Erfolgreiches Projekt

Behinderte Menschen und Tiere kommunizieren oft auf einer anderen Ebene. So können auch „Therapiemüde“ wieder erreicht werden. Unter Anleitung von Elfi Schill, Fachberaterin für tiergestützte Pädagogik, durchläuft Steve Brockmann mit der Landseer Hündin Andra einen Geschicklichkeitsparcours. Foto: Würzner

Elfi Schill machte Ulrich Schwab ein Angebot. Er nahm an, und damit war ein Projekt geboren, bei dessen Abschluss in der Astrid-Lindgren-Schule sich alle einig waren: Das war eine ganz tolle Sache, die zur ständigen Einrichtung in der Behindertentherapie werden sollte. Elfi Schill aus Altusried ist Fachberaterin für tiergestützte Pädagogik, Therapie und Fördermaßnahmen. Ulrich Schwab war zu der Zeit, als „Freude und Spaß an der Bewegung mit Tieren“ sich entwickelte, Präsident des Rotary Clubs Kempten Residenz.

Die Leiterin der Tagesstätte, Andrea Ferrari, war im Bunde die Dritte. Das Ergebnis: 20 gesponserte Übungseinheiten für Kinder und Jugendliche mit geistiger und Körperbehinderung. Elfi und Joschi Schill, die auf ihrem Hof in Winneberg hoch über Altusried einen ganzen Zoo betreiben, besuchten irgendwann ein Agility Turnier für Hunde. Die Idee, ihre eigenen Vierbeiner zu therapeutischen Zwecken mit Behinderten einzusetzen, um auch deren körperliche und geistige Beweglichkeit zu fördern, wurde Realität mit dem Bau eines Parcours, der speziell für diesen Zweck entworfen wurde. Wippe, Flatterband, Wassergraben, Slalom, Tunnel und Podest entstanden, zum Teil mit Hilfe der „Dompteure“. Für Rollifahrer geeignet, versteht sich. Erst die Theorie Frauchen und Herrchen mussten aber erst mal Theorie büffeln. Pflege, Ernährung, Hundesprache und -spiel standen auf dem Stundenplan. Dann begann das gegenseitige Kennenlernen. In dem Erfahrungsbericht von Elfi Schill liest sich das so: „Mark musste sich in Geduld üben und Steve sich bewegen, Amon redete plötzlich viel und laut mit dem Chihuahua Freddy und Julian lernte mit Mischling Picco kommunizieren und nicht nur den Hund hinter sich herziehen. Er war kritischer Beobachter wie die anderen mit ihrem Hund umgingen. Eine tolle Gemeinschaft, jeder achtete auf jeden und alle zusammen auf die Hunde“. Tiere bewerten nicht, sie nehmen Menschen so an, wie sie sind. Und, Kinder bringen ihren neuen vierbeinigen Freunden etwas bei, erklären sogar den Erwachsenen, was sie mit Tieren machen müssen. „Das war bei weitem mehr als wir erwartet haben“, freuten sich die Experten. Sie konnten sich gleich noch eine Meinung bilden über „Snoezelen mit Tieren“. Diese Variante eignet sich für Kinder mit mehrfacher Behinderung, die nur eingeschränkt an anderen Aktivitäten teilnehmen können. Gut zu beobachten war, wie Kinder mit autistischen Zügen von sich aus Kontakt aufnahmen mit den Tieren, der später zum Blickkontakt ausgeweitet wurde. Spielerisch entwickelte sich daraus ein Geben und Nehmen, eine allgemeine Wahrnehmungsförderung setzte ein unter Einbeziehung von Akustik und Licht sowie ätherischer Düfte. Den Kindern erschloss sich eine neue Dimension mit Hilfe von Tieren. Tiefere Ebenen Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Tiere den Menschen auf tiefer liegenden Ebenen ansprechen, weil sie ohne Worte kommunizieren. Sie kommen zur Ruhe, der Wunsch, das Tier zu berühren veranlasst sie, sich zu bewegen. Sehr gute Erfahrungen haben Elfi und Joschi Schill auch mit Senioren gemacht. Das Bild einer alten Dame, die eine Katze auf dem Schoß hat und sie mit Hingabe streichelt, entsteht sofort vor dem geistigen Auge in diesem Zusammenhang. Eines der Angebote der Schills lautet aus diesem Grunde: Seniorencafé mit Tierkontakt. Wer weitere Informationen wünscht, erhält sie unter der Telefonnummer 08373/93 59 100 oder im Internet unter www.impulse-durch-tiere.de.

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