"Wir beginnen zu atmen"

Altstadtfreunde geben Gas

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Eine erste Vision, wie es auf der Burghalde aussehen könnte: Zur Orientierung links vorne der historische, zu erhaltende Brunnen im Innenbereich mit Blick nach Süden.

Kempten – Das größte unter den großen Themen bei der Jahreshauptversammlung der Kemptener Altstadtfreunde war die Burghalde – ein Entwicklungsprojekt, das der Verein schon länger hartnäckig verfolgt.

Erste, wenn auch kleine Erfolge, konnte Vorsitzender Dietmar Markmiller unter anderem mit der sommerlichen Beweidung des Burghügels durch Schafe auch schon verbuchen. Aus Sicht des Vereins „ist man aber bislang nicht recht weiter gekommen.“

Um das zu ändern hat der Verein vergangenen Herbst Architekten beauftragt eine „Vision“ zu erarbeiten, „wie es aussehen könnte.“ Die Stadtplaner Martin Rist und Martin Gebhardt zeigten einen „entschlackten Innenbereich“, in dem die „blickdichte Barriere“ – respektive Hecke zur Abgrenzung des Bühnenbereichs – ebenso verschwunden war wie die nicht mehr viel genutzten Sitzstufen oder der beengte Biergarten. Anstelle des jetzigen Gastronomiebereichs stellen sie sich ein bogenförmiges Gebäude vor das „einen ganz wichtigen Knotenpunkt darstellt.“ Dort soll im Untergeschoss eine vielseitig nutzbare Galerie für unter anderem wechselnde Ausstellungen integriert sein; im Erdgeschoss – der einzig sichtbare Gebäudeteil – ein Café mit Terrasse hin zum Kunsthof (jetziger Bühnenbereich). Dieser Hofbereich könne auch für beispielsweise die Filmnächte bestuhlt und dafür weiterhin genutzt werden. Einen Biergarten haben sie nahe des Aussichtspunktes, der sie „begeistert hat“, auf der Rückseite des Gastronomiegebäudes angesiedelt.

Den Höhenunterschied von rund vier Metern innerhalb des Burggeländes möchten sie für eine Rampe nutzen, die einen barrierefreien Zugang zum oberen Bereich ermöglicht. Angetan zeigten sie sich von den Sichtachsen und auch an den Wegeführungen würden sie nichts ändern wollen. Lediglich den umlaufenden Weg haben sie in ihrer Vision „rausgeschmissen“, da die Leute ja in die Anlage hineingehen und sie von innen erleben sollen. Auch wenn die freien Ausblick gewährenden Sichtachsen der Burghalde „gut tun”, wie die Planer meinten, zeigten sie sich beim Ausholzen eher zurückhaltend. Schließlich sei „der Baumbestand alt und erhaltenswert“, wie sie meinten. Weniger optimistisch klang ihr Urteil zum Hauptein- und Aufgang, der „kein angemessener Eingang“ sei, oder zur „im Winter etwas gefährlichen Stufenanlage.“ Wie Markmiller betonte, handle es sich um eine Vision, die zur weiteren Diskussion anregen soll.

Noch viel zu tun

Ebenfalls ein Herzensanliegen der Altstadtfreunde ist das Projekt „Iller erleben“, das mit dem Bau des AÜW-Restwasserkraftwerkes an der Kaufbeurer Straße (der Kreisbote berichtete mehrfach) derzeit voranschreitet. Wie AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke ausführte, habe man dieser Tage bereits mit den ersten Baumaßnahmen beginnen können. Das allerdings noch nicht mit der Stadt abgestimmte, dreistufige Erlebniskonzept mit potentiellem sommerbetriebenem Gastronomiebereich soll unter anderem „Einblicke, Ausblicke und Rückblicke” zu Themen wie der Industriegeschichte Kemptens oder der Energiezukunft im Allgäu gewähren. Geplant sei, das Kraftwerk noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen. Der Außenbereich soll 2015 fertiggestellt sein. Weiter verfolgen will Markmiller auch das Thema „stehende Welle“ im Rahmen des Gesamtprojektes „Iller erleben“, die laut Machbarkeitsuntersuchung „möglich wäre“, vor dem Wahlkampf allerdings in den Hintergrund gerückt sei.

Den vom Kemptener Architekturbüro Hagspiel am besten umgesetzte Wettbewerbsentwurf zum Erhalt der Sheddachhalle erläuterte Baureferentin Monika Beltinger. Dabei soll der ältere und besser erhaltene Teil im Süden erhalten bleiben, mit Nutzung durch „nichtstörendes Gewerbe“ und loftartiges Wohnen. Der nördliche, schlechter erhaltene Teil soll dagegen einem dreigeschossigen Wohnungsbau weichen. Den Altstadtfreunden war hier unter anderem eine „öffentlich nutzbare Durchwegung des Areals“ wichtig. Großes Lob gab es in Richtung Sozialbau-Chef Herbert Singer für die „Neue Spinnerei“, mit der, so Markmiller, die Sozialbau wieder einmal beweise, „wie denkmalgeschützte Gebäude entsprechend ihrer Historie erhalten werden können.“

Vereine wie die Altstadtfreunde seien „das Beste, das einer Stadt passieren kann“, drückte OB Thomas Kiechle seine Wertschätzung für deren Arbeit aus. Er kündigte weitere Entwicklungen zum Projekt „Iller erleben“ an, die im Herbst nördlich des Illerstegs, im Bereich des Illerstadions, beginnen sollen. Die Burghalde, bei der „das Ergebnis vermutlich nicht wie die heutige Vision sein wird“, sei ein „schwieriges Thema“ und „noch schwieriger ist die Finanzierung“, begrüßte er dennoch, in die Entwicklung zu gehen. „Man braucht einen langen Atem“, meinte er angesichts der zahlreichen Brennpunkte in der Altstadt, aber „wir beginnen zu atmen.“ Dazu würden alle benötigt , angefangen bei den Vereinen bis zur Stadtverwaltung und das möglichst ohne Rivalitäten der einzelnen Stadtteile.

Christine Tröger

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