Fronten verhärten sich

Der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres 2011: Die Bürgerversammlung. Die strittigen Themen interessieren viele Bürger, der Saal im Gasthof Rössle in Altusried war ausgesprochen gut gefüllt. Foto: Würzner

Den Rechenschaftsbericht nahmen die Altusrieder Bürgerinnen und Bürger leidenschaftslos zur Kenntnis. Ihre Gemeinde steht unter dem Strich ganz gut da. Da gibt es auch nicht viel zu diskutieren, wenn man vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Wer hier ein Wörtchen mitreden will, ist bei den öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates besser aufgehoben.

Der Großteil der Anwesenden im vollbesetzten Altusrieder Rösslesaal wartete eher auf den Schlagabtausch in Sachen Vollsortimenter im Park hinter dem Rathaus. Ein Bericht in der Tageszeitung hatte die Stimmung ordentlich angeheizt, bezichtigte er doch schlichtweg Bürgermeister Heribert Kammel der Lüge: Demzufolge soll er seinem Verhandlungspartner beim katholischen Kirchenamt in Augsburg versichert haben, alle Pächter des kircheneigenen Grundstücks – auf dem ein Vollsortimenter mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche gebaut werden soll – seien mit dem Bauvorhaben einverstanden. Dem widersprach der Wortführer der betroffenen Familien jetzt vehement. Er sei persönlich nach Augsburg gefahren, um sich an Ort und Stelle zu informieren. Nun steht Aussage gegen Aussage, und man ist geneigt, eher demjenigen zu glauben, der keinen Nutzen aus der Sache ziehen kann. Keine klassische Struktur Aber warum tut sich Altusried eigentlich so schwer, wenn es um die Neugestaltung des Ortskernes geht? Die klassische Architektur der Region ist die dominierende Kirche im Mittelpunkt, der direkt anschließende Dorfplatz ist umbaut von Wirtshäusern und dem Rathaus. Ein gelungenes Beispiel dafür ist Wiggensbach. In Altusried steht die Kirche dagegen etwas abseits, der Platz für Feste, Märkte und Versammlungen entstand erst durch den Abriss des Raiffeisen-Lagerhauses. Entlang der Hauptstraße gab es neben Gasthäusern auch kleine Bauernhöfe und Tante Emma Läden, dadurch wirkt es zersiedelt und uneinheitlich. Wenn dann ein einheimischer Gewerbetreibender einen Schandfleck beseitigen und ein modernes Dienstleistungs- und Wohngebäude errichten will, formieren sich die Gegner und verweisen auf die abweichende Dachform. Das macht die Sache nicht einfacher. Ein besonderer Umstand ist dazu noch die Tatsache, dass zwei Häuser, die bei der Planung nicht vernachlässigt werden können, von ihren Besitzern kategorisch als „nicht verkäuflich“ erklärt werden. Und das leidige Thema Umgehungsstraße ist auch ein Dauerbrenner. Der Schwer- lastverkehr weigert sich, die Alpenblickstraße zu benutzen, weil die Ausfahrt aus dem Kreisverkehr Richtung Leutkirch mit einem 18-Meter-Brummi nicht möglich ist. Viele Aufgaben Es gibt also noch viel zu tun für Bürgermeister Heribert Kammel und sein Altusrieder Kommunalparlament, die nächste Gelegenheit Einigkeit zu demonstrieren kommt aber erst 2013 wieder bei den Altusrieder Freilichtspielen. Bis dahin gibt es allerdings noch eine Bürgerversammlung, die von vielen Bürgern der Marktgemeinde schon mit großer Spannung erwartet wird.

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