Familiäre Talentschmiede

Dr. Gerald Grübler ist der aktuelle Leiter der Isnyer nta. Sein Vater wäre im Oktober 100 Jahre alt geworden. Foto: nta

Vor kurzem ist die nta Isny 65 Jahre alt geworden. Im Oktober 1945 gründete Prof. Dr. Harald Grübler in Ravensburg die Chemieschule Dr. Grübler. Damit legte er den Grundstein für eine der erfolgreichsten privaten Ausbildungsstätten in Deutschland. Bis heute wurden dort mehr als 40 000 junge Menschen ausgebildet.

100 Jahre alt wäre Harald Grübler am 13. Oktober geworden. Es war also fast ein Geburtstagsgeschenk, als er am 8. Oktober 1945 durch ein Dekret der Landesdirektion für Kultus, Erziehung und Kunst in Stuttgart und des Sekretariats für die französisch besetzten Gebiete Württembergs und Hohenzollerns die „Genehmigung zur Eröffnung einer privaten Berufsfachschule“ in Ravensburg erhielt. Nur wenige Monate nach dem Ende des 2. Weltkriegs nimmt die Chemiesschule den Betrieb auf. Ein Wagnis für den Firmengründer, eine Chance für junge Menschen, die gerade die Schrecken des Krieges hinter sich gelassen hatten, sich durch eine Berufsausbildung langsam wieder in die Normalität einzugliedern. Durch die Verlegung seiner Schule im Jahr 1950, machte Harald Grübler das beschauliche Isny zur Hochschulstadt. Noch heute sprechen die Einheimischen von der „Chemieschule“, obwohl die nta längst viel mehr ist: eine kleine, aber feine staatlich anerkannte Fachhochschule mit Berufskollegs, die zertifizierte internationale Abschlüsse anbietet. Intensive Förderung Von Anfang an begleitet wurden die Geschicke der nta von Grüblers Ehefrau Käte. Für sie war die nta weit mehr als eine Ausbildungsstätte. Die Schule war ein Teil ihrer Familie und neben ihren Kindern und Enkeln ihr Lebensmittel­punkt. Unzählige Dozenten, Schüler und Stu­den­ten durften die Gast­freund­schaft und den familiären An­schluss im Hause Grüb­ler genießen. Durch eigene Wohnheime, eine eigene Mensa, Ganztagesbetreuung und vielfältige Campus-Aktivitäten lebt diese Grundidee der intensiven Förderung und einer fast familiären Betreuung der Studenten bis heute fort. 1956 beginnt der Bau des Hauptgebäudes am Rand der Isnyer Altstadt. Im selben Jahr ruft Grübler die Ausbildung zum Physikalisch-Technischen Assistenten (PhyTA) und 1961 den ersten Ingenieur-Studiengang Physikalische Technik ins Leben. Kontinuierliche Weiterentwicklung und die Schaffung neuer, an den Anforderungen des Arbeitsmarkts ausgerichteter Berufsbilder war das Konzept, auf das Grübler baute. So bot die nta ab 1967 als erste Institution deutschlandweit eine Ausbildung zum Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) und den Studiengang Pharmazeutische Chemie an. Dieser kann bis heute bundesweit nur an der nta belegt werden. Diesen Vorsprung baut die Akademie heute weiter aus: Auf geänderte Anforderungen von Industrie und Wirtschaft reagiert sie zeitnah mit neuen, auf heutige Industrieprofile zugeschnittenen Berufsbildern wie beispielsweise die Ausbildung zum Biotechnologischen Assistenten, dessen Arbeitsbereich als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts gilt. Dies gilt auch für neue Studienschwerpunkte wie Optical Engineering und Mikro- und Nanotechnologie. In Familienhand Im Sommer 1998 wird vom Regierungspräsidium Tübingen die von Käte Grübler und Dr. Ursula Schoch-Grübler errichtete „Prof. Dr. Harald Grübler-Stiftung“ bewilligt. Diese hält seitdem die Mehrheit der Anteile innerhalb der gemeinnützigen GmbH, die nach wie vor Trägerin der Hochschule und der Berufskollegs ist. Zweck der Stiftung, zu dessen Mitgliedern auch der Isnyer Bürgermeister gehört, ist die Förderung der Berufsausbildung und Berufsfortbildung junger Menschen im Bereich der Naturwissenschaften und Technik, was auch die Vergabe von Stipendien einschließt. Seit 2003 steht wieder ein Familienmitglied an der Spitze des Unternehmens nta: Gründersohn Prof. Dr. Gerald Grübler, der viele Jahre im In- und Ausland als Diplom-Chemiker für ein Industrieunternehmen tätig war, übernimmt die Leitung. Neben seiner wissenschaftlichen Erfahrung bringt der neue Geschäftsführer und Rektor auch sein gesammeltes Management-Know-how in die neue Aufgabe ein: Er forcierte die internationale Ausrichtung der Hochschule durch Kooperationen mit ausländischen Bildungseinrichtungen sowie die Einführung des Studienschwerpunkts Optical-Engineering und Nanotechnologie im Studiengang Allgemeine Physik. Umtriebig und visionär wie der Vater lanciert Gerald Grübler 2007 eine „Bildungsoffensive im Allgäu“, initiiert diverse Hochschul-Forschungsprojekte und internationale Kooperationen und ruft 2008 die „Kinder-Uni“ der nta ins Leben. Ein weiterer Meilenstein war die erfolgreiche institutionelle Akkreditierung der Studiengänge an der nta Hochschule durch den Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2010. Bei diesem Verfahren zur Qualitätssicherung, das sich über mehrere Monate erstreckte, konnte die nta in jeder Hinsicht punkten. „Wir sind sehr stolz darauf, dass eines der wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremien Deutschlands unserer Hochschule und damit auch unserem bewährten Ausbildungskonzept ein so positives Zeugnis ausstellt. Wir werden jungen Menschen also auch in Zukunft mit Fug und Recht fundierte und sehr praxisorientierte Ausbildungen mit exzellenten Zukunftsperspektiven anbieten können, “ so Gerald Grübler. Die nta wird also auch in Zukunft ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben. Mit der Gründung der „Chemieschule“ hat das Ehepaar Grübler von 65 Jahren den Grundstein für ein erfolgreiches Lebenswerk gelegt, das den Namen Grübler über die Grenzen Deutschlands hinaus zu einem Begriff gemacht hat.

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