Geld löst keine Probleme

Bei einem so prominenten Gast wie Uli Hoeneß war sogar Rolf Birmelin von der Eventbühne Kimratshofen etwas nervös. Dazu gab es aber keinen Grund. Foto: Würzner

Dank Rolf Birmelins Eventbühne weiß Uli Hoeneß nun, wo Kimratshofen liegt. Der „Trainingstag Allgäu“ zum Thema: „Mit Begeisterung und Leidenschaft zu besseren Ergebnissen“ lockte vergangene Woche eine so große Zahl von Interessenten ins Oberallgäu, dass der Veranstaltungsort in den Saal des Landgasthauses Alte Post verlegt werden musste.

Da saß er nun im schwarzen Anzug, fliederfarbenes Hemd ohne Krawatte, ganz locker, die Beine übereinander geschlagen. Der Mann, der nicht nur Fussballbegeisterten bestens bekannt ist. Man kann sich an ihm reiben, er polarisiert. Aber er wirkt authentisch. Man glaubt ihm seine Begeisterung und seine Leidenschaft und lauscht seinen Ratschlägen, wie sowohl im Sport als auch in der freien Wirtschaft bessere Ergebnisse zu erzielen sind. Thema nicht verfehlt. Dass sich die Unterhaltung zwischen Rolf Birmelin und Uli Hoeneß immer wieder ums liebe Geld dreht, ist verständlich, es regiert nun mal die Welt. Der Mythos der reichen Bayern wird gründlich zerstört. „Als ich mit 27 Jahren den Verein als Manager übernahm, machten wir sechs Millionen Umsatz, hatten aber auch dreieinhalb Millionen Schulden,“ sind die ersten beiden Zahlen, die der 58-jährige nennt. Daraus wurden 350 Millionen Umsatz beim Rekordmeister und seine Wurstfabrik steuert ebenfalls 50 Millionen Umsatz bei. Die Gewinnbeteiligung an beiden hat ihn zum vermögenden Mann gemacht. Hoeneß sieht sich auf der Sonnenseite des Lebens und hat deshalb die weniger Begünstigten nicht vergessen. Für die Stiftung Dominik Brunner, dem „Held von Solln“, wird er allein in dieser Woche 70 000 Euro sammeln, das Honorar von drei Vortragsveranstaltungen. Und er erklärt, dass Geld die Menschen nicht verändert, ihnen die echten Probleme nicht abnimmt und führt als Beispiel Robert Enke an. Dass Freundschaft und Vertrauen wichtiger sind. Sebastian Deißler hat er in der schwierigen Phase der Depressionen seinen Hausschlüssel gegeben, damit er jederzeit zu ihm kommen kann. Und sollte er Jupp Heynkes mitten in der Nacht anrufen, würde der nicht fragen warum und wieso, sondern auf dem schnellsten Weg zu ihm kommen. Die Manager unter den Zuhörern werden seinen Rat betreffend Mitarbeitermotivation wohl nicht vergessen, der da lautete: „Verlange nie etwas von deinen Leuten, was du nicht selber bereit bist zu leisten,“ und erzählt, dass er mit der Mannschaft innerhalb von 48 Stunden nach Tokio und zurück geflogen ist, um dort ein Fußballspiel zu absolvieren. Jetlag, Klimawechsel, der lange Flug, es war sehr anstrengend. „Aber was glauben sie, was die Jungs gesagt hätten, wenn ich mich am Flughafen von ihnen verabschiedet hätte ins Wochenende und sie zwei Tage später gut erholt wieder in Empfang genommen hätte?“, fragt er in die Runde. Von Becker bis Matthäus Hoeneß macht nachdenklich, sorgt aber rechtzeitig für Gelächter und spontanen Beifall mit Anekdoten wie der Bemerkung zu Stoibers Bodyguards: „Was glaubst du eigentlich, wer dich noch klauen will?“ Politik ist nicht sein Ding, gesteht er. Zu dem Spruch von Boris Becker „Gewonnen oder verloren wird zwischen den Ohren“ serviert er den Schenkelklopfer : „Ich weiß nicht, ob Boris der große Philosoph ist vor dem Herrn.“ Lothar Matthäus will er nicht mal als Greenkeeper und auf die Frage nach der Meisterschaft tippt er auf Dortmund, Leverkusen oder seine Bayern. Sollten die allerdings gegen die Werkself gewinnen, würde er nicht in Aktien der Borussia investieren. A propos Meisterschaft. Er sei stolz auf den 18. Platz bei den Preisen für eine Stehplatz-Jahreskarte. Dem HSV-Fan attestiert er eine große Leidensfähigkeit und beschwert sich, dass die Schalker ihn zur 50-Jahrfeier der letzten Meisterschaft nicht mal eingeladen haben. Wieder ernstere Töne schlägt er an, wenn es um den Ehrgeiz der Eltern Fussball spielender Kinder geht. Wenn sie nicht von sich aus wollen, bringt pushen gar nichts. „Die sollen kicken, damit wir gut leben können,“ sei eine nicht nachvollziehbare und eindeutig negative Einstellung. Nach seinen Zielen befragt, nennt er erstens seine Hoffnung, seine Firma und den FCB an fähige Nachfolger übergeben zu können und zweitens ein Golfhandicap unter 50.

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