"Emmy" für Rainer Zwing

Auch sie gibt es, die stillen Stars des Fernsehens. Sie sind zwar nicht die, die in großen Produktionen ins heimische Wohnzimmer flimmern, sondern diejenigen, die dafür sorgen, dass die Bilder überhaupt in gestochen scharfer Qualität auf den Bildschirm kommen. Die TV-Entwickler bekommen ihren Emmy allerdings nicht wie Schauspieler und Regisseure im Herbst in Los Angeles überreicht, sondern im Januar in Las Vegas vor dem Hintergrund der Elektronikmesse CES (Consumers Electronics Show). In der glitzernden Zocker-Metropole war es heuer ein Kemptener, der die in Fachkreisen begehrte Trophäe einheimste – Rainer Zwing, Leiter des Thomson-Labors in Villingen.

Hier hatte der mittlerweile 48-jährige Kemptener vor 12 Jahren mit den Arbeiten an der bahnbrechenden Entwicklung des HDMI-Standards begonnen, für die er nun in Las Vegas den Technologie-Emmy erhalten hat. „Die Auszeichnung und der Markterfolg zeigen mir, dass man als Entwickler ein klares Ziel vor Augen haben, daran glauben und dieses Ziel auch gegen alle Widerstände konsequent zu Ende verfolgen muss“, sagte Rainer Zwing anlässlich der Auszeichnung. Die Abkürzung HDMI steht für High Definition Multimedia Interface und bezeichnet eine universelle Verbindungsschnittstelle für alle Multimedia-Geräte, die die bisher üblichen Scart- oder Cinch-Verbindungen ersetzen wird. Für dieses Jahr gehen seriöse Schätzungen davon aus, dass weltweit jedes neu produzierte digitale TV-Gerät einen HDMI-Anschluss haben wird. HDMI ist dabei vor allem auch noch richtig praktisch im Alltag: Ein einziges Kabel genügt bei dieser Schnittstelle, um zugleich hoch auflösende Videobilder und Mehr-Kanal-Ton zu übertragen. Doch fast noch wichtiger für den Welterfolg von HDMI schätzt Zwing die gelungene Gremienarbeit ein, in dem sich ein Konsortium der weltgrößten TV-Entwickler - unter ihnen: Thomson – tatsächlich auf einen universellen Standard einigte: „Wir haben darin den europäischen Standpunkt vertreten, in allen technischen Fragen aber flexibel kooperiert“, beschreibt Zwing den Villinger Beitrag zur Firmen und Länder übergreifenden Entwicklungsarbeit. Chef von 25 Entwicklern Obwohl Zwing gebürtiger Stuttgarter, aber in Kemptener aufgewachsen ist, hat er mittlerweile doch einen gewissen wissenschaftlichen Lokalpatriotismus entwickelt. „Ich hoffe sehr, dass der Forschungsstandort Villingen von diesem Preis profitieren kann“, erklärte der 48-Jährige, der sich sein unverkennbar rollendes Allgäuer „R“ beibehalten hat. Standorte in der ganzen Welt Zwing startete seine berufliche Karriere nach Abschluss seines Ingenieur-Studiums in München 1989 als Entwicklungsingenieur im Thomson-Labor. Heute ist er Leiter eines eigenen Labors und Chef von 25 Entwicklern, die auf verschiedenen Gebieten der Videosignalverarbeitung forschen. Darüber hinaus steuert der Kemptener mehrere Entwicklungsgruppen, die auf seinem Arbeitsgebiet an verschiedenen Thomson-Standorten in der ganzen Welt arbeiten. Den Technologie-Emmy erhalten Firmen, die zu technologischen Durchbrüchen in der Fernseh-Technik beitragen. Dementsprechend stolz äußerte sich Dietmar Uhde, Chef des Villinger Thomson-Labors. „Das zeigt, dass unsere Entwickler an der vordersten Front der technologischen Entwicklungen arbeiten“, sagte er.

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