"Emotionale Gespräche"

Viele Nachbarn hat der weit weg vom Schuss liegende Wasserhochbehälter des KKU im Lenzfrieder Hinterholz nun wahrlich nicht. Dafür aber einige wenige, die sich nicht unbedingt einen O2-Sendemast Vors Haus setzen lassen wollen und das jetzt auch unmissverständlich kund tun. Dementsprechend deutlich sind die Worte, die die beiden betroffenen Bio-Landwirte Richard Haneberg und Georg Weixler in ihren Briefen an OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und die Mitglieder des Bauausschusses formuliert haben. Beide sehen ihre Existenz bedroht. Der Lenzfrieder CSU-Stadtrat Thomas Kiechle hat bereits reagiert, und für kommenden Freitag, 27. März, eine Bürgerinformationsveranstaltung einberufen.

Wie bereits im KREISBOTE berichtet, gilt der Wasserhochbehälter des KKU im Lenzfrieder Hinterholz sowohl bei O2 als auch beim Umweltinstitut München als der Favorit unter den möglichen Standorten für einen neuen Sendemast. Den unmittelbar daneben lebenden und arbeitenden Bio-Landwirten Richard Haneberg und Georg Weixler passt das allerdings gar nicht. Beide befürchten gesundheitliche Auswirkungen durch die Strahlen, vor allem auch auf ihre Tiere. Fast 70 Rinder hat beispielsweise Haneberg in seinem Stall stehen und sieht nun seine Existenz bedroht. In seinem Schreiben an OB Netzer und die Mitglieder des Bauausschusses weist Haneberg vor allem auf die lange Weidezeit seiner Tiere von April bis Oktober in unmittelbarer Nähe der Anlage hin. „Im Immissionsgutachten sind diese Flächen zum Teil gelb gekennzeichnet, was einer Leistungsdichte von drei Milliwatt/Quadratmeter entspricht“, kritisiert er. Das sei acht Mal mehr als im Wohnhaus. „Die Sorge um den Gesundheitszustand unserer Milchviehherde, der Kälber und des Jungviehs und somit um die Existenzgrundlage unseres Bauernhofes ist mehr als berechtigt“, so der Bio-Landwirt weiter. Tiere werden überprüft Gegenüber dem KREISBOTE erklärte Haneberg, dass sein Hof an einem Forschungsprojekt der Uni Göttingen teilnehme, wobei seine Tiere viertel- bis halbjährlich untersucht würden. Sollte es zu Auswirkungen der Strahlung auf die Gesundheit seines Viehs kommen, könne das umgehend nachgewiesen werden. Auch Nachbar Georg Weixler mahnt an, dass es um die Existenz beider Höfe gehe. „Mein Sohn hat 2006 den Betrieb übernommen und ist darauf angewiesen, dass er weiterhin gesunde Lebensmittel erzeugen kann“, betont Weixler. Beide Landwirte weisen außerdem auf die Gefährdung der eigenen Gesundheit und der ihrer Familien hin. Haneberg bezieht sich dabei auf die errechnete Belastung von 400 Mikrowatt für den Bereich des Hofs. „Wie Messungen im Kemptener Westen und auch anderwärts zeigten, treten bei Betroffenen bereits bei 200 Mikrowatt Veränderungen des Blutbildes auf“, schreibt er. Ein Bausachverständiger habe ihm deshalb den „Einbau von Abschirmmaßnahmen dringend empfohlen“. Da das jahrhunderte alte Bauernhaus mit der Giebelseite allerdings nach Osten – also in Richtung des Hochbehälters – ausgerichtet sei, könne räumlich nicht vor der Strahlung ausgewichen werden. „Somit wird der geplante Sendemast für mich und meine Familie zu einer untragbaren Belastung“, betont Haneberg. Und wie soll es nun weitergehen? Trotz der deutlichen Kritik ist Haneberg weiterhin verhandlungsbereit. „Wir sind natürlich schon an einer Lösung interessiert“, sagte er gegenüber dem KREISBOTE. „Aber wir wollen nicht die volle Power vor der Haustür haben.“ Sollte der Mast tatsächlich kommen, „dann will ich regelmäßige Messungen“, betonte Haneberg. "Ich habe Verständnis" Stadtrat Kiechle äußerte im Gespräch mit dem KREISBOTE vollstes Verständnis für Haneberg. Deshalb hat er nun für kommenden Freitag, 27. März, eine Bürgerinformation in Lenzfried beantragt. „Ich sehe die Notwendigkeit, das öffentlich zu diskutieren“, so Kiechle. Schließlich sei er nach der Bekanntgabe des Standortes von vielen Bürgern angesprochen worden. „Das waren durchaus emotionale Gespräche“, berichtete er. Deshalb sollen die Lenzfrieder nun die Gelegenheit zur Diskussion und Information bekommen. Dabei steckt Kiechle selbst in der Zwickmühle: Auf der einen Seite versteht er die Sorgen der Lenzfrieder, „auf der anderen Seite steht die gesamtstädtische Betrachtung“, sagte er. Den beiden Landwirten empfehle er jedenfalls, am Freitagabend ihre Bedenken zu äußern. Alles weitere müsse dann der weitere Verlauf des Prozesses zeigen. Beginn der Veranstaltung ist um 19.30 Uhr im Lenzfrieder Sportheim.

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