Frühe Hilfe für Kinder

Bei der Eröffnung gab es einige Stationen, die die Handicaps der Kinder für die Erwachsenen nachfühlbar machten. So versucht Bezirksrätin Renate Deniffel unter motorischen Einschränkungen ein Blatt nachzumalen. Angelika Klasing von der Heilpädagogischen Ambulanz hilft ihr. Foto: moriprint

Wenn das „Kind in den Brunnen gefallen ist“, ist die Feuerwehr da. Warum aber kann Hilfe nicht früher einsetzen, warum kann man den Brunnen nicht vorher abdecken, so dass es gar nicht zum Einsatz der Feuerwehr kommen muss? – Diesen Gedanken der Prävention im Blick, hat die Diakonie Kempten-Allgäu jetzt die neue Vernetzungs- und Beratungsstelle „KIWI – Kinder sind uns wichtig“ ins Leben gerufen. Jetzt wurde die Einrichtung an der Lindauer Straße 44 (frühere Rettungsleitstelle) im Beisein zahlreicher Gäste offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Vom Gesetz her ist dieses Modell nicht finanziell abgesichert. Dennoch wagt die Diakonie Kempten-Allgäu den Schritt der frühen Hilfe, geht in Vorleistung und hat in den Kemptener Lions Clubs Paten gefunden. „Jede spätere Hilfe ist teurer und wird schwieriger“, war sich Wolf-gang Grieshammer, Geschäftsführer des DW, bei der Eröffnung des Vernetzungsprojektes sicher. „Deshalb wagen wir ohne Abrechnungssicherheit den Start und hoffen, dass unsere Arbeit Bezirk, Stadt und Land von der Notwendigkeit überzeugt.“ Die Rahmenbedingungen werden durch die neuen Räume in der Lindauer Straße 44 geschaffen. Hier hat auch die heilpädagogische Ambulanz ihr neues „Zuhause“. Leiterin Sonja Huber-Rehm wird auch die Koordination von KIWI übernehmen. Denn neben der heilpädagogischen Ambulanz sind noch die Flexible Jugendhilfe, das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ), die Ergotherapiepraxis Susanne Wachter und die Logopädin Birgit Nowak mit im Boot. Kinderärzte, Psychologen, Kindertages- stätten und weitere Organisationen sollen folgen. „Alles schon bestehende Einrichtungen – und doch wollen wir gemeinsam anders weiter machen, um so früh wie möglich Kindern Hilfen zu bieten.“ Dieses „andere“ ermöglicht ein genaueres Hinsehen auf das, was fehlen könnte. Grieshammer: „Wir sind alle fachlich hervorragend, wir wissen Bescheid – und dennoch könn(t)en wir etwas übersehen. Daher ist der Fokus von der einen zur anderen Einrichtungen wichtig.“ Entwicklung unterstützen Ziel von KIWI ist es, die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern in einer schwierigen Situation oder einem schwierigen familiären Umfeld zu unterstützen. Wenn Kinder von Kindern drangsaliert werden, ein Elternteil krank ist oder die Eltern sich trennen. So findet derzeit ein kleines Mädchen in der heilpädagogischen Ambulanz einen geschützten, sorglosen Raum. Bedingt durch Krankheit und schwierige Familienverhältnisse hatte das Mädchen das Gefühl für die Gesundung der Mutter verantwortlich zu sein. Vom Kontakt mit Gleichaltrigen entfernte sie sich immer mehr. „Das führt zur Überforderung eines Kindes“, erläutert Rehm. „Ein Kind kann nicht Verantwortung für einen Erwachsenen übernehmen, hier kehrt sich die Rolle von Erwachsen- und Kindsein um.“ Bei Älteren habe solch eine Belastung später Auswirkungen in der Schule durch Konzentrationsprobleme, Fehlzeiten und auffälligem Verhalten, ergänzte Daniel Martin von der Flexiblen Jugendhilfe. Martin Bihler vom städtischen Jugendamt kommentierte KIWI wie folgt: „KIWI – Kinder sind uns wichtig, das können wir alle hier unterschreiben.“ Er fand es wie andere auch bemerkenswert, dass das DW KIWI aus eigenen Ressourcen initiiert. Mario Dalla Torre nannte „KIWI“ im Namen der BSG Allgäu, die die Räume hergerichtet hatten, eine bemerkenswerte Idee, die es zu fördern gelte. Er übergab einen Scheck an Wolfgang Grieshammer.

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