Gutes Ende

Umzug in ein neues Zuhause

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Über den Umzug in eine Wohnung, in der nicht mehr der kalte, nackte Fußboden Spielplatz ist wie hier noch in der Dornstraße, dürfte sich nicht nur Kanza freuen, die in vier Monaten ihren zweiten Geburtstag in einem richtigen Zuhause feiern wird.

Kempten – Ganz rund ist die Sache mit der Unterbringung von Flüchtlingen in der Dornstraße 7 zwar nicht gelaufen (der Kreisbote berichtete mehrfach). Ein gutes Ende hat sie dennoch gefunden. Diesen Donnerstag konnten die Flüchtlingsfamilien nun dauerhaft in Wohnungen umziehen.

Wie berichtet waren sie ab 13. November als Notfallmaßnahme in dem nicht gerade einladenden Gebäude Dornstraße 7 untergebracht worden, da die Stadt Kempten mit nur zwei Tagen Vorlauf über die Ankunft der 16 Menschen, darunter mehrere kleine Kinder, informiert worden war, für die es galt, schnell ein Dach über dem Kopf zu organisieren. Sozusagen mit doppelter Not: eine Notfallmaßnahme in einer notdürftigst improvisierten Bleibe, was zum Teil durch das Engagement der Nachbarn Dirk Patermann, Carmen Cremer sowie Rahel Hagspiel aufgefangen wurde. Sie hatten auch immer wieder nachdrücklich bei der Stadt die vorhandenen Mängel beanstandet, so dass es doch zu der ein oder anderen Verbesserung kam.

Ausgeprägtes Sozialverhalten der Flüchtlinge erfordert die Situation dennoch. So teilten sie sich zum Beispiel einen einzigen Herd – auch der war erst nach mehreren Tagen installiert worden – oder das Warmwasser aus einem gerade einmal 20 Liter fassenden Boiler im Bad. Auch Sitzgelegenheiten inklusive Esstische in der Gemeinschaftsküche fanden irgendwann ihren Weg dorthin, genügend Betten dafür nicht. Wäsche wurde bei den Nachbarn gewaschen, die kleinen, bezüglich ihrer TÜV-Tauglichkeit nicht gerade vertrauenerweckenden Heizlüfter waren nicht genügend an der Zahl, um alle Zimmer zu bestücken...

Dennoch erlebten die hilfsbereiten Nachbarn die sprichwörtliche Gastfreundschaft der arabischen Welt als festen Bestandteil dieser Kultur. Patermann erzählte zum Beispiel sichtlich gerührt von der Einladung zu einem Herrenabend bei dem er als Gast großzügig mit Essen versorgt wurde, während sich die Frauen im Nachbarhaus zusammengesetzt hätten. Unverständlich ist ihm, dass die Stadt das Angebot von Dekan Jörg Dittmann ausgeschlagen habe, die drei Familien vorübergehend im Gemeindehaus der St. Mangkirche unterzubringen.

Nur wenige Tage

Wie Christa Eichhorst vom OB-Büro auf Nachfrage des Kreisboten erklärte, sei zum Zeitpunkt des Angebots bereits klar gewesen, dass die Flüchtlinge nur noch wenige Tage in der Dornstraße sein würden und man „wollte sie wegen ein paar Tagen nicht noch einmal umziehen lassen“. Das Angebot der Kirche soll indes für Neuankömmlinge auch weiterhin bestehen bleiben, zunächst bis Mitte Januar, so war von Indra Baier-Müller, Geschäftsführerin der Diakonie Kempten Allgäu, zu erfahren.

Ein neues Zuhause hat der „Familienverbund bestehend aus zwei syrischen Familien und drei einzelnen afghanischen Männern, die nach unserem Kenntnisstand alle miteinander verwandt sind“, in einer sehr großen Wohnung im Siedlerweg, zeigte sich auch Sozialreferent Benedikt Mayer erleichtert. Trotz der schwierigen Situation habe es während der „Suche nach einer stabilen Lösung“ immer einen guten Kontakt miteinander gegeben.

Christine Tröger

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