Tanz, Gesang und Musik beim ersten Kaleidoskop-Abend im Haus International

Menschlichkeit und Kunst verbinden

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Abdoulaye Fadio Koumare aus Mali überraschte mit Tänzen aus seiner Heimat und animierte den ein oder anderen Gast zum Mitmachen.

Kempten – Der Mann mit der kessen roten Baskenmütze, Csaba Gál, hatte die Idee zum ersten „Kaleidoskop“-Abend in Kemptens Haus International. In München ist diese moderne Art der altbekannten Künstlerstammtische bereits seit 40 Jahren etabliert. Der Clou dabei: Alle Teilnehmenden haben genau 15 Minuten Zeit für eine Präsentation, sei es aus dem Bereich der Musik, des Tanzes oder der Literatur.

„Menschlichkeit und Kunst verbinden uns“, sagte der Chansonpoet Gál und legte gleich los mit einem ungarischen Lied zur Gitarre. Der Refrain zum Mitsingen aus La La La und Na Na Na gelingt dem Publikum auf Türkisch, Bayerisch, Ungarisch, und zwar auf Anhieb!

Diese Auftaktveranstaltung des bewährten Interkulturellen Herbsts 2016 soll, so der Leiter des Haus International, Lajos Fischer, auch der Auftakt zur Gründung einer Allgäuer Kaleidoskop-Szene sein.

„Wir stehen auch hier vor Ort vor großen Aufgaben, die uns die Weltpolitik beschert“, bestätigte Bürgermeisterin Sibylle Knott bei der Begrüßung und versicherte, die Stadt Kempten sei stolz darauf, dass sich hier so viele Menschen ehrenamtlich für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft einsetzen. Das umfangreiche Programm des Interkulturellen Herbstes ermögliche die Begegnung der unterschiedlichen Kulturen und mache sie mit allen Sinnen erlebbar über Essen, Musik, Kunst, Gespräch und Tanz.

Die Römerin Cecilia Gaglierdi aus München nutzte ihre Viertelstunde, um mit ausdrucksstarker Stimme und lebhafter Mimik deutsch-italienische Volkslieder vorzutragen. Auch das bekannte Partisanenlied „Bella ciao“ hatte sie in ihrem kleinen „Koffer voller Musik“, und in einem Song war gar ein „infame capitano“ der Bösewicht.

Wie immer brillant und mit Hingabe musizierte die deutsch-russische Akkordeonistin Eugenie Krause begleitet von Hannes Natterer. Ob Musette, Walzer, Tango oder Variationen über den Ohrwurm „Mein Hut der hat drei Ecken“, Krauses Finger fliegen in Lichtgeschwindigkeit über die Tasten und Knöpfe ihres mächtigen Instruments. Die beiden bereichern und begeistern die Leute, wo immer sie auftreten, so auch an diesem bunten Abend.

Die türkischstämmige Kemptnerin Songül Ugur gab anschließend eine hinreißende Probe ihrer Sangeskunst. Sie tritt deutschlandweit und auch oft im türkischen Fernsehen auf, weshalb es ihr an Bühnenpräsenz nicht fehlt. Für deutsche Ohren wunderbar orientalisch-fremd bot sie traurig-tragische Volkslieder dar, untermalt von ausladenden Armbewegungen. Was für eine mächtige, mitreißende Stimme! Ihre drei musikalischen Begleiter im Hintergrund mit Saz und Trommel verzogen dabei keine Miene. Was für ein Kontrast!

Ihren allerersten Auftritt dagegen hatte die Musikgruppe des Albanischen Kulturvereins Kempten. Kjemal Tushi, Imri Murtezi und Sabit Mehmeti boten albanische Melodien und Volkslieder dar und spielten dazu der Saz ähnliche Saiteninstrumente. „Unsere Vorfahren haben alle Ereignisse, ob Flugzeugabsturz oder Hochzeiten, in Lieder gefasst“ erklärte Tushi in fließendem Deutsch mit schwäbischem Zungenschlag. Viele Albaner und Albanerinnen haben in den schwierigen 1990er Jahren das Land verlassen, viele sind dann wieder zurückkehrt – „auch in Deutschland liegt das Geld nicht auf der Straße“ – und nun strebt Albanien wieder auf. Das Trio ist der Beweis: Es gibt auch in Kempten eine niveauvolle internationale Kulturszene.

Abdoulaye Fadio Koumare aus Mali, formeller dunkler Anzug, weißes Hemd und Krawatte, überraschte mit temperamentvollen Gesängen und Tänzen seiner afrikanischen Heimat, aus der er geflüchtet ist. Tanzen und Singen sind seine Leidenschaft und diese gibt er auch in Kempten in Kursen an Kinder und Jugendliche weiter. Mitreißend in seiner Muttersprache und auf Französisch singend beklagt er die politischen Zustände in Mali. Sein feuriger schneller, oft pantomimischer Tanz war das Schluss- und Glanzlicht des Abends, und nicht vergeblich forderte er die Gäste zum Mitmachen auf.

Dieser Kaleidoskop-Abend soll nicht der letzte gewesen sein, wobei künftigen Veranstaltungen etwas mehr Publikum und eine etwas straffere Moderation zu wünschen sind. Der Einstieg in das „neue Format“ wurde jedenfalls freudig beklatscht und entließ das Publikum in bester Laune in die kühle Herbstnacht.

Elisabeth Brock

Kaleidoskop-Abend im Haus International

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