Emotionale Diskussion

In der Kritik der Tiefgaragengegner steht auch die Zufahrt zum unterirdischen Parkhaus unmittelbar am Biergarten der Gaststätte „Stift“. Außerdem wird die Zufahrtsplanung als zu eng bewertet. Foto: Archiv

Überraschung im „Stift“: Da auch einige prominente Tiefgaragenbefürworter den Weg zur Veranstaltung der „Initiative Hildegardplatz“ gefunden hatten, entwickelte sich am Mittwochabend statt einer drögen Infoveranstaltung eine muntere, teilweise leidenschaftliche Diskussion mit interessanten Aspekten. Deutlich wurde dabei, dass die Gegner des Vorhabens vor allem aus finanziellen Gründen am 10. April „Nein“ sagen werden. „Die 1,6 Millionen Euro könnte man für Sinnvolleres ausgeben“, sagte beispielsweise Stadtrat Helmut Hitscherich (UB/ödp) den etwa 90 Zuhörern.

Aus Sicht der Gegner sind es vor allem die unkalkulierbaren Risiken bei Kosten und Bauzeit, die gegen das Projekt sprechen. „Was sind jetzt die richtigen Zahlen?“ fragte Grünen-Kreisvorsitzender Rüdiger Dittmann eingangs und spielte damit auf die jüngst präsentierte Wirtschaftlichkeitsberechnung der Stadtverwaltung an (der KREISBOTE berichtete). Bei der prognostizierten Bauzeit werde „das Risiko des Winters“ ignoriert, so der Bauingenieur weiter. „Für die Tiefgarage sprechen unserer Meinung nach nur die Mehrzahl der Parkplätze“, sagte er. Selbst dabei gelte es aber zu bedenken, dass laut Gutachten 71 Prozent der Autofahrer, die den Platz ansteuern, Kurzzeitparker sind. „Der Platz lebt von Kurzzeitparkplätzen.“ Die Möglichkeit statischer Probleme an der Basilika bezeichnete der Ingenieur als „Restrisiko“. Viel problematischer sei der schwierige Baugrund für die Kostenberechnung. „Das Risiko der Kostenmehrung besteht bei diesem Baugrund“, betonte er. Alternative Parkplatzmöglichkeiten gibt es aus Sicht der Initiative genug. „Im Umkreis von 350 Metern gibt es 1600 Parkplätze am Tag“, erläuterte Helmut Hitscherich. Abends stünden immerhin noch 800 kostenlose Parkplätze zur Verfügung. „Warum müssen 4,4 Millionen ausgegeben werden, wenn es genügend andere Möglichkeiten gibt?“ Mit den 2,8 Millionen Euro aus der Stellplatzrücklage könne man fast ein komplettes Parkhaus bauen, erläuterte der Stadtrat. Leidenschaftliche Debatte SPD-Stadtrat Siegfried Oberdörfer warf ebenfalls ein, dass die Stellplatzrücklage sinnvoller verwendet werden könne. „So ist das Parkleitsystem nicht ausreichend.“ Teilweise würden Parkplätze mit freien Plätzen vom System als komplett belegt angezeigt. Nicht im Herzen der Stadt Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass vor allem viele unmittelbar Betroffene und Stiftsstädter mit Leidenschaft gegen die Tiefgarage sind. „Bitte kein Parkhaus im Herzen der Stadt“, appellierte die „Altstadt-Traudl“ Schwarz. „Irgend jemand meint, man muss sich hier mit aller Macht ein Denkmal setzen“, kritisierte sie. Bernhard Kunze wunderte sich, „warum die Stadt hier so kurzfristig denkt“ und Frank Schäfer betonte, dass es seit 30 Jahren auch ohne Tiefgarage keine Probleme mit dem Wochenmarkt gebe. Ralf Oberbauer wies darauf hin, dass Tiefgaragenparkplätze dem Bedarf der Geschäfte am Platz widersprechen. „Fünf Kurzzeitparkplätze wären für die Post derzeit wichtiger als 1070 Tiefgaragenplätze“, spielte er auf die Parkplatzproblematik am Forum an. Die überraschend zahlreich erschienene Gegenseite argumentierte mit ihren altbekannten Gründen. „Wir haben Parkplatznot“, betonte etwa CSU-Stadtrat Harald Platz. Geschäftsmann Joachim Rall mahnte: „Wir Geschäftsleute brauchen die Tiefgarage.“ Hansjürg Hensler sagte: „Ich bin ganz klar für eine Tiefgarage.“ CSU-Stadtrat Thomas Kiechle verteidigte das Projekt als „Infrastrukturmaßnahme“. „Das ist kein Prestigeobjekt.“ Alexander Hold von den Freien Wählern bezichtigte die Gegner einmal mehr, mit falschen Zahlen in die Irre zu führen. Und Planer Prof. Dr. Karl Schütz erklärte, dass durch die vorgesehene komplexe Bautechnik die Basilika St. Lorenz nicht gefährdet werde.

Meistgelesene Artikel

Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Kempten – Das neue Jahr wird ein Jahr in dem einiges entschieden wird. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde am Freitag ein Präsident …
Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur …
Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kommentare