Alle drei Auszeichnungen im Rahmen der Festwochen-Kunstausstellung vergeben

Preise für Kunst mit Tiefgang

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Freuen sich über die ihnen zuerkannten Preise im Rahmen der Festwochen-Kunstausstellung: (v.li.) Guido Weggenmann (Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung), Peter Krusche (Thomas-Dachser-Gedenkpreis) und Roman Harasymiw (Kunstpreis der Stadt Kempten).

Die Kunstausstellung im Rahmen der Festwoche – in diesem Jahr ist es die 67. – werde, so OB Thomas Kiechle, „wieder ein besonderes Highlight“ und auch alle drei der ausgelobten Kunstpreise wurden vergeben.

Waren es im vergangenen Jahr drei Preisträgerinnen, sind es heuer drei Preisträger, was nichts damit zu tun habe, „dass wir ein Gegengewicht zum letzten Jahr schaffen wollten“, betonte Kulturamtsleiter Martin Fink bei der Vorstellung lachend.

Da hatte sich eine recht gesprächige, austausch- und diskutierfreudige Preisträgerrunde im Kemptener Rathaus eingefunden, um der Presse ihre gekürten Werke zu erläutern.

Mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten (5000 Euro) wird der Künstler Roman Harasymiw, der sich als „Allesmacher“ – Maler, Bildhauer und Musiker – sieht, aus Irsee ausgezeichnet. Eigentlich habe er zwei Einzelbilder eingereicht, wie er gestand, die nun als Diptychon unter „Translution 9“ und „Translution 6“ prämiert worden seien.

Schimärenhaft zeigen die beiden Harztranslutionen auf Acrylglas Jesus am Kreuz, deutlich erkennbar bei „Translution 6“. Allein die Gesichtszüge des Gekreuzigten bleiben auch hier im Dunkel. 1957 in Kaufbeuren geboren studierte Harasymiw nach einer Ausbildung zum Glasmaler an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit 1987 lehrt er an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Kaufbeuren-Neugablonz und wirkte bei einem Arbeitsaufenthalt von 2002 bis 2005 in Zürich. Zwar sei er in den letzten Jahren bei Ausstellungen in Kempten „nicht auffällig gewesen“, wie Fink meinte, außerhalb dafür um so mehr. In „Translution“ hinterfrage er „die menschliche Existenz“, so Harasymiw. Unter anderem den Islam, der ja im Kampf mit dem Bild sei, aber ebenso das Christentum und den Wert, dass ein Mensch sich geopfert habe. Oder etwas allgemeiner: Es seien „Ergebnisse eines langen Forschens, um der Malerei weitere Geheimnisse und neue Ausdrucksformen zu entlocken“, der „Versuch Freiräume für weitere Bildbetrachtungen zu schaffen und Fragen nach existentieller Wirklichkeit und Wert einer Leistung zu erstellen“. Aus Sicht der siebenköpfigen Jury zeigt der Künstler in beiden Bildern „extrem ästhetischen Darstellungen“ sowie eine „hohe Meisterschaft im Umgang mit Form, Licht und Schatten“.

Dagegen als „reiner Maler“ versteht sich der (nicht nur) im Kemptener Ausstellungsgeschehen häufig präsente Peter Krusche aus Osterzell, dem der 47. Thomas-Dachser-Gedenkpreis (4000 Euro) für sein Gemälde „Die Weit-Seher“ zuerkannt wird. 1953 ebenfalls in Kaufbeuren geboren studierte er an den Akademien in Nürnberg und München sowie an der Acadmia die belle arti di Firenze. Unter vielen Auszeichnungen war er 2004 auch schon mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnet worden. Nachdem er seit dem Tod seiner Frau im Jahr 2011 in seinen Bildern „Menschen total weggelassen“ habe, weil er das Menschsein als „zu gefährlich“ erachtet habe, seien die Bilder inzwischen „wieder besiedelt“. In „Die Weit-Seher“ tummeln sich zwischen Häusern Menschen, die in ihrer Bewegung erstarrt zu sein scheinen, oder innehalten, um das Wie-Weiter zu überdenken. Manche haben hohe Stangen erklommen, vielleicht ja, um den besseren Überblick zu bekommen. Überall finden sich symbolträchtige Details, zum Beispiel eine Himmelsleiter, ein Schiff, Wasser... Die Jury bescheinigt dem Ölgemälde formal wie inhaltlich eine „starke Präsenz“ mit Momentaufnahmen, die zu Erzählsträngen führen. Themen seien Rückblicke und „vor allem Ausblicke in entfernt liegende Regionen und in eine Zukunft“.

In Kemptens und der Allgäuer Kunstwelt ebenfalls kein Fremder ist der Kemptener Bildhauer Guido Weggenmann, der für seine Plastik „Nina s Plan“ den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung nach der Zuerkennung im Jahr 2005 bereits zum zweiten Mal erhält. Aus Sicht der Jury hat der Künstler in seiner Plastik „eine konzeptionelle Idee technisch wie gestalterisch optimal umgesetzt“. Die Jury erkennt darin als klare Aussage: „Maschine oder der die Maschinen bedienende Mensch sägt sich die Stange, den Ast ab, auf dem er sitzt.“ Da sind ein Motor, ein gebogenes Rohr und eine darauf aufliegende Säge, die mit dem Motor verbunden ist. Weggenmann geht davon aus, dass das Rohr im Laufe der vier Ausstellungswochen durchgesägt wird – „aber muss nicht“. Aus seiner Sicht vielleicht ja auch ein Anreiz, die Ausstellung öfter zu besuchen.

Vom 13. August bis 11. September werden im Hofgartensaal diesmal 72 Werke von 63 Kunstschaffenden gezeigt – 26 Künstlerinnen und 37 Künstler. Sie wurden aus den insgesamt 514 Werken ausgewählt, die von 121 Künstlern, 163 Künstlerinnen und vier Künstlergruppen eingereicht wurden – 260 Malereien, 79 Plastiken und Skulpturen, 62 Grafiken, 60 Fotografien, 34 Bildobjekte, 16 Installationen und drei Videos. Drei Künstler und eine Künstlergruppe haben Kunst für den öffentlichen Raum eingereicht, drei Werke werden im Stadtraum zu sehen sein. Der Publikumspreis in Höhe von 500 Euro wird heuer von Dietmar Wolz, Inhaber der Bahnhofapotheke gestiftet und im Rahmen der Finissage am 11. September vergeben. Christine Tröger

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