"Es ist etwas für große Jungs"

Fiebern bereits jetzt dem Start der Allgäu-Orient-Rallye 2011 entgegen: Die Allgäuer Hans-Jürgen Richter, Dietrich Grunert, Thomas Tesche und Peter Quartz, die für das „Team 92“ an den Start gehen. Foto: Tröger

Mit glänzenden Augen und (groß-)kindlicher Vorfreude fiebert das „Team 92“ dem Start der Allgäu-Orient-Rallye am 30. April entgegen. Am Nachmittag, kurz vor der offiziellen Teamvorstellung am vergangenen Samstag, werden noch schnell die ersten Sponsoren auf die beiden eigenhändig orange und schwarz lackierten, nicht mehr taufrischen Volvos geklebt. Nicht dabei ist an diesem Abend das Team komplettierende dritte Fahrzeug mit der obligatorisch zwei Mann – respektive Frau – starken Besatzung.

Der guten Stimmung von Dietrich Grunert (Kempten), Peter Quartz (Probstried), Hans-Jürgen Richter (Waltenhofen/ Oberdorf) und Thomas Tesche (Wildpoldsried) kann das nichts anhaben. „Es ist etwas für große Jungs“, und zugleich Gelegenheit für soziales Engagement, bringt Grunert den Reiz der Ralley auf den Punkt. Bereits zum zweiten Mal ist er bei der „charmanten Mischung“ aus kalkuliertem Abenteuer und gutem Zweck dabei. Etwa zehn Tage haben die 111 Teams Zeit, bei freier Streckenplanung von Oberstaufen nach Amman in Jordanien zu kommen. Ein paar „Stolpersteine“ im Reglement lassen dabei den Kopf von Richter, Team-Navigator und wegen seiner „guten Kontakte zur Bio-Branche“ auch verantwortlich für die Verpflegung, rauchen: Keine Navigationsgeräte, keine Nutzung von Autobahnen oder Fähren. Da sind gute Landkarten und unterwegs Kontakte zu Einheimischen knüpfen gefragt. Kein Problem, denn „wir wollen die Rallye nicht gewinnen, wir wollen sie erfahren“, wie Quartz doppeldeutig verkündet. Zum Start bekommen die Teams ein so genanntes Roadbook, in dem die unterwegs zu lösenden Aufgaben vermerkt sind. „Es ist also noch offen ob die Route geändert werden muss“, freut sich Teamleiter und Internetbeauftragter Tesche über die zusätzliche Herausforderung. Für den guten Zweck Die Rallye-Fahrzeuge werden nach dem Rennen in Amman gesammelt und versteigert. Das Geld, ergänzt Grunert, gehe an „ein karitatives Projekt unter der Schirmherrschaft der Welternährungsorganisation“. Auch die Jordanische Regierung sei mit im Boot, erzählt Richter schmunzelnd. Da das Land „extrem hohe Einfuhrzölle auf Autos hat, laufen die Fahrzeuge offiziell unter Ersatzteile“ – die deutlich günstigere Variante. Dinge wie Matratzen, Campingstühle und ähnliches Equipment sollen ebenfalls in Jordanien bleiben. Von einem Sponsor hat das „Team 92“ zusätzlich Fußbälle zum Verteilen erhalten und jedes Rallye-Team werde, so Grunert, eine Nähmaschine für ein Projekt in einer Tagesstätte für behinderte Kinder der Jürgen-Wahn-Stiftung in Amman mitnehmen. Natürlich sind weitere Sponsoren jederzeit willkommen, bekräftigen die vier Herren einig. Nicht alle Teammitglieder haben sich schon vorher gekannt. Ob es das gemeinsame Abenteuer ist oder Sympathie auf Anhieb – sie wirken wie eine eingeschworene Hinterhofbande von Jungs aus einem Kästner Roman, froh darüber zum Zuge gekommen zu sein. Mehr als 200 Teams stehen laut Richter auf der Warteliste. Ein billiger Spaß sei die Rallye aber nicht, geben die Abenteurer zu. Die Fahrzeuge müssen selbst gekauft werden – nach bestimmten Vorgaben natürlich: Mindestens 20 Jahre alt oder nicht teurer als 1111,11 Euro. Die Reisekosten gehen ebenfalls auf eigene Kappe, wobei teure Hotels kaum zu Buche schlagen dürften. Eine Übernachtung ist auf maximal 11,11 Euro pro Nacht und Nase limitiert. Quartz lüftet lachend das Geheimnis um die extravagante Farbe „RAL 2004 oder Jägermeisterrot“ der Volvos: „Ich dachte super, da fallen wir auf – bis ich gemerkt habe, dass jenseits von Österreich alle Taxis diese Farbe haben“. Hohe Hürden Mit einem Blog auf der Teamhomepage www.wuestenradio.de sowie in Facebook will das „Team 92“ die Daheimgebliebenen auf dem Laufenden halten. Auch die Vorbereitungsphase wird bereits fleißig dokumentiert. Dem Gewinnerteam winkt übrigens „ein lebendes Kamel“, das meist an Beduinenfamilien verschenkt werde, wie Grunert weiß. Um sich dafür potentiell zu qualifizieren, „müssen alle sechs Teammitglieder mit mindestens einem Fahrzeug“ das Ziel erreichen. Infos zur Rallye gibt es auch im Internet unter www.allgaeu-orient.de.

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