Enttäuschter Architekt

Peter Zumthor (links) und Bürgermeister Rainer Magenreuter bei der Einweihung der „Fußabdrucks“ in der Lindauerstraße. Foto: Archiv

Auf die Stellungnahme von Architekt Peter Zumthor waren nach dem Bürgerentscheid gegen das „Neue Stadttor Isny“ alle gespannt. In einem Brief an Bürgermeister Rainer Magenreuter brachte er vergangene Woche zum Ausdruck, was am Ende für ihn dabei wichtig ist.

Peter Zumthor hätte natürlich gerne bei entsprechender Resonanz in der Bevölkerung den futuristischen Glasturm gebaut. „Kulturobjekte in demokratischen Verfahren haben es schwer. Wenn man sie nur mit Kulturgewinn erklärt, ist das für viele zu wenig. Vielen macht auch das Neue an sich Angst. Sie hätten lieber eine Fortschreibung des Bewährten, und dann gibt es noch die Mentalität der Allgäuer – sie ist wie die der Deutschschweizer pragmatisch“, schrieb er in seinem Brief an Bürgermeister Rainer Magenreuter. Ganz deutlich haben die Isnyer Bürger nach seiner Meinung die „Umwegrentabilität“ nicht gesehen. Etwas zu tun, damit sich etwas anderes lohnt, sei schwer zu begreifen. Weiter schreibt er: „Dann wird wieder etwas wachsen, daran glaube ich. Die Initianten haben Kraft entwickelt, etwas ist entstanden, das kann man ihnen nicht mehr wegnehmen.“ „Isny hat eine große Chance gehabt, aber auch ohne das Neue Stadttor werden wir unseren Weg machen und unsere Zukunft gestalten. Wichtig ist für alle, jetzt nach vorne zu blicken und uns intensiv Gedanken zu machen, wie wir bei künftigen Projekten der Bevölkerung diese Angst vor Veränderung nehmen können, damit auch wir Isnyer über Neues freuen können“, formulierte Rainer Magenreuter in seinem Antwortbrief an Zumthor. Der Rathauschef hob hervor, dass der Bürger als oberste Instanz nun entschieden habe, und dass diese Entscheidung ohne wenn und aber akzeptiert werde. Mit Blick auf die dreijährige Zusammenarbeit mit Zumthor meinte er: „Ich möchte mich bei ihnen und ihrer Frau und bei ihrem Team, besonders bei Herrn Weitschies, für ihr großes Engagement, für die besonderen Ideen für unsere Stadt und für die vertrauensvolle, intensive und hervorragende Zusammenarbeit ganz herzlich bedanken. Ich wünsche Ihnen für alle weiteren Projekte viel Erfolg und weiterhin hervorragende Ideen!“ Für Isny ist das Projekt nun endgültig vom Tisch. Weder Peter Zumthor noch die Stadtverwaltung haben in dieser Hinsicht noch irgendwelche Ambitionen. Allerdings zeigen zwei Stuttgarter Ingenieure nun Interesse an dem Glasturm, wie Peter Zumthor als Nachtrag zu seinem Brief noch anführte. „Die Ingenieure kennen den Entwurf gut und waren erstaunt zu erfahren, dass man ihn in Isny nicht will. Sie zeigten sich spontan interessiert daran, den Turm nach Stuttgart zu holen und wollen damit beginnen, entsprechende Gespräche zu führen.“

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