Furioses Finale bei der 27. Auflage

Einen „großen“ Abend erlebten die Zuhörer, die das Glück hatten, eine der begehrten Karte für das ausverkaufte Konzert mit Helen Schneider und der SWR Big Band zu ergattern.

Schlicht gesagt: Ein „großer“ Abend stand am Ende des 27. Kemptener Jazzfrühlings. Im ausverkauften Stadttheater sang eine großartige Helen Schneider, begleitet von der nicht nachstehenden SWR Big Band, vor allem Stücke des Komponisten und Bandleaders Bert Kaempfert. Auf sehr persönliche Art kehrte die Sängerin, wie sie bekannte, mit dem Programm zu „ihren Wurzeln“ zurück, beispielsweise mit dem Lied „Doris Day“, das sehr viel mit ihr als 14-Jährige zu tun habe, oder dem Lieblingslied ihres Vaters.

Über einen Mangel an Qualität konnte man sich bei der 27. Ausgabe des Jazzfrühlings insgesamt nicht beklagen. Sicher, nicht jedes Konzert traf den Geschmack eines Jeden. Aber Jeder konnte das für sich passende finden. Erstaunlich viele ließen sich heuer auf Experimente mit dem Unbekannten ein. Zum Beispiel im TheaterOben, für das Josef Ego vom Arbeitskreis (AK) Jazzfrühling, ein exzellentes Programm zusammengestellt hatte. Unter anderem sorgte hier die etwas andere Bigband „Collectif Lebocal“ aus Frankreich mit einer eigenwilligen Mischung an Stilrichtungen – vom Bigbandsound der 1930er Jahre bis zeitgenössisch – für ein begeistertes Publikum. Mit Witz und originellen musikalischen Genüssen entpuppten sich die „Talking Horns“ als Zuhörermagnet der „AÜW-Jazzperlen“. Ein „uneingeschränktes Lob an die Organisatoren“ sprach Rudi Goschler vom Haus International für die vier dortigen Konzerte mit Allgäuer Jazzbands aus, die ihm jeweils „volles Haus“ beschert hatten. Dass die „Allgäuer Szene“ hier ebenfalls zum Zuge kommt, findet er wichtig. Ordentlich Stimmung gab es mit „Five Funny Seven“ im Jugendhaus, auch wenn sie wegen der parallelen Abi-Feier heuer mit etwas weniger Publikum als sonst auskommen mussten. Gelungener Umzug Bandbreite und Qualität dominierten auch die „Hauptkonzerte“ im Stadttheater, das sich als gute Alternative zum Standort Kornhaus erwies. Zum dortigen Einstand legte „The Squeezeband“ ein Feuerwerk an Jazz-Funk-Hiphop hin, das die Zuhörer regelrecht in Bann schlug. Neben den exzellenten Musikern Dany Martinez (Gitarre), Michel Alibo Bass), Chico Freeman (Saxophon) sowie Bandgründer und Percussionist Reto Weber sorgte speziell Nino G. als „Human Beatbox“ für Begeisterungsstürme. Als Meister seines Fachs erwies sich einmal mehr der Jazz-Pianist Monty Alexander, wenngleich der direkte Kontakt zum Publikum hier etwas auf der Strecke blieb. Die Musik des gleichnamigen Trios überzeugte dennoch. Einen feinen Abend gab es mit dem „Bolero Berlin“. Die Formation mit Solisten der Berliner Philharmoniker sowie herausragenden Jazzern bestach mit Latin-Jazz, der sich wie Samt in die Ohren schmiegte. Im krassen Gegensatz dazu die jazzige Hommage an Pink Floyd mit Rita Marcotulli und Band. Ein echtes Manko war hier die Lautstärke, die dem Genuss physisch Grenzen setze. Zufriedene Organisatoren Zufrieden zeigte sich Cheforganisator Hansjürg Hensler bei der traditionellen Abschlussfeier für die rund 65 ehrenamtlichen Helfer des AK. „Ohne diesen AK gäbe es keinen Jazzfrühling“ hob er die Leistung der „nicht nur Arbeitswilligen sondern auch Fachleute“ gegenüber dem KREISBOTEN hervor. Rund „6500 zahlende Zuhörer“ schätzte er für das am Sonntag zu Ende gegangene Festival. Dazu kämen die unzählbaren der kostenlosen Angebote wie auf der Alpe Sonnenhalde oder in Diepolz mit hunderten von Besuchern. Eine deutliche Steigerung verzeichnete er bei den nächtlichen Sessions, für die das neue Konzept des Klecks Nightclub „aufgegangen ist“. Insgesamt freute er sich über die zunehmende Offenheit der Jazzliebhaber: „Wir haben experimentiert und das Publikum hat mitgemacht“. Viel wichtiger als die voraussichtlich wieder „schwarze Null“ als wirtschaftliches Ergebnis sei für ihn, „dass so viele Leute zufrieden und glücklich nach Hause gegangen sind“. Dank an die Organisatoren wie AKler gab es auch von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), selbst begeisterter Jazzfrühlings-Besucher. Er freute sich unter anderem darüber, dass das „Öffnen nach außen“, mit Konzerten im Freien, wie auf dem Rathausplatz, zunehmend „gut funktioniert“.

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