Vortrag und Information zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Martinszell

Flüchtlinge willkommen?

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Die beiden Häuser, die zum Hotel Adler gehören, werden nun an den Landkreis als Flüchtlingsunterkünfte vermietet.

Waltenhofen/Martinszell – Große Verunsicherung bei der Bevölkerung stiftete in den letzten Wochen die Nachricht, dass die Eigentümerin des „Gasthof Adler“ ihren Betrieb aufgeben wolle und ihre beiden Gebäude Asylbewerberunterkünfte werden sollen. Der Vortrag von Dr. Armin Ruf von der Caritas Kempten, im Rahmen der nachmittäglichen Veranstaltung „Wir über 50“ im Pfarrheim Martinszell, war aufgrund dieser aktuellen Situation außergewöhnlich gut besucht.

Dr. Ruf referierte unter dem Motto „Flüchtlinge willkommen“, zunächst über Fakten und Mythen zur allgemeinen Flüchtlingssituation in Deutschland.“ Über 55 Millionen sind weltweit auf der Flucht, davon kommen aber nur 3,5 bis vier Millionen nach Europa“, mit solchen tatsächlichen und für viele wohl erstaunlichen Zahlen, die man auch in einer Broschüre der Caritas nachlesen kann, versucht er mit Vorurteilen, die aus schlechter und falscher Information entstehen, aufzuräumen.

Danach bekam der Bürgermeister von Waltenhofen, Eckhard Harscher, das Wort. Auch er steht der Flüchtlingssituation in seiner Gemeinde sehr positiv gegenüber. Mit einer Geschichte aus seiner eigenen Erfahrung, mit einem 17-jährigen Jugendlichen aus Eritrea, den er in seiner Familie für drei Wochen aufgenommen hat, beginnt er seine Rede und versucht so gleich zu Anfang der Bevölkerung die Angst vor dieser neuen Herausforderung zu nehmen. Fest steht, laut Bürgermeister Harscher, dass Maria Platz, die Eigentümerin des Gasthofes Adler, ihre zwei Gebäude an den Landkreis für die nächsten acht Jahre vermietet hat. Diese Gebäude werden dann die vorübergehende Bleibe für rund 80 Asylbewerber sein. Er bedauere es sehr, dass die Bürger von Martinszell dies erst nach dem endgültigen Beschluss erfahren haben, was allerdings die Fakten nicht ändert. Es ist keine Frage des Wollens oder nicht Wollens mehr, sondern wie man nun so gut wie möglich für alle Beteiligten damit umgehe. Harscher hat hier keine großen Bedenken, da die bereits bestehenden Unterkünfte in Hegge sehr gut funktionieren, nicht zuletzt des großen ehrenamtlichen Engagements wegen.

Es ist geplant, den Helferkreis mit Allgäu Medical zusammen neu zu akquirieren und in Martinszell soll dann permanent jemand vor Ort sein, in einem Büro innerhalb der Einrichtung. Da jede Kommune zwei Prozent seiner Einwohnerzahl an Flüchtlingen aufnehmen muss, sollte dies auch für Martinszell keine nicht zu bewältigende Anzahl sein. Im Anschluss berichtet Helmut Fichtenweiler, der für Soziales zuständig ist, über die derzeitigen Gegebenheiten in den drei bestehenden Einrichtungen in Hegge: „Neun der Bewohner sind bereits in Lohn und Brot und wir haben vier Firmen, die sofort Leute einstellen würden, die etwas Deutsch sprechen können.“ Seiner Erfahrung nach, gäbe es wenige Probleme mit den dortigen Flüchtlingen und auch die Bürger in Hegge, kämen sehr gut mit der Situation zurecht.

Zum Schluss lud der Bürgermeister noch alle herzlich zur Bürgerversammlung am kommenden Mittwoch, 16. März, um 19 Uhr in der Merzweckhalle Oberdorf ein, wo dieses Thema ausführlich besprochen und diskutiert werde.

Monika Klughammer

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