"Emotionales Eintauchen"

Die Dekane Lechner (links) und Dittmar nehmen gemeinsam die Segnung des neuen Platzes mitsamt seiner Kapelle und Schauraum vor. Fotos: Matz

Ungefähr 18 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr in Bayern Museen und Ausstellungen. Demnächst dürften es noch etwas mehr sein, wie Dr. Rainhard Rieperthinger vom Haus der Bayerischen Geschichte glaubt. Der unterirdische multimediale Schauraum der Erasmuskapelle sei jedenfalls eine „neue Attraktion“ mit Wirkung weit über das Allgäu hinaus, so Rieperthinger bei der feierlichen Eröffnung der Kapelle am Samstag.

Nach rund zwei Jahren Bauzeit war es am Samstagnachmittag soweit: Im Rahmen einer Feierstunde am St.-Mangplatz übergab OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft den neu gestalteten St.-Mangplatz und den Schauraum der Erasmuskapelle der Öffentlichkeit. In seiner Ansprache blickte das Stadtoberhaupt auf den langwierigen Diskussionsprozess bis zur Umsetzung des unterirdischen Schauraums zurück. „Wenn wir heute nun das Ergebnis betrachten, den neu gestalteten St.-Mangplatz mit unserer Erasmuskapelle, sind wir froh und dankbar, dass der Stadtrat die einmalige Chance wahrgenommen hat, über 800 Jahre Geschichte der Stadt Kempten an einem authentischen Ort erlebbar zu machen“, sagte Netzer. „Gerade in Kempten lässt sich die wechselvolle Geschichte vom Hochmittelalter in die Neuzeit bis heute prägnant nachvollziehen.“ Netzers Dank galt vor allem der Bauverwaltung: „Insbesondere Herr Wiedemann und Herr Kral haben sich beide persönlich überaus engagiert“, so Netzer. Dr. Rainhard Rieperthinger vom Haus der Bayerischen Geschichte zeigte sich ebenfalls überzeugt vom Konzept des unterirdischen Schauraums. Denn gerade in den letzten Jahren habe ein Umdenken der Deutschen in Sachen Kultur und Geschichte stattgefunden. Geschichte werde zunehmend als spannendes Erlebnis verpackt. „Da ist in den letzten Jahren viel geschehen. Man sucht verstärkt nach authentischen Orten“, erläuterte Rieperthinger und verwies auf das Kemptener Vorbild Regensburg. „Es wird nicht nur die Lust am Schauen befriedigt, sondern viele Sinne werden angesprochen“, erklärte er den Erfolg. „Es ist ein emotionales Eintauchen in die Geschichte des Mittelalters.“ "Ein Meisterstück" Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Kemptener Altstadtfreunde, dankte seinem Vorgänger Hansjürg Hensler für dessen Hartnäckigkeit. Immer wieder habe er auf den schlechten Zustand des St.-Mangplatzes aufmerksam gemacht. „Der Platz stand von Anfang an ganz oben auf der Prioritätenliste der Altstadtfreunde“, so Markmiller. Aber die Hartnäckigkeit habe sich ausgezahlt: „Dieser Platz ist ein Meisterstück seiner Art“, betonte der Altstadtfreunde-Vorsitzende. Die kirchliche Segnung und symbolische Bestattung des Skeletts 158/II in der unterirdischen Kapelle nahmen Dekan Michael Lechner und Dekan Dittmar gemeinsam vor. Für die musikalische Gestaltung des Festaktes sorgten das Ensemble „Tympana Magni“ sowie Abordnungen der Stadtkapelle, des Musikvereins Lenzfried und der Kapelle Heiligkreuz. Am Abend fand außerdem auf dem St.-Mangplatz die Aufführung des Stücks „Carmina Burana“ von Carl Orff statt Beim vorausgegangenen Bürgerfest hatten die Besucher unter anderem die Gelegenheit, den Boule-Freunden bei ihrem Sport zuzuschauen, spektakuläre Kampfsport-Einlagen des Taekwon-Do Centers zu bestaunen oder verschiedene Tanzgruppen anzufeuern. Am Sonntag schließlich standen die ersten Führungen durch den Schauraum auf dem Programm. Dazu informierte in der Kirche die Ausstellung „Der St.-Mangplatz und seine Geschichte“ über Historie und Hintergründe des neuen Kemptener Schmuckstücks.

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