1,5 Kilogramm Kokain im Spind?

Drogen-Skandal bei der Kemptener Polizei

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Ein Drogenskandal erschüttert derzeit die Kemptener Polizei.

Kempten – Was zunächst nur nach einem heftigen Ehestreit aussah, entwickelt sich mehr und mehr zu einem echten Polizeiskandal: Bei dem kürzlich wegen Drogenbesitzes festgenommenen Kripobeamten soll es sich nach Information des Kreisboten um den 52 Jahre alten Leiter der Drogenfahndung handeln.

Medienberichten zufolge sollen im Spind des Mannes 1,5 Kilo Kokain gefunden worden sein. Wie Süddeutsche Zeitung und Augsburger Allgemeine am Wochenende berichteten, fanden Ermittler das Kokain im Schwarzmarktwert von rund einer viertel Million Euro im Spind des Mannes auf der Dienststelle in Kempten. 

Woher die Drogen kommen und was der Fahnder damit vorhatte, ist noch unklar. Beide Zeitungen spekulieren in ihren Berichten aber über mögliche Verbindungen des Kriminalhauptkommissars zur italienischen Mafia. Kempten und das Allgäu gelten seit Jahren als Hochburg der kalabrischen 'Ndrangheta. Auch wird die Frage gestellt, ob der Beamte die heimische Drogenszene in der Vergangenheit vor Razzien warnte. Tatsächlich war die Arbeit der Kemptener Drogenfahnder in der jüngeren Vergangenheit auffallend erfolglos. 

So fanden im September 2013 nach monatelanger Vorbereitung über 100 Beamte bei der Durchsuchung von 33 Wohnungen gerade einmal 15 Gramm Kokain und 15 Gramm Marihuana. Hatte die Szene möglicherweise vorher aus Polizeikreisen einen Tipp bekommen? Die Staatsanwaltschaft I in München, die zusammen mit dem Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen übernommen hat, wollte sich am vergangenen Donnerstag auf Anfrage des Kreisboten dazu nicht äußern und verwies auf das laufende Ermittlungsverfahren. Dass bei Ermittlungen gegen eigene Beamte das LKA eingeschaltet werde, sei allerdings normal, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. 

Politik schaltet sich ein

Unterdessen beschäftigt der Fall auch die Politik. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Kemptener Kripomann fordern die Grünen im Bayerischen Landtag zügige, gründliche und transparente Ermittlungen. "Innenminister Herrmann muss die Aufklärung der Vorgänge zur Chefsache machen", betonte die innenpolitische Sprecherin, Katharina Schulze.

Für die Sitzung des Innenausschusses am Mittwoch beantragen die Grünen kurzfristig noch eine Berichterstattung durch den Innenminister. Wissen möchte Schulze insbesondere auch, ob in der Behörde und beim Ministerium Frühwarnmechanismen versagt haben. „Wenn es jetzt heißt, dass bei früheren Razzien auffällig wenig Belastungsmaterial gefunden wurde, frage ich mich, warum man dem nicht eher auf den Grund gegangen ist“, merkt Schulze an. Nicht nachvollziehen kann sie, dass sich im Allgäu offensichtlich über Jahrzehnte eine Hochburg der italienischen Drogenmafia etablieren konnte, „ohne dass im Innenministerium die Alarmglocken läuteten“.

Der hochrangige Polizist war bereits am vorvergangenen Wochenende nach einem handfesten Ehekrach mit seiner Frau verhaftet worden (der Kreisbote berichtete). Im Zuge der weiteren Ermittlungen stießen Kollegen des Beamten schließlich auf das Kokain. Der 52-Jährige soll in der JVA Stadelheim sitzen.

Matthias Matz

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