Die Festwoche wird immer älter

Am Abend sind die Jüngeren auf der Festwoche Ton angebend. Tagsüber lässt ihr Interesse an der Festwoche allerdings zu wünschen übrig. Foto: Archiv

„Zufriedene Besucher in großer Zahl“ – respektive 94 Prozent der Befragten – attestierte Messe- und Congressberater Herbert Dirr der diesjährigen Allgäuer Festwoche. Alle drei Jahre werden Besucher, Aussteller und Nicht-Besucher zu verschiedenen Aspekten des Teils Wirtschaftsausstellung befragt. Die Ergebnisse besonders dieses Jahres stimmten die Mitglieder des Werksausschusses positiv.

Deutschlandweit sei der Gesamtmarkt bei Verbrauchermessen „seit 20 Jahren rückläufig“, zollte Dirr der im Gegensatz dazu steigenden Tendenz der Festwoche Respekt. Einen klaren Schwachpunkt offenbarte das Umfrageergebnis der Tagesbesucher allerdings: Seit 2001 steigt das Durchschnittsalter der Ausstellungsbesucher, die bis 17 Uhr auf das Gelände kommen, stetig – und zwar seit 2001 um mehr als neun Jahre auf 50,8 Jahre. „Da muss man aufpassen, dass sich der Trend nicht fortsetzt“, mahnte Dirr an. Es fokussiere sich durch alle drei Befragungen: „Für die Jugend muss etwas getan werden“ – beispielsweise durch mehr in die Festwoche integrierte Events. Wobei allerdings nicht nur die Jugend etwas „desorientiert“ sei, sondern auch 73 Prozent der männlichen Nichtbesucher. Deshalb regte Dirr an, über einen speziellen Männertag nachzudenken. Einen positiven Aspekt der Altersverschiebung zu den „berufsaktiven“ 31- bis 60-jährigen Ausstellungsbesuchern hatte Dirr dennoch zu vermelden. Da Jüngere weniger verdienen, habe damit in den letzten Jahren auch das durchschnittliche Einkommen der Besucher zugenommen und liege über dem der meisten anderen Messen. Laut Befragung schlug sich das in den Verkaufszahlen der Aussteller nieder. Verschiebungen konnte Dirr ebenso bei den Hauptinteressen verzeichnen. Hatte 2007 vor allem das Feld Bauen, Ausbauen und Sanieren das Interesse der Besucher geweckt, waren es in diesem Jahr Nahrungs- und Genussmittel, gefolgt von Hauswirtschaftsgeräten. Auch wenn für die Allgäuer Festwochen-Besucher das Rahmenprogramm „natürlich interessant“ sei, so Dirr, „der ausschlaggebende Faktor für den Erwerb einer Eintrittskarte ist die Wirtschaftsausstellung“, betonte er. Die Besucher kommen Dirr zufolge hauptsächlich aus Kempten und dem näheren Umland. Insgesamt bewege sich die Zahl der Allgäuer Besucher „immer so um 90 Prozent“, meinte Dirr. Feriengäste seien seit 2001 schwankend zwischen drei und fünf Prozentpunkten am schwächsten vertreten. Unter den Werbemedien, an die sich die Befragten erinnern konnten, stehen Plakate und Zeitungsanzeigen mit großem Abstand ganz vorne. Verschwindend dagegen das Internet, das laut Dirr eher bei Fachausstellung als bei Verbrauchermessen eine Rolle spiele. Er regte an, „neue Wege im Netz zu gehen“. Hoher Zufriedenheitsgrad Als positives Indiz für die Attraktivität der Festwoche wertete er den hohen Anteil an Ausstellern, die regelmäßig dort zu finden seien. Ihr Zufriedenheitsgrad sei „ein Jahrzehnt lang konstant hoch“ geblieben. Über 80 Prozent der Aussteller hätten die Organisation als „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Herbert Karg (FW) sah den Sporttag als „ganz wichtigen Punkt“ auf der Festwoche. Allerdings sei er „zu statisch“. Die erstmals stattgefundene Sportnacht im Illerstadion befand er als gut, räumlich „aber zu weit weg“. Thomas Hartmann von den Grünen sah im „Umkehrschluss“, dass die Ausstellung „für andere nicht attraktiv genug“ und die „Außenwirkung nicht stark genug ist“. Martina Dufner-Wucher, Geschäftsführerin des Kempten Veranstaltungs- und Tourismusservice, räumte ein, aus finanziellen Gründen überregional sicher nicht in gleichem Maß zu werben wie in der heimischen Region. Thomas Kreuzer (CSU) sah bei den Touristen Potential und regte an, mehr in Richtung Brauchtum zu gehen. Schließlich gehe er auch nicht auf eine reine Verbrauchermesse, „wenn ich gerade an der Ostsee bin“. Bezüglich der Altersentwicklung von Besuchern, sei das „Warenangebot nicht gerade auf 20-Jährige zugeschnitten“, wie er meinte. Aber „das war noch nie anders “. „Wenn sie ihr Verhalten dann mit zunehmendem Alter ändern“, sei es kein Grund zur Besorgnis. Mit differenziertem Blick betrachtete dagegen OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) die Allgäuer Festwoche: „Wir haben eine qualitativ hochwertige Wirtschaftsausstellung, die es auch woanders gibt“. Attraktiv sei die eben die bunte Mischung im Allgäu.

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