Die Gefahr lauert im Netz

Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert (links) und Dr. Petra Baltz bei der Jahrespressekonferenz. Foto: Läufle

Internetkriminalität ist ein Thema, das die Kemptener Staatsanwaltschaft derzeit verstärkt beschäftigt. Etwa 90 Verfahren werden pro Monat bearbeitet. Diese Zahlen gab Staatsanwältin Dr. Petra Baltz am Montagvormittag im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Ermittlungsbehörde bekannt. Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert stellte die Eckdaten zur Strafverfolgung im vergangenen Jahr vor.

Dr. Petra Baltz ist eine von mittlerweile drei Staatsanwälten in Kempten, die sich schwerpunktmäßig mit IuK-Kriminalität beschäftigen. „Unter IuK-Kriminalität werden die Taten verstanden, die unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik begangen werden“, erklärte die Staatsanwältin. Was in diesen Fällen genau passieren kann, verdeutlichte sie anhand einiger Beispiele. Ein Jugendlicher habe seine kriminelle Laufbahn bereits mit 13 Jahren begonnen, als er wegen eines Kreditkartenbetrugs auffiel. Mit 14 habe er dann den Computer eines Schulkameraden mittels eines Trojaners lahmgelegt. Zudem kaufte der mittlerweile 16-Jährige Waren über gehackte Ebay-Accounts und bezahlte diese mit illegal erworbenen Zugangsdaten zu fremden Konten. Erpressung mit Schadprogramm Weitere Erscheinungsformen der IuK-Kriminalität sind beispielsweise falsche Gewinnversprechen am Telefon oder das Vortäuschen einer Notlage. Auch Online-Banking-Nutzer können Opfer von Internet-Betrügern werden. Beispielsweise werden Überweisungsaufträge mittels Schadprogramm manipuliert. Eine noch relativ neue Fallgruppe ist laut Baltz die Erpressung mithilfe eines Schadprogramms. Hier erhalten die Betroffenen beim Versuch ihren Rechner hochzufahren eine gefälschte Mitteilung des BKA (Bundeskriminalamt) die besagt, dass der PC-Nutzer auf einer kinderpornographischen Seite gewesen sei. Damit der Computer wieder freigegeben wird, müsse der Nutzer 100 Euro Strafe zahlen. Doch auch nach der Überweisung des Geldes funktioniere der Rechner nicht, erläuterte Baltz. Schutzmöglichkeiten gegen die Internet-Betrüger sind Baltz zufolge die Abwicklung von Internetkäufen über sichere Zahlungswege, Vermeidung ungesicherter Geldtransfers ins Ausland, Vorsicht gegenüber Mitteilungen unbekannter Absender, keine Preisgabe von Zugangsdaten und TANs für Online-Banking, regelmäßige Kennwortwechsel und Verwendung von aktuellen Virenschutzprogrammen. „Zudem sollten regelmäßig die Kontobewegungen kontrolliert werden, das kann sich durchaus lohnen“, so Baltz. Denn je früher ein Missbrauch entdeckt werde, desto eher kann die Bank das Geld zurückholen. Die Staatsanwaltschaft Kempten, deren Zuständigkeitsbereich die Landkreise Ostallgäu, Oberallgäu und Lindau sowie die kreisfreien Städte Kempten und Kaufbeuren mit insgesamt rund 470 000 Einwohnern umfasst, bearbeitet aber natürlich nicht nur Fälle von Internetkriminalität. Durch das Bayerische Staatsministerium der Justiz wurde die Staatsanwaltschaft Kempten besonders mit der bayernweiten Verfolgung folgender Straftaten beauftragt: Straftaten gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen im Zusammenhang mit der Rinderkrankheit BSE, Straftaten, die in Bayern stationierten Bundeswehrangehörigen im Auslandseinsatz vorgeworfen werden, Straftaten durch eine bestimmte, vorwiegend russisch-stämmige Tätergruppe (kriminelle Vereinigung) sowie gegen eine vorwiegend georgisch-stämmige Tätergruppe. Um die Aufgaben zu erfüllen, stehen der Ermittlungsbehörde 21 Staatsanwälte, neun Rechtspfleger und 37 Beamte und Angestellte zur Verfügung. Im vergangenen Jahr bearbeitete die Staatsanwaltschaft insgesamt 19 133 Ermittlungsverfahren. Die durchschnittliche Dauer eines Ermittlungsverfahrens betrug 1,1 Monate. Damit lag die Kemptener Behörde unter dem Landesdurchschnitt (1,4). „Wir sind froh, dass wir die Schnelligkeit beibehalten konnten“, betonte Pollert. Das sei aber auch ein Verdienst des Polizeipräsidiums. Anklagen erhob die Staatsanwaltschaft im Jahr 2011 insgesamt 6763. 307 Täter wurden zu Freiheits-, 453 zu Bewährungsstrafen verurteilt. Zudem wurden fast 3000 Geldstrafen verhängt.

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