Eltern als Vorbild

Die neue Broschüre von „Leben statt schweben“ spricht sowohl Jugendliche als auch ihre Eltern an. Foto: Matz

Es gibt ein Video im Internet, das nach Ansicht der Experten vom Stadtjugendring (SJR) bezeichnend ist für die heutige Einstellung vieler Jugendlicher. „Entweder gehe ich saufen oder hock mich vor die Kiste“, antworten zwei jugendliche Besucher der Allgäuer Festwoche auf die Frage, was sie in der Regel Samstagsabends denn so machen. An solche Heranwachsenden, vor allem aber auch an die betroffenen Eltern, richtet sich die neue Broschüre der Aktion „Leben statt schweben“, die nun erschienen ist. Am vergangenen Mittwoch stellten Thomas Baier-Regnery, Leiter des Amtes für Jugendarbeit, und das Team des SJR das neue Heft vor.

Die neue Broschüre soll insbesondere zwei Ziele verfolgen, erläuterte Baier-Regnery: „Zum einen wollen wir junge Menschen im Umgang mit Alkohol bewusst anleiten. Zum anderen wollen wir mit der Broschüre die Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe anleiten.“ Dabei stehe der Gedanke des präventiven Jugendschutzes im Vordergrund. „Jugendschutz ist 365 Tage im Jahr ein Thema“, betonte er. Allerdings, so der Hinweis von Sabine Fixmer vom SJR, „es geht uns nicht ums Verbieten – es geht um den bewussten Umgang.“ Denn gerade beim Umgang mit Alkohol müssten sich die Eltern ihrer Vorbildfunktion bewusst werden. „Kinder beobachten sehr gut, wie Eltern mit Alkohol umgehen“, erklärte sie. Daher sei es schon problematisch, wenn es zu Hause jeden Tag zum Abendessen alkoholische Getränke gebe. „Man sollte sich mit der eigenen Vorbildfunktion auseinandersetzen“, so Fixmer. „Es ist wichtig, dass Eltern klare Grenzen setzen.“ Deshalb werden in dem neuen Heft nicht nur auf die Risiken von Alkoholmissbrauch hingewiesen und informiert, sondern vordergründig aufgezeigt, wie sich Eltern verhalten sollen, wenn sie ihr Kind beim Trinken oder betrunken erwischen. "Grenze gefallen" Alexander Haag, Geschäftsführer des SJR, ergänzte: „Den risikohaften Umgang mit Alkohol wollen wir verhindern.“ Denn vom häufigen Trinken bis zur Sucht sei es gerade für Jugendliche oder Heranwachsende nur ein sehr schmaler Grad. Begünstigt worden sei diese Entwicklung auch durch die Einführung sogenannter Alkopops, also eher süßlichen Getränken, die den Geschmack von Alkohol verstecken und somit attraktiv für Jugendliche sind. „Damit ist eine Grenze gefallen“, so Haag. Die nun veröffentlichten 3000 Broschüren sollen vor allem in den Jugendeinrichtungen verteilt werden. Außerdem sind sie unter anderem in der Stadtverwaltung erhältlich. Darüber hinaus plant der SJR für den 23. und 25. November jeweils von 19.30 bis 22 Uhr den Workshop „Mein Kind trinkt Alkohol – was jetzt?“. Petra Denne vom SJR bezeichnete das Vorhaben als Quasi-Ergäzung zur Broschüre. „Wir möchten den Eltern beim Ungemütlichsein gegenüber ihren Kindern helfen“, sagte Denne. Denn eine gewisse Strenge bzw. klare Grenzen und deren Durchsetzung seien enorm wichtig bei der Stärkung der Elternrolle. Weitere Infos zum Thema gibt es auch beim SJR unter der Telefonnummer 0831/13438 oder im Internet unter www.leben-statt-schweben.de.

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