Kemptener erinnern gemeinsam an den Holocaust

Gedenken am "Guten Ort"

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Die Gedenksteine tragen die Namen der Opfer, die Mädchen haben sie bemalt und beschriftet.

Kempten – Bei den deutschsprachigen Juden ist der Friedhof der „Gute Ort“ und dort wurde am 4. Mai der Kemptener Bürger und Bürgerinnen gedacht, die zu den 6 Millionen in der Zeit des Nationalsozialismus vernichteten Menschen gehörten.

Die Schülerinnen der Maria-Ward-Schule hatten sich intensiv auf diesen Tag der Erinnerung an den Holocaust, bzw. die Shoa vorbereitet. Im Unterricht erfuhren die zwischen elf und 15 Jahre alten Mädchen vom religiösen und geschichtlichen Hintergrund der Judenvernichtung. Um den Opfern ein „Gesicht“ zu geben, trugen sie reihum kurze Biografien vor: Hedwig Hauser … Samuel Walter … Edith Landauer … Sigmund Ullmann … Eine bedrückend lange Namensliste.

Einige Mädchen hatten Gedenksteine gestaltet und darauf den Namen eines der Opfer geschrieben. In ihren kurzen Redebeiträgen äußerten sie ihre Gedanken zu dem Unfassbaren und fragten: „All diese wegen ihres jüdischen Glaubens von den Nazis gebrochenen und ermordeten Menschen, wenn sie heute sprechen könnten, was würden sie uns sagen?“ und „Was mag im Kopf der hochbetagten Mathilde Kohn vorgegangen sein, als sie deportiert wurde? Ob sie wohl geweint hat?“ Die Musikgruppe hatte getragene Stücke einstudiert, die die Worte stimmig ergänzten und die Gedenkstunde würdig umrahmten.

Luis Kornes, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, dankte den Lehrkräften und vor allem den drei Klassen, die diese Gedenkstunde so sorgfältig und ergreifend gestaltet hatten. Schließlich soll die junge Generation die Erinnerung an diese Katastrophe wachhalten und weitertragen.

Dritter Bürgermeister Josef Mayr dankte und betonte ebenfalls die Notwendigkeit solcher Gedenkveranstaltung in der heutigen Zeit und zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen. Aber auch einer Handvoll älterer Menschen ist es Jahr für Jahr ein Anliegen, zum „Guten Ort“ zu kommen, zu gedenken und nach jüdischem Brauch ein Steinchen auf einen der Grabsteine mit dem Judenstern zu legen. Mit einem meditativen Rundgang zu zarten Geigenklängen schloss die Stunde der Erinnerung.

Elisabeth Brock

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