Ein (fast) einwandfreier Auftakt

Nicht nur an ihrem Hauptinstrument, dem Saxophon, brillierte Céline Bonacino. Ihr gleichnamiges Trio profitierte auch von ihr als Percussionistin. Fotos: Tröger

Vergangenen Samstag bis kurz nach 13 Uhr war die Welt des Jazz in Kempten in sonniger Ordnung. Eine launige, traditionell durch die Innenstadt ziehende Brassband drehte ihre Runde durch die Menschenmenge. Am Rathausplatz heizte die „Blues Brother Tribute Band“ ein und an den einschlägig bekannten Ecken in der Fischerstraße sammelten sich Menschentrauben vor den auf den 27. Kemptener Jazzfrühling einstimmenden Bands. Dann setzten Regen- und Hagelschauer dem fröhlichen Treiben ein mancherorts ziemlich jähes Ende. Das wurde aber bei den drei Abendveranstaltungen leicht wett gemacht.

Für Auge und Ohr ein Genuss, ließen „Jump ´n Jive“ die 1940er Jahre amerikanischer Musiktradition vor einem begeisterten Publikum im proppenvollen Kornhaus swingend wieder aufleben. Richtig eng war es währenddessen im „Stift“ nebenan, bei der stimmgewaltigen Sängerin Dede Priest mit der Jimmy Reiter Band. Dort waren, wenn überhaupt, schon früh am Abend nur mehr Stehplätze zu haben. Dass ein Zuhörer bereut hat, trotz Programmänderung ins TheaterOben gegangen zu sein, darf bezweifelt werden. Mit dem Céline Bonacino Trio anstelle des Ralph Alessi Quintetts ist den Machern des Jazzfrühlings ein wahrer Glücksgriff gelungen, der einen feinsinnigen musikalischen Abend ermöglichte. Oder wie Cheforganisator Hansjürg Hensler nicht zu unrecht gegenüber dem KREISBOTEN schwärmte: „Es ist kein Ersatz, sondern ein Gewinn“. Gelungener Gottesdienst Der zweite Jazzfrühlingsabend stand dem ersten in nichts nach – nicht an Spartenauswahl und nicht an Qualität, was das Publikum offensichtlich zu schätzen wusste. Das zeigte sich nicht nur in gut besuchten Konzerten, sondern auch in den zufrieden-entspannten Gesichtern der Zuhörerschaft. „Bis jetzt können wir uns nicht beschweren“, meinte auch Hensler über die gute Stimmung, die zeige, „dass jeder in seinem Segment“ fündig werde. Ausgesprochen gut kam der schon etablierte ökumenische Jazzgottesdienst in der St. Lorenzbasilika an. Für die sensiblen Klänge von Flöte und Kontrabass bedankte sich das Publikum mit dem Gotteshaus Respekt zollenden Applaus, dafür stehenden Ovationen – und die beiden Musiker Ali Haurand und Jiri Stivin im Gegenzug mit insgesamt drei Zugaben. Parallel bestritten „Bluesin’ the Groove“ im Kornhaus den ersten Teil der Blues-Gala. Tommy Schneller am Tenorsaxophon, Christian Rannenberg am Piano und der Schlagzeuger Alex Lex setzten dabei die Messlatte für die nachfolgende Formation weit oben an. Für die erfahrenen und musikalisch hoch verdienten drei Brüder aus Virgina, „The Holmes Brothers“, alles andere als ein Problem. Filigraner Sound Überwiegend leise, fast schon filigran entführten Michel Godard und Patrick Bebelaar ihre Zuhörer in eine ganz andere Welt des Jazz. „AÜW-Jazzperlen“, die dem Begriff alle Ehre machten und auf weitere Entdeckungen im Rahmen dieser Reihe hoffen lassen. Mit einer Portion Humor und einem bestens aufbereiteten wie präsentierten Sammelsurium an Musik aus aller Herren Länder wartete im Kontrast dazu die „Schäl Sick Brass Band“ im TheaterOben auf. Schwachstellen waren an diesem ersten Wochenende des 27. Kemptener Jazzfrühlings jedenfalls keine auszumachen. Angesichts noch ausstehender Konzerte mit „Entdeckungspotential“ sowie Jazzgrößen, wie dem nicht zum ersten Mal beim Jazzfrühling gastierenden und von vielen schon heiß erwarteten Jazzpianisten Monty Alexander, dürften Allgäuer Jazzfans wie „Einsteiger“ wohl auch in den kommenden Tagen des 27. Kemptener Jazzfrühlings auf ihre Kosten kommen.

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