Versöhnlicher Abschluss

Für zehn ist schluss

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Standing Ovations für zehn scheidende Kollegen: Hier applaudiert die CSU-Fraktion mit dem neuen Kemptener OB Thomas Kiechle (4.v.r.).

Kempten – Was üblicherweise im Plenum verboten ist, war am Mittwochabend in der Festsitzung des noch bis Ende April amtierenden Stadtrats ausdrücklich erwünscht – applaudieren, und das möglichst laut und anhaltend.

Schließlich galt es für die Stadträte zehn Kollegen aus ihren Reihen zu verabschieden, die zum Teil jahrzehntelang die Geschicke der Stadt mitbestimmten.

Der ebenfalls scheidende OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) zollte den zehn Stadträten seinen Respekt. „Es verdient Respekt, dass Sie viel von Ihrer Zeit, von Ihrem Elan, Ihrer Energie aufgewendet haben, um sich bürgerschaftlich zu engagieren”, sagte Netzer vor zahlreichen Gästen. Alle seien vor Jahren in die Kommunalpolitik gegangen, um etwas zu bewegen. Dafür danke er jedem einzelnen, so Netzer weiter. „Diejenigen, deren Amt nun zum 30. April oder in einer der vorangehenden Amtsperioden zu Ende ging, haben mit ihrem Wirken zur positiven Entwicklung unserer Stadt beigetragen.”

Netzer erinnerte an die Verantwortung, die jeder der Räte trage. „Der Stadtrat hat gemeinsam Verantwortung für das Gemeinwohl zu tragen”, betonte der OB. Und Gemeinwohl stehe über Einzel- oder Eigeninteressen. „Es geht um das Ringen dafür, was für die Bürger, für die Entwicklung der Stadt am besten ist.”

"Beste Voraussetzungen"

Den Stadtrat zum 30. April verlassen wird Stadträtin Claudia Dress von der CSU. Zum Abschied überreichte ihr OB Netzer die Rathausmedaille in Silber. Dress war am 1. Mai 2002 erstmals in das Gremium gewählt worden. „Hier war Sie von Anfang an und in besonderem Maß im sozialen Bereich tätig und brachte dafür aus Ihrem bürgerschaftlichen Engagement beste Voraussetzungen mit”, so Netzer. Dress war unter anderem Mitglied im Jugendhilfeausschuss, im Schul- und Kulturausschuss, Ausschuss für soziale Fragen, im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe, in der Verbandversammlung für Abfallwirtschaft und im Kuratorium der vhs und im Seniorenpolitischen Beirat. Außerdem war sie von Mai 2008 bis Juni 2011 Beauftragte für Kinder und Familien und stand zeitweise an der Spitze der Kinderkommission. Darüber hinaus rief sie auch den „Aktionskreis familienfreundliches Kempten” mit ins Leben.

Mit Ludwig Frick von der SPD verlasse eine „tragende Säule” den Stadtrat. „Es fällt schon schwer, sich den Stadtrat ohne Ludwig Frick vorzustellen”, sagte Netzer. Immerhin gehöre der Sozialdemokrat bereits seit 1972 dem Gremium an, seit 1990 ist er Vorsitzender seiner Fraktion. Durchgängig sei auch seine Arbeit im Haupt- und Finanzausschuss gewesen. Fricks Steckenpferd war jedoch die Jugendarbeit. So war er von 1975 bis 1999 Vorsitzender des Stadtjugendrings sowie von 1984 bis 2002 Beauftragter für das Jugendwesen. „All die Jahre über traten sie kompetent, sachlich analysierend und besonnen auf”, lobte Netzer. Frick, Träger des Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenrings der Stadt, erhielt die Rathausmedaille in Gold.

Träger der Medaille in Silber ist der Republikaner Gert Frings bereits seit 1996, als er nach sechs Jahren erstmals aus dem Gremium ausschied. Am 8. Oktober 1998 zog er als Nachrücker erneut in das Stadtparlament ein. „So waren Sie all die Jahre über ein pflichtbewusster Stadtrat, sachbezogen und sachlich, der so gut wie keine Sitzung versäumt hat”, so Netzer.

