"Einmaliges Stück Geschichte"

Ein kostbares Geschenk konnte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) vergangene Woche für die Stadt in Empfang nehmen. Mehr als 900 Bücher, von denen der größte Teil vermutlich der ehemaligen Konvents- und Sitftsbibliothek in der Residenz entstammen, hat der heimatverbundene Unternehmer Paul Huber an die Stadt übergeben. Unter notarieller Aufsicht unterzeichneten Huber und Netzer im Rahmen einer kleinen Feier die Schenkung.

Damit werde der Öffentlichkeit „ein einmaliges Stück Geschichte dieser Stadt und vor allem des ehemaligen Fürststifts Kempten zugänglich gemacht“, strahlte das Stadtoberhaupt. Die überwiegend Standardwerke aus dem juristischen Bereich, der Medizin, Landwirtschaft, der Wirtschaftswissenschaft und Theologie sollen künftig bei den Führungen im Vorzimmer des Thronsaals in der Residenz besichtigt werden können. Der zeitliche Bogen der Bücher reiche, wie Netzer verkündete, von frühen Druckwerken des 15. und 16. Jahrhunderts über das 18. Jahrhundert „bis in die beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, als zahlreiche Zeitschriften und Abonnementwerke gegründet wurden, um den Lesehunger zu stillen“. Auch aus Privatbibliotheken sei die Sammlung ergänzt worden, in der die jüngsten Bücher aus den 1830er Jahren zumeist mit dem Unterricht im ehemaligen Stiftsgymnasium zu tun hätten, wo die Huber-Sprößlinge Schüler gewesen seien. Ebenso sei Einzigartiges zu finden, wie die handschriftliche „Ethica“ des St. Gallener Abtes Beda Angehrn oder ein theologisches Werk, das einer der berühmtesten Kemptener Stiftsherren, Domenikus von Brentano (1740-1797), mit 18 Jahren handschriftlich kopiert habe. Bislang sei nur ansatzweise erforscht, welche Wege die Büchersammlungen des Stifts Kempten nach der Säkularisation genommen hätten. Bei den Huberschen Büchern sei zu vermuten, dass sie mit der durch Johann Huber anno 1838 erworbenen Druckerei Kösel in den Familienbesitz übergegangen seien. Paul Huber, der die Druckerei und den Verlag Kösel von 1952 bis 1982 leitete und bis 2001 Gesellschafter war, sei es ein Anliegen gewesen, die in vielerlei Hinsicht wertvollen Bücher der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – aber auch sie „fachlich und restauratorisch betreut zu wissen“. Die von der Historikerin Birgit Kata mit „hohem Maß an fachlicher Kompetenz“ vorgenommene Erfassung und erste Beurteilung, „zeigt den Facettenreichtum der stift-kemptischen Haus- und Hofhaltung und öffnet vielerlei, zum Teil neue Zugänge“. Nun kehrten die Bücher wieder an den Ort zurück, „an dem sie einst in regem Gebrauch waren“. Den passenden Rahmen werden dort zwei edle, frisch restaurierte Schränke geben, Dauerleihgaben der Münchner Akademie der Wissenschaften.

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