Die Entscheidung naht

Ihre Erfahrungen im Wohnalltag der Wohngemeinschaften sind gefragt: Barbara Mitschke (Vertreterin der Mitarbeiter, rechts) und Caroline Hummel (Bewohnervertreterin) sind als beratende Mitglieder in das Preisgericht für das Wohnprojekt an der Rottachstraße involviert. Foto: moriprint

Mit Spannung fiebern bereits die Bewohner der Wohngemeinschaften Lützelburg, Haslacher Straße und Mühlweg der Lebenshilfe Kempten ihrem neuen Zuhause an der Rottachstraße 48 ½ entgegen. „Gibt es schon ein Modell von unserem neuen Haus?“, will zum Beispiel Florian wissen. „Ab wann steht der Kran?“ fragt dagegen Melanie. „Können wir mal wieder zum Grundstück fahren?“ hört Erzieherin Barbara Mitschke immer wieder.

Als Vertreterin der Mitarbeiter ist Barbara Mitschke ebenso wie Caroline Hummel als Bewohnervertreterin als beratendes Mitglied in das Preisgericht involviert. Die Vorbereitungen zur Entscheidung für einen Planentwurf sind mittlerweile in vollem Gange. Mitte Januar fällt die Entscheidung, welches der insgesamt zehn Architektenbüros den Auftrag für das innovative und integrative Wohnprojekt der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Kempten/Allgäu erhält. Beim Benefizkonzert am 25. Januar wird dann das Siegermodell vorgestellt. Die Weichen zum neuen Wohnprojekt wurden bereits in zwei Zukunftsworkshops 2009 und 2010 gestellt: kleine Wohngemeinschaften bis maximal acht Personen (aktuell noch zehn bis 12 Personen), heterogene Gruppen in Bezug auf Behinderung, Alter, Geschlecht sowie therapeutische Wohnformen für Menschen mit besonderem Hilfebedarf oder Verhaltensweisen (Autismus, Schwerbehinderung, Demenz). „Wir bieten in jedem Alter Raum und Unterstützung für Entwicklung und Lebensentfaltung“, heißt es im Leitbild der Lebenshilfe. Dazu gehört auch der Wohnbereich. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung wissen sehr wohl, was für sie im alltäglichen Wohnen wichtig ist. Sie und die Mitarbeiten müssen in die Planungen eingebunden sein“, informiert Klaus Meyer, langjähriger Vorsitzender des Vereins. Mehr als Wohnquartier Der Neubau auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal an der Rottachstraße 48 ½ ist mehr als ein Wohnquartier. In mehreren Bauabschnitten sollen 40 Wohnplätze, Therapie- und Funktionsräumen sowie eine zentrale Hauswirtschaft entstehen. Wichtig ist darüber hinaus für Caroline Hummel ein Discoraum für die jüngeren Bewohner. Barbara Mitschke hat sich ebenso Gedanken gemacht: „Die Wohnplätze sollen von Dauer sein. Das heißt, sie müssen den individuellen Entwicklungen angepasst werden können.“ Dazu zählt sie: „Jeder soll sein eigenes Zimmer haben, aber wenn jemand wie Michael eine Freundin hat, sollte auch die Möglichkeit bestehen, zwei Zimmer miteinander zu verknüpfen.“ Aus der Wohngemeinschaft am Mühlweg weiß sie: „Manchmal wollen einige Fußball schauen, andere nur gemütlich beieinander sitzen. Gemeinschaftsräume müssen zu teilen sein.“ Gewollt sind in dem neuen Wohnprojekt auch Synergie-Effekte, so dass beispielsweise Nacht- oder Wochenenddienste zusammengelegt werden können. Eine Herausforderung ist in Zusammenhang mit dem neuen Wohnprojekt das Thema „Demenz“. „Das wird auch für die uns anvertrauten Menschen im Alter ein Thema“, so der Bereichsleiter der Wohngemeinschaften, Jürgen Schulz. Diesen Gedanken und viele andere müssen die zehn Architekturbüros aus der Region und darüber hinaus planerisch umsetzen. Eine erste Sitzung mit dem Preisgericht gab es bereits. Caroline Hummel findet es toll, dass ihre Meinung zählt, „auch wenn ich manches nicht verstehe“. „Aber wenn ich von unserem Wohnen erzähle und was uns wichtig ist, ist das ja auch gut.“ Außerdem weiß sie ihre Begleiterin Nina Krabiell und Barbara Mitschke an ihrer Seite, die ihr manches Mal einen „komplizierten Satz“ in einer einfachen Sprache wiedergeben.

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