen von XXXLutz: Die bisher geplante Schaufassade entlang der Bahnhofstraße soll auf einer Länge von ungefähr 170 Metern durch eine kupferfarbene Metall-Lochfassade ersetzt werden, wie Stadtplanungsamtsleiterin Antje Schlüter am Donnerstagabend berichtete. Für die restlichen Fassaden (beispielsweise entlang der Immenstädter Straße) ist nun statt Putzfassaden ein vielfach kleinteilig geknicktes Sandwichelement in Cremeweiß und ebenfalls mit Metalloberfläche vorgesehen. Die Nordostfassade in Richtung der Wohnhäuser in der Zugspitzstraße und Säulingweg bleibt in den Planungen dagegen weiterhin begrünt. Weitere Änderungswünsche betreffen das umstrittene Randsortiment. So werden nach Angaben von Amtsleiterin Schlüter Leuchten und Lampen in Absprache mit XXXLutz aus der festgesetzten Verkaufsfläche für Randsortimente wieder herausgenommen. „Demzufolge werden im neuen Bebauungsplan die Randsortimente auf 3020 Quadratmeter statt der bislang zulässigen 4000 reduziert“, erklärte sie. Durch die Aufteilung des Möbelhauses in XXXLutz und Mömax muss darüber hinaus auch der Vorplatz und die Verkehrsführung in der Bahnhofstraße überdacht werden. „Es ist davon auszugehen, dass ein wesentlich größerer Anteil der Möbelhausbesucher an die Abholstelle auf der Nordseite fahren muss“, so die Leiterin des Stadtplanungsamtes. Eine Lösung dafür soll nun ein neu beauftragter Verkehrsplaner finden – und zwar möglichst bis 2015. Bis dahin ist die Bauverwaltung derzeit geneigt, dem Investor aufgrund der neuen Entwicklungen Zeit einzuräumen. Eigentlich läuft die Durchführungsvereinbarung bereits im September 2013 aus. „Dann sollte 2015 aber auch ein Möbelhaus dort stehen“, betonte Schlüter. Nach derzeitigem Stand werden die neuen, noch zu konkretisierenden Planungen am 7. Februar im Bauausschuss präsentiert. Die Stadträte scheinen dagegen langsam aber sicher mit ihrer Geduld am Ende. „Einfach nur grässlich“, sagte Mangold und brachte damit die Meinung vieler auf den Punkt. Helmut Hitscherich appellierte zu beachten, dass der Haslacher Berg das „Tor zur Stadt“ sei und Thomas Kiechle (CSU) meinte: „Putz liegt mir deutlich mehr.“ Karl Sperl wies darauf hin, dass die Blechfassade durch Spiegelungen Autofahrer blenden könnte. Zudem befürchten die Räte, dass die Lochblechfassade mit Werbung hinterleuchtet werden könnte. Darauf werde man achten, gab Baureferentin Monika Beltinger Entwarnung. „Wir wollen nicht, dass die Fassade zur überdimensionierten Werbefläche wird“, sagte sie. Für mehr Gelassenheit in der Debatte sprach sich Siegfried Oberdörfer (SPD) aus, der sich an der Fassade nicht weiter störte: „Man sollte das mal versachlichen“, mahnte er und CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier warf ein, dass Lochblech „auch ganz spannende Durchblicke“ bieten könne. XXXLutz-Expansionsleiter Robert Röpert war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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