Die Entscheidung naht

Die Erasmuskapelle zu einer Art Dokumentationszentrum ausbauen oder für die Nachwelt konservieren und zuschütten? Diese beiden Alternativen soll der Bauausschuss in seiner Sitzung am kommenden Dienstag, 10. Februar, diskutieren (der KREISBOTE berichtete). Eine Woche später sollen dann die Bürger im Zuge einer Informationsveranstaltung das Wort haben. Trotzdem stellt sich die Frage, ob nicht schon längst eine Vorentscheidung gefallen ist.

Anlass für diese Vermutung gibt die Haushaltsrede von CSU-Stadtrat Harald Platz in der jüngsten Stadtratssitzung. Darin hatte sich Platz deutlich für ein Zuschütten der Erasmuskapelle stark gemacht. Im Gegenzug solle das wenige zur Verfügung stehende Geld lieber in das Beginenhaus gesteckt werden. „Das ist meine persönliche Meinung“, erklärte Platz am Montag gegenüber dem KREISBOTE. „Meine Idee ist, das sauber zu dokumentieren und verfüllen, um die Mauern zu konservieren.“ Sollte doch ein Dokumentationszentrum entstehen, stelle sich zumindest ihm persönlich die Frage nach dem Sinn. „Ich will, dass der Platz nutzbar ist für künftige Aktivitäten“, so Platz weiter. Das sei aber seine persönliche Meinung und nicht die der CSU-Fraktion. Bei den Freunden der Kemptener Museen (fkm) stößt Platz` Haltung auf Unverständnis. „Wir würden auf alle Fälle bevorzugen, wenn die Kapelle öffentlich zugänglich gemacht würde“, erklärte deren Vorsitzende Margarethe Gradmann dem KREISBOTE. Deshalb habe sie bereits alle Stadträte mit der Bitte angeschrieben, sich dafür einzusetzen. „Es ist einfach eine einmalige Chance, einen Punkt zu schaffen, der die Leute anzieht“, betonte sie. Dass ein Umfunktionieren der Kapelle in einen Schauraum viel Geld kosten werde, sei klar. Durch die zu erwartenden zahllosen Besucher und die geringen Unterhaltskosten könne sich das aber schnell wieder rechnen. „Das ist eine einmalige Chance“, ist sich Gradmann sicher. Voraussetzung sei allerdings, dass der St. Mang-Platz dann ebenerdig wieder zugemacht wird. Zur Not müsse man das Platzniveau insgesamt etwas anheben. Auch Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber ist für ein Offenlassen der Kapelle – vorausgesetzt Kosten und technischer Aufwand bleiben im Verhältnis. „Dann ist das eine hervorragende Lösung zur Vermittlung der Orts- und Stadtgeschichte“, sagte er. Allerdings müsse seiner Meinung nach eine „besondere Form der Vermittlung“ gefunden werden. „Man sollte die Chance nicht vertun, dort etwas Einmaliges zu machen.“ OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) will hingegen von einer Vorentscheidung nichts wissen. Platz habe lediglich seine eigene Meinung geäußert, betonte er. Zumal noch wesentliche Informationen fehlen würden, die eine Entscheidung erst möglich machen würde: „Uns allen fehlt noch ein wichtiger Punkt – nämlich was würde das Präsentieren kosten?“, erklärte Netzer. Endgültige Zahlen und Informationen sollen bis zum Dienstag vorliegen, erst dann könne richtig in die Diskussion eingestiegen werden. Man müsse zunächst einmal wissen, was man als Ziel erreichen könne. „Ich erwarte einen offenen Diskussionsprozess“, so Netzer. Eine öffentliche Bürgerinformation zu dem Thema ist dann für eine Woche später, am Dienstag, 17. Februar, im Evangelischen Gemeindehaus vorgesehen. Beginn ist entweder um 19 oder um 19.30 Uhr. Weitere Informationen dazu lesen Sie im nächsten KREISBOTE.

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