Große Ausstellung und vielseitiges Programm

Futuristisch, verwirrend, fordernd, faszinierend... sehenswert!

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Für die Fotografie „Christophorus“ hat Manfred Köhler – vereinfacht ausgedrückt – ein Bild von der in Wiggensbach stehenden Skulptur vor das Muster eines Maschendrahts gelegt.

Kempten – Seit 30 Jahren gibt es die Fotofreunde Wiggensbach, die sich mit den Arbeiten ihrer rund 80 mehr oder weniger aktiven Mitglieder längst große Anerkennung weit über die Region hinaus erworben haben.

Mit 150 großformatigen Bildern zeigen sie im Hofgartensaal der Kemptener Residenz anlässlich ihres Jubiläums nun einen Querschnitt aus den vergangenen drei bis fünf Jahren ihres Schaffens.

Viele der gezeigten Bilder haben bereits Auszeichnungen erhalten, wie Fotofreunde-Vorsitzender Manfred Köhler erzählt, während er der Hängung der Exponate noch letzten Schliff verleiht. Lässt man den Blick schweifen, wird eindrücklich sichtbar was er meint, wenn er über die Unterschiede der Fotofreunde Wiggensbach, die „oft Vorreiter bei Wettbewerben“ seien, zu anderen Vereinen solcher Art spricht. „Wir haben versucht von klassischen Bildgestaltungsregeln wegzugehen“, weist er beispielhaft auf einige Fotoarbeiten des Wiggensbachers Michael Müller, „die gar keinen scharfen Punkt haben“. Dennoch könne man dank der Gehirnleistung „alles darin erkennen“, wie er meint. Die schwarz-weiß gehaltenen Fotografien erzeugen eine eigenwillig-mystische Stimmung. Blitzscharf und stilistisch variantenreich sind unter anderem die Naturbilder von Makroaufnahmen bis kunstvoll verfälschten. Dagegen wirkt die Szenerie mit einer Dorfkirche, die Helga Dietrich als Spiegelung in einem Musikinstrument aufgenommen hat, wie Malerei.

Dass in auch fotografisch bestückten Kunstausstellungen – wie jüngst in der Festwochen-Kunstausstellung – immer wieder die Diskussion aufkeimt, ob es sich bei diesem Medium überhaupt um Kunst handle, kann Köhler nicht nachvollziehen. „Fotografie ist nicht mehr nur die realistische Abbildung, sondern auch künstlerischer Ausdruck“, mit dem Anspruch, Kopf und Bauch anzusprechen. So gebe es „Malereien, die wie Fotografien und Fotografien, die wie Malereien aussehen“, worin er ein deutliches Indiz für Fotografie als Kunstform erkennt. Dass diese selbst in der Fotografie bis ins Abstrakte gehen kann, dafür finden sich in der Ausstellung Belege. Thematisch unterschiedliche Bereiche, ein breites Spektrum an Aufnahmetechniken, unterschiedliche Blickwinkel, Ästhetik, Form und Farbe – es sind viele Aspekte, die das Auge des Betrachters fordern. Die durchweg hohe Qualität der Exponate tut ihr Übriges.

Eine besondere Wirkung erzielt Peter Hildebrand durch die Verwendung der Alu-Dibond-Platte für seine Schwarz-Weiß-Fotografie „Academia de Danza“. Im ersten Moment sieht man mehrere Tänzerinnen in anmutigen Bewegungen, bevor man realisiert, dass es sich um eine anmutige Bewegung einer einzigen Tänzerin als Abfolge handelt. Dagegen präsentiert Elmar Jonietz sein Eiskunstlaufpaar passend auf FOREX-Hartschaumplatte. Nur zwei Beispiele, die zeigen, dass nicht nur die Aufnahmetechnik, sondern selbst der Untergrund für die Wirkung der Bilder als Kriterium berücksichtigt werden muss. Sehr speziell muten die Aufnahmen von Andreas Steinhauser an, der sich der Astrofotografie verschrieben hat. Selbst vor der Fotografie mit Handy oder Smartphone machen die Fotofreunde nicht halt und wie die auch mobil bearbeiteten Bilder auf Leinwand von Siegfried Hilbrich zeigen, sind sie in ihrer Andersartigkeit durchaus konkurrenzfähig.

41 Mitglieder der Fotofreunde Wiggensbach sind bei „Im Fokus“ vertreten. Als besondere Zugabe jeder auch mit einem kleinen Buch als Werksschau, das zwar nicht erworben, aber an einer Art Bücherbaum in der Ausstellung angeschaut werden kann.

„Im Fokus“ vom 17. September bis 9. Oktober 2016 im Hofgartensaal der Kemptener Residenz, Do/Fr 17-21 Uhr, Sa 10-21 Uhr, So 10-18 Uhr. Eintritt 3 Euro. Infos auch zum Rahmenprogramm unter www.fotofreunde-wiggensbach.de.

Christine Tröger

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