Falscher Eindruck

Für Unmut unter vielen Besuchern der „Jetzt red i!”-Sendung des BR am vergangenen Mittwoch sorgten die Aussagen von Werner Zwick aus dem Sozialministerium. Zwick hatte gleich zu Beginn der Sendung den Erzieherinnen Margit Neher, Judith Mair und Anita Beyrer auf ihren Beitrag entgegnet, die Stadt Kempten sei für die personelle Ausstattung der Kindertagesstätten zuständig. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Sozialreferent Benedikt Mayer protestierten nach der Sendung. Der KREISBOTE fragte bei Benedikt Mayer nach, was es mit Zwicks Aussagen auf sich hat.

Herr Mayer, die Mitarbeiterinnen der Kinderkrippen/gärten und auch Sie waren nach der Sendung über die Aussagen des Herrn Zwick vom Sozialministerium erbost. Was war passiert? Mayer: „Durch die Aussagen in der Sendung ist der Eindruck entstanden, als ob die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Kinderkrippen nur von den Städten und den Trägern der Einrichtungen frei gestaltet würden. Die entscheidenden Finanzierungsfragen und die Personalausstattung werden aber vom Staat im Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz und in den Aus- führungsregelungen geregelt. Der Schlüssel, um die Krippengruppen mit mehr Personal auszustatten, liegt beim Staat.” Herr Zwick hat mehr oder weniger deutlich der Stadt Kempten die Verantwortung für fehlende Erzieherinnen in Kinderkrippen zugeschoben. Können Sie das nachvollziehen? Mayer: „Diese Aussage ist falsch. Der Freistaat Bayern setzt in seinen Regelungen auf Wirtschaftlichkeit und gibt in den Rahmenbedingungen vor, dass nur begrenzt Personal finanziert werden kann. Die Stadt Kempten finanziert bereits jetzt über ihre Verpflichtung hinaus ganz bewusst eine höhere Personalversorgung. Darüber hinaus ist doch den Trägern der Kindertagesstätten nicht zuzumuten, weiteres zusätzliches Personal anzustellen ohne dafür eine Gegenfinanzierung zu bekommen. Der Träger würde ein nicht gedecktes Defizit verursachen.” Können Sie den Personal-Berechnungschlüssel kurz erläutern? Mayer: „Wie viel Personal benötigt wird, hängt davon ab, wie viele Kinder die Krippe besuchen und wie lange sie sie besuchen. Der verbindliche durch den Freistaat Bayern vorgegebenen Mindestanstellungsschlüssel von 1:11,0 entspricht einer Personalausstattung, bei der zwei pädagogische Kräfte im Krippenbereich elf Kinder gleichzeitig betreuen, ohne auch nur eine Minute Vorbereitungs- oder Nachbereitungszeit zu haben. In aller Regel wird in den Kemptener Einrichtungen mehr Personal beschäftigt um eine ausreichende pädagogische Arbeit zu erreichen und die Betreuung der Kinder sicher- zustellen.“ Was würden Sie Herrn Zwick entgegnen? Mayer: „Ihre Aussage in der Sendung ‘Jetzt red i’ zur Frage der Finanzierung von zusätzlichem Personal in Kinderkrippen ist falsch und lenkt vom eigentlichen Thema ab. Der Freistaat Bayern legt die Rahmenbedingungen der Finanzierung fest und nicht die Stadt Kempten. Bei elf gleichzeitig anwesenden Kindern nur zwei Fachkräfte mit zu finanzieren, ist für eine qualitätvolle Betreuung der Kinder nicht ausreichend.” Wen sehen Sie in der Pflicht, für genügend Personal in Kinderkrippen zu sorgen? Die Stadt oder den Freistaat? Mayer: „Der Freistaat Bayern hat für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen, um daraus folgend den Trägern – zum Beispiel Diakonie, Kirchengemeinden und Stadt – die Grundlage zu geben ausreichend Personal zu beschäftigen.” Werden Sie öffentlich auf Zwicks Aussage reagieren? Mayer: „Die Stadt wird dem Ministerium in einem Schreiben die gegensätzliche Auffassung darlegen.”

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