3500 Besucher feierten ausgelassen auf der Burghalde

Ein rauschendes Fest International

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Zahlreiche Flüchtlinge bereicherten das Internationale Burghaldefest.

Kempten – Das 29. Fest International auf der Burghalde war zugleich ein Abschiedsfest. Ein schöneres hätte sich Rudi Goschler, Geschäftsführer des Haus International (HI) und Mitbegründer des jährlichen Highlights in Kemptens Feier-Sommer, kaum wünschen können. Vergangenen Samstag spielte auch der Wettergott grandios mit, nachdem er das Fest in den Jahren zuvor allzu oft buchstäblich hatte ins Wasser fallen lassen.

Dass zudem „so viele Flüchtlinge“ als Besucher auf die Burghalde gekommen waren, freute nicht nur die Vorsitzende des HI, Gabi Heilinger, besonders. „Integration ist kein Selbstläufer“, betonte sie in ihrer Eröffnungsrede und auch, dass miteinander Leben nicht nur den Alltag betreffe, sondern ebenso „dass man respektvoll miteinander feiert“. So gab es diesmal neben einem rege genutzten Spieleangebot für Jung und Alt nicht nur viele unterschiedliche Kulturen kulinarisch an Essenständen mit Spezialitäten aus Italien, Griechenland, dem Libanon, der Türkei, aus Brasilien, Eritrea und Togo, Bangladesh und natürlich auch Deutschland zu ergründen, oder bei den musikalischen Darbietungen auf der kleinen Bühne. Auch unter den Besuchern selbst traf sich diesmal besonders ausgeprägt die Welt. Über 200 Eintrittsbändel waren bereits im Vorfeld über die Helferkreise an unbegleitete minderjährige und erwachsene Flüchtlinge ausgegeben worden und eine Trommelgruppe aus der Unterbringung im Rübezahlweg empfing Oberbürgermeister Thomas Kiechle bereits im Burghof.

Zwei Namen verband der OB mit dem Burghaldefest: Die verstorbene Pfarrerin Inge Nimsz, Gründerin des HI und Rudi Goschler, der „34 Jahre ein Leben zwischen den Kulturen“ gelebt habe. Er würdigte die „unglaubliche Lebensleistung“ des „quirligen“ Mannes, der „ein offenes Herz hat, wie er auch eine offene Tür hat“. Seit knapp 20 Jahren ist Vivi Nougnava mit ihrem Mann Bobo in Kempten und „seitdem kennen wir Rudi“. Er habe immer geholfen, wenn sie etwas nicht verstanden hätten, egal zu welcher Uhrzeit. „Rudi ist ein guter Mann“ und dass er jetzt geht findet die Togolesin „nicht gut“. „Er ist für uns wie ein Onkel in Deutschland, ich werde ihn vermissen“, bedauert sie.

2004 ist Wegatha Räth aus Eritrea nach Kempten gekommen. Die ausgebildete Hauswirtschafterin arbeitet mit unbegleiteten Jugendlichen in Immenstadt und ist eine gefragte Übersetzerin, wie sie erzählte. Ins HI sei sie über Inge Nimsz gekommen, die seinerzeit öfter zu Besuch in die Unterbringung gekommen sei und sie zu einer Veranstaltung zum Thema Frauen und Integration ins HI mitgenommen habe. „Dort habe ich Rudi kennengelernt“, der zuhöre, „Ansprechpartner für alles ist“ und sich auch um alles kümmere. Dass er aufhört „geht gar nicht“ und es sei „ein komisches Gefühl“.

Seit 21 Jahren ist die Brasilianerin Adriana Rocha da Costa in Kempten, die Rudi schon kennengelernt hat, als das „HI noch im heutigen Künstlercafe“ zuhause gewesen sei. „Dort war ich immer wieder bei Veranstaltungen“, zum Beispiel beim brasilianischen Fasching, erinnert sie sich. „Er ist ein unglaublicher Mensch, wie ein Bruder“, der immer alles organisiere, was sie brauche. „Ich bin sehr traurig, dass er weg geht.“ Aber „er hat so viel getan, da ist es schon o.k. wenn er jetzt ein bisschen Ruhe hat“. Allerdings „ob er das aushält, nicht mehr mitzumachen?“, da hegt sie schmunzelnd dann doch ihre Zweifel.

Vielleicht ja berechtigt? Nachdem alle technischen und sonstigen Probleme beseitigt sind, die Menschen auf die Burghalde strömen und sich genussvoll durch Nachmittag und Abend treiben lassen, sich an den Essensständen lange Schlangen bilden und die Abendband Palo Santo auf der großen Bühne viele zum Tanzen verlockt, genießt auch der Hauptorganisator gelöst sein letztes Burghaldefest. Wirklich sein Letztes? Einfach ist es nicht, sich mit ihm zu unterhalten. Alle paar Minuten kommen Menschen auf ihn zu, die „Hallo“ sagen und ein paar Worte mit ihm wechseln wollen. „Viele sehe ich immer nur das eine Mal im Jahr hier auf dem Fest“, freut sich Goschler über die zahlreichen Bekannten und Freunde aus aller Herren Länder, von denen er den meisten irgendwann einmal weiterhelfen konnte. Auf seinen in zwei Wochen beginnenden Ruhestand freut er sich. Endlich Zeit für all die Dinge, die in den letzten gut 30 Jahren zu kurz gekommen sind. Schon am ersten Tag als Ruheständler soll es per Fahrrad – eine seiner großen Leidenschaften – Richtung Gardasee gehen. Mit dem Fest International aber ist das wohl doch so eine (Herzens-)Sache. Dass er da eventuell und vielleicht auch künftig...... Ganz aus der Welt scheint der Gedanke bei ihm jedenfalls nicht zu sein.

Christine Tröger

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