Erhebliche Einschnitte

Der derzeitige Lageplan des Stephanuswerkes Isny. Um das Defizit des Werkes künftig zu senken, wird es einige Einschnitte geben. Grafik: Stephanuswerk

Bei der Evangelischen Heimstiftung (EHS) weht seit einiger Zeit ein anderer Wind. Seit Januar 2011 ist Bernhard Schneider Hauptgeschäftsführer der EHS und hat, als von außen kommender, auch keine emotionale Bindung an das Stephanuswerk. Seit Jahrzehnten war das „Steffi“ eine Art Paradiesvogel und Außenseiter unter den 73 Einrichtungen, die zur EHS gehören. So manches Defizit wurde abgedeckt und hingenommen. Hier fanden die Tagungen der EHS statt, hier war seit der Nachkriegszeit ein Versehrtenheim und damit hat das Werk Sozialgeschichte geschrieben.

Wie bröckelig das Ganze jedoch geworden ist, zeigt sich auch daran, dass seit mehr als einem Jahr immer wieder von einem Verkauf der gesamten Einrichtung gesprochen wurde. So weit ist es jetzt zwar nicht gekommen, dennoch wird es einige gravierende Änderungen geben. Punkt eins: Das Tagungshotel wird seine Pforten schließen (Defizit 374 000 Euro). Das kleine Hallenbad ist jetzt schon geschlossen. Punkt zwei: Die etwa zehn Hektar Grünland zwischen den Gebäuden des Stephanuswerkes und dem Tagungshotel sollen veräußert werden um damit, so hofft die Führungs- gruppe um Bernhard Schneider, ein Teil der notwendigen Investitionen zu finanzieren. Punkt drei: Die „Zentralen Services“ (Defizit 519 000 Euro) werden ebenfalls Stellenabbau und Neustrukturierungen hinnehmen müssen. Punkt vier: Die von den Kostenträgern stark reduzierte Berufliche Bildung und Reha- bilitation behinderter Menschen, (Defizit 856 000 Euro) wird ebenfalls stark abgebaut. Bis 2013 soll das Stephanuswerk in allen Bereichen schwarze Zahlen schreiben und die Evangelische Heimstiftung will in den nächsten Jahren sechs Millionen Euro investieren. Auch das Gebäude, in dem bis zur Schließung die Reha-Klinik untergebracht war, und andere Immobilien stehen zu Abriss oder Verkauf. Wie da die Entscheidung fällt, liegt an längeren Verhandlungen. Das Stephanuswerk hat in der EHS auch weiterhin Zukunft und die Entscheidung des Aufsichtsrates jüngst in Stuttgart war auch für die 270 Mitarbeiter ein deutlich positives Zeichen. Schneider unterstrich seine angewandte Strategie: Die abzubauenden 48 Stellen sollen so sozialverträglich wie möglich realisiert werden. Altersruhestand, Frühverrentung, Auflösung von Zeitverträgen und somit allgemeine „Verschlankung“ sollen nach seiner Meinung die Richtung sein. Baumaßnahmen an den Wohnheimen, Bau eines attraktiven Werkstattladens und andere Sanierungsmaßnahmen sollen offen legen, dass es mit dem Stephanuswerk weiter geht und eine Rückführung zum Kerngeschäft und eine räumliche Reduzierung auf notwendige Bereiche wünschenswert ist. Es gibt durchaus auch Bereiche in der Einrichtung die für sich betrachtet auch jetzt schwarze Zahlen schreiben. Das sind die Werkstätten für Behinderte, die Belegung der stationären Wohnheime die angegliederte GmbH „START“ und somit Bereiche die näher am Ursprung liegen. Die Mit-arbeitervertretung hat im Namen der Beschäftigten eine positive Sicht der Dinge und enge Zusammenarbeit zugesagt. Die Fehler der Vergan-genheit sind für sie nicht ganz einsehbar.

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