Ist das Ende schon in Sicht?

Ingmar Niemann. Foto: mori

„Bildung ist die Lösung für Deutschland! Nichts ist so wichtig. Denn solange wir die Nase vorn haben, ist das für China ein Anreiz mit uns Handel zu treiben. Dass wir das schaffen, muss ins Bewusstsein.“ Eindringlich machte jetzt Ingmar Niemann, Politikwissenschaftler und Asienkenner, die Situation für die Zukunft Deutschlands deutlich – und dabei ging es bei seinem Referat in der vergangenen Woche hauptsächlich doch um den „Griff Chinas in die Welt“.

Einmal mehr war es dem Diakonischen Werk Kempten-Allgäu am traditionellen Buß- und Bettag gelungen, im Rahmen des „Forum Lichtblicks” in Kooperation mit der Thomas- Dehler-Stiftung und dem Lions Club Kempten-Cambodunum den herausragenden Dozenten nach Kempten zu holen. Initiatorin dazu war Gisela Bock, Mitglied der Dehler-Stiftung und Präsidentin des Lions Clubs. Schon vor drei Jahren hatte Niemann über China, das Land voller Gegensätze, informiert. Niemann, der sonst Hörsäle in den Universitäten füllt, begeisterte auch die rund 200 Besucher im Gemeindehaus Kempten. Er erinnerte, dass das „moderne“ China erst seit etwa 30 Jahren existiert und Asien bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das wirtschaftliche Zentrum der Welt war. Der Dozent nannte die für China wichtigen Zahlen von acht Prozent Wachstum pro Jahr und die damit verbundenen jährlich notwendigen neuen 20 Millionen Arbeitsplätze. China gehe dabei immer mehr weg von Billig-produktionen. Man suche Länderpartner mit Know-how – „siehe Deutschland“. Gleichzeitig habe China einen Fokus auf den Maschinenbau und die Automobilindustrie gelegt. „Schon Ende 2011 soll es ein erstes Comac-Flugzeug geben – und bis 2016 will China einen Mittelstreckenjet entwickeln, für den bereits British Airways und Ryanair Interesse bekunden“, wusste Niemann zu berichten. Seit kurzem, so Niemann, würden die Chinesen nicht mehr sparen, sondern „shoppen gehen“. So ist der Hafen in Piräus sozusagen in „chinesischer Hand“. Zwischen 2005 und 2010 investierte China global 266 Milliarden Dollar. Westliche Expansion China müsse schon heute enorm Rohstoffe importieren – Öl und Eisenerz bis zu Zweidrittel des Bedarfes, bei Kupfer macht es etwa die Hälfte aus. Dafür investiere das Reich der Mitte in Afrika, baue eine Schienenverbindung zwischen der Ost- und der Westküste. „50 Prozent aller öffentlichen Aufträge auf diesem Kontinent erhält China“, so der Experte. Parallel dazu kaufe sich China in den „Gürtel“ von Europa ein – in Serbien, Polen, in der Ukraine. „Letzteres ist ein fruchtbares Land mit viel Potential für die Zukunft in punkto Nahrungsmittel.“ Trotz der deutsch-chinesischen „Wirtschaftsbrücke“, dem Interesse an unserem Know-how machte Niemann auch auf den schlimmsten Fall aufmerksam, dass nämlich bis in 2030 der totale Kollaps in China erfolgen kann, wenn die Grenzen des Wachstums erreicht würden. Auch sei nicht auszuschließen, dass die „Finanzblase Chinas“ platzen könne. „Schattenbanken haben schon heute zu viel Macht.“ Es könnte ähnlich enden wie in Amerika. Und: „Bis Mitte des 21. Jahrhunderts hat Indien ohnehin die Führung übernommen. Dann wird China schwächer.“ Einen nächsten Vortrag mit Ingmar Niemann gibt es am kommenden Montag, 28. November, um 20 Uhr in der Hochschule Kempten. Das Thema: „Weltwährungskrieg - Der Euro zwischen US-Dollar und Yuan.“

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