Startschuss für "Zukunftstour 2015/16" in Kempten

Großes Interesse für EINEWELT-Tagung

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Freuen sich schon darauf, in Kenia bei der Ernte und der Verarbeitung der Macadamia-Nüsse zu helfen, die sie am EINEWELT-Tag in Kempten verkauften: die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse der Waldorfschule Gröbenzell (v.l.)Frances (16), Hannah (15), Berenike (15) und Lukas (16).

Wir hätten das Potential „diesen Planeten an den Rand der Apokalypse“ zu führen, aber auch, zehn Milliarden Menschen zu ernähren, verdeutlichte Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Audimax der Kemptener Hochschule.

Dort war unter dem Motto „EINEWELT – Unsere Verantwortung“ vergangenen Samstag Startschuss für bundesweit geplante Dialogveranstaltungen im Rahmen der „Zukunftstour 2015/16“, auf denen mit allen Interessierten die zukünftige Ausrichtung der deutschen Ent- wicklungspolitik diskutiert werden soll. 

7,5 Milliarden Menschen bevölkern laut Müller diesen Planeten derzeit, „jedes Jahr kommen 80 Millionen dazu“, Afrika verdopple sich, Asien wachse und – mit einem Augenzwinkern - „Kempten vergreist“. Die Herausforderung sah er darin, allen ihr Recht auf ein Leben in Würde, Frieden und ohne Hunger zu ermöglichen. Nur drei Prozent des Weltwassers sei Süßwasser und „es wird Kriege um dieses Wasser geben“, prognostizierte er. „Wir werden neu teilen lernen müssen“, ging er auch auf die ungerechte Verteilung von Vermögen oder Ressourcen ein. Aber, betonte er, „nachhaltiges Leben fängt bei uns zu Hause an“, seien es die 200 Liter Wasser, die in Kempten pro Kopf verbraucht würden, die Herkunft der Pflastersteine auf dem Hildegardplatz, oder der Kauf von Wasser in Plastikflaschen, von denen am Ende „80 Prozent irgendwo liegen und nicht recycelt werden“. Die Politik könne nur etwas beschließen, die Umsetzung liege bei jedem Einzelnen, betonte er. 

Trotz frühlingshaftem Wetter war das Audimax prall gefüllt, unter anderem mit zahlreichen politischen Vertretern aus dem Allgäu, mit in diversen Projekten engagierten Akteuren, interessierten Menschen sowie der mehrfach für den Friedensnobelpreis nominierte Father Shay Cullen, der zum Abschluss des Tages über Nachhaltige Entwicklungsziele sprach. Aber zuvor bot diese EINEWELT-Tagung noch ein prall gefülltes Programm: In einem Podiumsgespräch mit Dr. Gerd Müller legten der Botschafter der Republik Benin, S.E. Isidore Bio, Claudia Graus von UNICEF Deutschland und Wolfgang Groß, Geschäftsführer von HUMEDICA in Kaufbeuren, von ihrer Arbeit oder den Bedin- gungen vor Ort. Weitere Programmpunkte waren unter anderem eine moderierte Podi- umsdiskussion über „Das Europäische Jahr der Entwicklung 2015 und Perspektiven für das Eine-Welt-Engagement im Freistaat“ sowie „Thementische am Nachmittag“ Informationen zu Themen wie „Fairer Handel und faire Beschaffung als kommunaler Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung“, zu Migration und Entwicklung, zu „Frauen in der Entwicklungspolitik“, oder auch zu den Möglichkeiten für ein freiwilliges Engagement vor Ort oder in der Welt. Rund 15 Infostände von engagierten Akteuren gaben Einblick in die Vielfalt an Möglichkeiten, sich für eine gerechtere Welt einzubringen. Das Spektrum reichte von „Profis“ wie HUMEDICA bis zum Netzwerk Nachhaltiger Schülerfirmen mit dem Projekt „macadamiafans“, das von Schülern der Rudolf-Steiner-Schule Gröbenzell vorgestellt wurde. Zu kaufen gab es die Endprodukte der innovativen Wertschöpfungskette hinter dem Konzept: Bio-Macadamia-Nüsse und Bio-Macadamia-Öl von Kleinbauern aus Kenia. Das Geschäftsmodell verspricht nicht nur Vorteile für die Bauern bis zum Endkunden. Jedes Jahr fahren die pro Jahr vier Projektteilnehmer für circa einen Monat nach Kenia, um den Klein- bauern beim Pflanzen der Bäume, der Ernte und der Verarbeitung der Nüsse zu helfen. Mitfinanziert wird die Reise durch den Überschuss aus dem Verkauf der Direktimportierten Produkte. Mehr dazu: www.waldorfschule-groebenzell.de/macadamiafans.  Christine Tröger

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