"Einschätzung kann ich nicht teilen"

„Anspruch und Wirklichkeit bei den Kemptener Kliniken klaffen weit auseinander“ – so betitelte die ver.di-Jugend jüngst eine Pressemitteilung, in der sie den Geschäftsführer des Klinikums Kempten-Oberallgäu, Andreas Ruland, hinsichtlich einiger Aussagen kritisiert. Der wies am Montag im Gespräch mit dem KREISBOTE die Vorwürfe zurück.

„Wie Klinikleitung und Aufsichtsrat die Versorgung der Patienten durch ein Mehr an minimal qualifizierten Pflege- kräften verbessern wollen, ist unklar“, meinte Stephan Ettensperger, Jugendsekretär bei ver.di. Hintergrund ist Rulands Ankündigung, bis zu 30 Prozent der examinierten Pflegekräfte an den Kliniken durch günstigere, minimal qualifizierte Pflegehelfer ersetzen zu wollen. „Die Anforderungen für Pflegekräfte sind sehr differenziert“, erläuterte Klinik-Geschäftsführer Ruland am Montag gegenüber dem KREISBOTE. Momentan sei die Situation so, dass die examinierten Pflegekräfte alle Aufgaben bewältigen würden. Auch die, die nicht unbedingt in das Aufgabenfeld einer examinierten Pflegekraft gehören, wie zum Beispiel Verwaltungsangelegenheiten oder Hol- und Bringerdienste, erklärte Ruland. Ziel sei nun, die Aufgaben aufzuteilen. „Im Oberallgäu wird schon seit einigen Jahren nach dem Prinzip gearbeitet, dass die examinierten Pflegekräfte nur die Kernaufgaben erledigen. Die anderen Tätigkeiten werden von anderen übernommen“, so der Klinik-Geschäftsführer. Dadurch werde die Arbeitszufriedenheit der examinierten Pflegekräfte gesteigert, da sie hauptsächlich für das eingesetzt werden, wofür sie ausgebildet wurden, fügte er an. Laut Ruland können die 30 Prozent nicht auf allen Stationen erreicht werden. „Im Schnitt liegt der Anteil der examinierten Pflegekräfte zu den anderen aber bei ungefähr 70 zu 30“, sagte er. Zu den Befürchtungen der ver.di-Jugend, dass die Übernahme- und Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten der examinierten Pflegekräfte durch diese Maßnahme „gegen Null sinken“ meinte Ruland: „Diese Einschätzung kann ich nicht teilen.“ Der Bedarf an examiniertem Pflegepersonal sei weiter hoch, erläuterte er. Sorge bereitete der ver.di-Jugend auch Rulands Aussage, dass der neue Klinikverbund weder die Mitgliedschaft im Kommunalen Arbeitgeberverband noch in der Zusatzversorgungskasse des öffentlichen Dienstes vorsehe. „Damit verbunden ist der Wegfall der Tarifbindung und der betrieblichen Altersvorsorge für alle künftigen Beschäftigten“, sagte Ettensperger. „Derzeit wird keine Mitgliedschaft angestrebt“, betonte Ruland am Montag. Bei den Neueinstellungen gebe es nur bei der Zusatzversorgungskasse keine Zusagen, die bestehenden Mitarbeiter hätten eine „100-prozentige Bestandsgarantie“, erklärte der Klinik-Geschäftsführer. Die neue Klinikverbund gGmbH soll für die Beschäftigten keine Nachteile mit sich bringen, so Ruland.

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