Gabriele Schnitzenbaumer stellt ab Samstag aus

Skulpturen und Bilder

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Ein Ausschnitt aus der Installation „1944“.

Isny – In der Städtischen Galerie im Schloss wird langsam der Jahreswechsel eingeläutet. Ab Samstag, 23. November, bis 16. Februar sind von Gabriele Schnitzenbaumer unter dem Titel „Skulpturen und Bilder“ zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Freitag, 22. November, um 19.30 Uhr.

Gabriele Schnitzenbaumer feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Dies nimmt die Städtische Galerie im Schloss zum Anlass einen Querschnitt ihres Werks zu präsentieren. Die Künstlerin, die Ammersee bei München, in New York und auf den Seychellen lebt und arbeitet, versucht und erstrebt, schlummernde Phantasien, verschwommene Erinnerungen, gegenwärtige Lust und Not sowie zukünftige Sehnsüchte in ihren Arbeiten darzustellen. Unabhängigkeit und Freiheit nehmen nicht nur im Leben Gabriele Schnitzenbaumers eine große Rolle ein, sondern sind auch in den Skulpturen und Bildern stetig präsent. Ihre plastischen Arbeiten sind Gestalten zwischen Objekt und Mensch. Deren oftmals pfeilartiger Korpus mit allerlei Prothesen, Behelfsmitteln oder fehlenden Gliedmaßen erinnert den Betrachter an Wesen aus einer anderen Welt – Götter, Wächter, Priester, Könige und Amazonen. 

Sie rufen einerseits verborgene Erinnerungen an die menschlichen Ursprünge als Spezies hervor und zeigen andererseits, dass die Menschheit heute gefangen in Konventionen und Pflichten ist, häufig bewegungsunfähig aus Rücksicht, Ängsten und mangelndem Zutrauen. Die Figuren sind versehen mit allerlei Beiwerk, Gerätschaften und Fundstücken der Zivilisation. Die Kultur des Sammelns und Resteverwertens, die hier deutlich wird – aus Mangel und Not als Überlebensstrategie verinnerlicht – macht Gabriele Schnitzenbaumer zur Kunst. Ihr Streben nach Freiheit kommt in ihren Bildern wohl am stärksten zum Ausdruck. Mit ihren Werken fordert sie den Betrachter heraus. Konsequent werden Sehgewohnheiten gebrochen, perspektivische Ordnung ignoriert. Malen empfindet Gabriele Schnitzenbaumer als „sinnliches Vergnügen“. Dementsprechend leicht und fröhlich, bevölkern phantastische Wesen ferne und vertraute Welten. Doch „wo sie tanzen, was sie spielen, wer da flügelt und mit wem, das denke sich jeder selbst.“ 

Kriegserinnerungen 

Gabriele Schnitzenbaumer wurde 1938 in Augsburg geboren. Als Kindheitserinnerungen blieben ihr eine trotz allem glückliche Kindheit auch Erinnerungen an eine verzweifelt sorgende Mutter und einen an der Front abwesenden Vater. „Ein großer Teil meiner Arbeit hat mit Erinnerung zu tun. Da entdecke ich meine Mütter und Großmütter aus den Ruinen dreier Kriege, zusammensuchende, wiederaufbauende Frauen. Ferne Väter, als Helden gegangen, als Krüppel wiedergekehrt“, so die Künstlerin. 1944 erlebte Schnitzenbaumer den Luftangriff auf den Fliegerhorst Lager Lechfeld bei Augsburg. 76 Menschen wurden damals getötet. 

Als Sechsjährige war die heutige Künstlerin dabei – bei der Brandlöschung, Leichenbergung und den Aufräumarbeiten. 2004 stellte sich die Künstlerin den Erinnerungen des Luftangriffs durch die Erarbeitung der Installation „1944“. Die Installation wird im Rahmen der Ausstellung in der Ölbergkapelle am Kirchplatz zu sehen sein. Die Ausstellung „Bilder und Skulpturen“ wird am kommenden Freitag, 22. November, um 19.30 Uhr eröffnet. Die Friedrich Hechelmann Kunst- und Kulturstiftung, vertreten durch Sabine Gölker, begrüßt zur Vernissage. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Klaus Tragbar von der Leopold Franzens-Universität in Innsbruck führt in die Ausstellung ein. Verena Stei umrahmt die Veranstaltung darüber hinaus musikalisch.

kb

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