Erste Forderungen

Mit Unverständnis, Bedauern und Entsetzen haben heimische Politiker auf die geplante Schließung des Bundeswehrstandortes Kempten reagiert. „Das ist ein schwerer Schlag für uns“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Gleichzeitig forderten erste Stimmen bereits eine Kompensation für die betroffenen Städte und Kommunen. „Ich erwarte vom Bund, aber auch vom Freistaat eine deutliche finanzielle Unterstützung, um die Herausforderungen und Probleme durch die Schließung und die anstehende Konversion der Flächen bewältigen zu können“, betonte Landrat Gebhard Kaiser (CSU).

Von „einer schlechten Nachricht“ sprach OB Netzer unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung, das Kemptener Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ aufzulösen und damit den Standort Kempten – seit 1807 Garnisonsstadt und „Wiege“ der Gebirgstruppen – de facto aufzulösen. „Das ist ein herber Verlust und bringt tiefe Einschnitte für die Soldaten und zivilen Beschäftigten mit ihren Familien sowie für die Stadt und den Kemptener Raum“, so Netzer weiter. Seinen Angaben zufolge bedeute die Schließung den Wegfall von rund 800 Arbeitsplätzen. „Die Wirtschaftskraft der gesamten Region wird geschwächt.“ Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser bedauerte, „dass die Entscheidung des Verteidigungsministeriums so unausgewogen stattfand.“ Dass von den bisher insgesamt 4520 Stellen im Allgäu nur noch 1680 übrig bleiben sollen, belaste „das Allgäu über Gebühr.“ Sein Parteifreund Dr. Gerd Müller, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bezeichnete die Auflösung des Regiments als „eine schmerzliche Entscheidung, die sich aber fachlich abzeichnete.“ Gleichwohl bedeute das Aus des Standortes auch eine Chance für die Stadt, in günstiger Lage an interessante Gewerbeflächen zu kommen. „Ich bin sicher“, so Müller, dass die Stadt als prosperierendes Zentrum die Chance zur weiteren positiven Wirtschaftsentwicklung nutzen wird“, sagte er. Allerdings sei hier der Bund gefordert, „mit finanziellen Hilfen und günstigen Konditionen bei der Umsetzung ein Zeichen zu setzen.“ Deutliche Worte Eine „unbürokratische Überlassung der Grundstücke“ ähnlich wie seinerzeit bei der Aufgabe der Prinz-Franz-Kaserne forderte auch OB Netzer unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung. Er erwarte „möglichst bald“ Klarheit über die Zeitschiene und die Bedingungen, zu denen die Stadt die Grundstücke an der Kaufbeurer Straße erwerben könne. Nach Informationen des KREISBOTEN gibt es bereits erste Interessenten. Welche Nachnutzung dagegen für das Fachsanitätszentrum im Herzen der Stadt in Frage kommen könnte, darauf hatte Netzer am Mittwoch noch keine Antwort.

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