Seit dem 1. Mai 2002 saß Adolf Fröhlich von den Freien Wählern (FW) im Stadtrat. Fröhlich, ebenfalls Träger des Bundesverdienstkreuzes, erhielt die Rathausmedaille in Silber. Im Stadtrat war der FW-Mann Mitglied im Ausschuss für öffentliche Ordnung, im Ausschuss für soziale Fragen und im Umweltausschuss, im Behindertenbeirat, im Zweckverband Abwasser und im Energieteam. „Sie packen an”, sagte OB Netzer, „wo es notwendig ist.”

CSU-Stadträtin und Kulturbeauftragte Hildegard Greiter verlässt das Gremium dagegen nach 24 Jahren. „Hildegard Greiter und Kultur sind sozusagen eine Einheit”, so OB Netzer. „Anders können wir uns das gar nicht mehr vorstellen.” Darüber hinaus war Greiter Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, im Werkausschuss, im Aufsichtsrat des Klinikums, im Aufsichtsrat des Theater, der Verkehrsbetriebe und in verschiedenen Kuratorien und im Arbeitskreis Museumsentwicklung. „In diese Fülle an Aufgaben und Ehrenämtern haben Sie mit großem Einsatz Ihre Erfahrung und Ihre Schaffenskraft eingebracht”, sagte Netzer. Er überreichte Greiter die Rathausmedaille in Gold.

Enttäuschter Karg

Zwölf Jahre war Doris Hauber (CSU) Stadträtin. Sie erhielt die Rathausmedaille in Silber. „Sie waren bodenständig im besten Sinne, zuverlässig und hatten ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitbürger”, dankte der Rathauschef Hauber. Die Heiligkreuzerin war Mitglied im Schul- und Kulturausschuss, im Umweltausschuss, im Verkehrsausschuss, im Verwaltungsrat des KKU und in der Verbandsversammlung Landwirtschaftsschule.

Herbert Karg von den FW, der einzige Stadtrat, der nicht aus eigenen Stücken verabschiedet wurde, zog 2005 als Nachrücker in das Gremium ein. Dort war er Mitglied im Bau- und Werkausschuss, im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe und Beauftragter für Wirtschaft, Festwoche und Tourismus. „Sie waren Beauftragter mit Leib und Seele”, lobte Netzer. Sogar einen eigenen „Festwochenmarsch” habe Karg komponieren lassen. Für seine Verdienste erhielt Karg die Rathausmedaille in Silber.

Die Rathausmedaille in Gold bekam Edgar Rölz (CSU), Stadtrat seit 1990. Edgar Rölz war unter anderem Mitglied im Ausschuss für öffentliche Ordnung, im Personalausschuss, im Verkehrsausschuss und im Werkausschuss. Zuletzt setzte sich Rölz vor allem für Stelenanlagen auf den Kemptener Friedhöfen ein.

Seit Oktober 2010 als Nachrückerin saß Elisabeth Slavicek für die Frauenliste im Gremium. Slavicek, war im Haupt- und Finanzausschuss, im Personalausschuss, im Bauausschuss sowie im Behindertenbeirat vertreten. „Als Frau, die mitten im Leben steht, waren Ihnen die Dinge des Alltags wichtig”, so Netzer.

„Ihre Mitarbeit im Stadtrat und seinen Ausschüssen war wertvoll”, sagte Netzer in Richtung von FDP-Stadtrat Bruno Steinmetz. Steinmetz, seit 1999 als Nachfolger von Gisela Bock im Stadtrat, erhielt die Rathausmedaille in Silber. Der ehemalige Leiter des Tiefbauamtes war unter anderem Mitglied im Bauausschuss, im Liegenschaftsausschuss, im Behindertenbeirat und im Arbeitskreis Radwege.

Matthias Matz

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