67. Festwochen-Kunstausstellung zeigt bis 11. September 72 Werke von Allgäuer Künstlern

Kunst mit breitem Spektrum

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Unverkennbar trägt die Schnitzerei zweier ausgemergelter Kühe die Handschrift von Josef Wehrle.

Kempten – Am heutigen Samstag öffnet nicht nur die Allgäuer Festwoche einmal mehr ihre Tore. Auch in der bereits zum 67. Mal parallel stattfindenden Kunstausstellung stellen sich – in diesem Jahr 64 – Kunstschaffende mit 72 Werken dem kritischen oder gefälligen Blick der erfahrungsgemäß beachtlichen Besucherschar.

Am gestrigen Freitagabend (nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe) wurden im Rahmen der offiziellen Eröffnung die drei ausgelobten Preise vergeben, die, wie berichtet, an Roman Harasymiw (Kunstpreis der Stadt Kempten), Peter Krusche (Thomas-Dachser-Gedenkpreis) und Guido Weggenmann (Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung) gingen.

37 Künstler, 26 Künstlerinnen und eine Künstlergruppe stehen hinter den gezeigten 20 Malereien, fünf Grafiken, vier Installationen, acht Bildobjekten, einem Video und – diesmal erstaunlich zahlreich vertreten – 20 Skulpturen (drei davon im öffentlichen Raum) und 14 Fotografien. Wie in jedem Jahr dürften sich die Geister daran reiben, ob Kunst von Können kommt, dürften Diskussionen aufkeimen, ob sich über Geschmack streiten lässt und ob Kunst überhaupt eine Frage des Geschmacks oder vielmehr eine des Inhalts sein sollte.

Auf den quasi kleinsten Nenner heruntergebrochen erscheinen die reliefartigen Linien, die der Nesselwanger Peter Krahe auf seine Fotografie „Bäuerliche Strukturen“ durch Infrarot-Technik gebannt und direkt auf eine Forex-Platte gedruckt hat. Interessante optische Parallelen zwischen starrem und bewegtem Objekt ergeben sich in Helga Dietrichs Fotografie „Im Anflug“. Eine abgeschottete Kabine lädt nahe des Eingangs zum Eintreten ein und erst wer richtig drinnen ist, bekommt „Global Eyes – Ich sehe was, was Du nicht siehst“ von Peter Wörner zu sehen. Eine – entsprechend dem weltweiten Netz – mit Glasfasern durchzogene gerahmte Fläche, auf der sich die Linsen der beiden großen Augen beobachtend bewegen. Dass sie einem auch mal zuzwinkern, ist dem witzig-hintersinnigen Anliegen des Kemptener Künstlers geschuldet, für den „versteckt hinter einer spießigen Eichenholzwand die permanente Überwachung lauert“, wie er dem Kreisboten schmunzelnd erklärte.

Waren in den vergangenen Jahren häufig Kuhmotive in der Ausstellung zu finden, sticht heuer lediglich Josef Wehrle mit einer Holzarbeit „ohne Titel“ heraus, die seine unverkennbare Handschrift trägt. Fast schon eine Art Markenzeichen sind seine immer wieder thematisierten ausgemergelten Kühe, denen es nie an Charisma mangelt.

Einen eigenen Kosmos bilden die acht mit meist imposantem Kopfputz posierenden Holzbüsten, die Kristina Johlige Tolstoy zum „Meeting“ versammelt hat. Sie thronen auf unterschiedlichen Stelen, die ihre Individualität, welche sich nur bedingt im Gesichtsausdruck, umso mehr aber im Äußeren findet, unterstreichen. „Berg-VariationIV-2016“ ist eine Malerei von Jürgen Meyer, die den Blick tief in sich hinein zieht und auch erst dann seine ganze Kraft zu entfalten vermag.

Nicht zu übersehen sind die drei Skulpturen im öffentlichen Raum: die stählerne „Diagonalfaltung II“ von Karl K. Maurer vor der Residenz sowie der in Rot, Orange und Gelb um Aufmerksamkeit heischende „Huinzenbiabolo“ der Künstlergruppe „Die Experten e.V.“ und Lucia Hiemers gewichtige „Madame“ aus Eichenholz, beide im Hofgarten.

Bis 11. September lädt die immer einen Besuch lohnende Festwochen-Kunstausstellung täglich im Hofgartensaal der Kemptener Residenz von 10 bis 18 Uhr zur Besichtigung bei freiem Eintritt ein.

Christine Tröger

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