Gelungene und dynamische Symbiose

Schön anzuschauen und deshalb auch unter den Preisträgern des Architekturpreises Beton – das neue AÜW-Wasserkraftwerk in der Keselstraße. Foto: AÜW

„Der Gewinner ist becker architekten Kempten für das AÜW-Wasserkraftwerk.“ So könnte es bei der offiziellen Preisverleihung des Deutschen Architekturpreis Beton im Mai in Düsseldorf heißen. Denn zu den fünf Preisträgern gehört auch das im vergangenen Jahr fertiggestellte Wasserkraftwerk in der Keselstraße.

Neun Jurymitglieder – namhafte Bau-Ingenieure, Architekten, Architekturkritiker, Professoren, Leiter von Bauabteilungen im Bundesbauministerium sowie der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie – haben entschieden: Aus 100 eingereichten Arbeiten zum Deutschen Architekturpreis Beton 2011 wählten sie als einen von fünf Preisträgern das im letzten Jahr fertiggestellte Laufwasserkraftwerk des Allgäuer Überlandwerks (AÜW) in der Kemptener Keselstraße aus. Zu den anderen Preisträgern zählen so durchaus international bekannte Namen wie David Chipperfield, Diener & Diener oder Behnisch Architekten. Bei dem Gedanken an Wasserkraftwerke denken viele an einfache und praktische Gebäude – schließlich dienen diese zunächst nur einem Zweck: der Produktion von Energie aus Wasserkraft. Dass es auch anders geht, zeigt das 2010 fertiggestellte Wasserkraftwerk des Allgäuer Überlandwerks. Dies sah auch die Jury des Deutschen Architekturpreises Beton 2011 so. Aus 100 eingereichten Arbeiten wählte die Jury neben dem AÜW-Wasserkraftwerk vier weitere Preisträger aus und vergab drei lobende Anerkennungen. Die offizielle Verleihung findet am 25. Mai in Düsseldorf statt. Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH, ist stolz auf den Architekturpreis: „Die hochmoderne Technik unseres Wasserkraftwerks verpackt in eine extravagante Architektur soll den Allgäuern, aber auch den Menschen in Deutschland, zeigen, dass Kraftwerke emotionalisieren können. Wir folgen damit den großen Wasserkraftwerksbauten aus dem neunzehnten Jahrhundert“, so Lucke zum Grundgedanken der architektonischen Planung. „Dass dies die Jury auch so sah und uns dafür auszeichnete, und wir uns nun in die Reihe so nominierter Preisträger wie das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart oder das Museum der Bildenden Künste in Leipzig einreihen dürfen, erfüllt uns mit Freude und Stolz.“ Städtebaulich integriert Entworfen wurde das AÜW-Wasserkraftwerk von Michael Becker und seinem Team vom ausführenden Kemptener Büro „becker architekten“. Als Ersatz für ein altes Wasserkraftwerk aus den 50er Jahren stand bei dem Architektenteam zu Beginn der Planung die Idee, „die beim Durchlaufen von Turbinen generierte Dynamik des Wassers zum Ausdruck zu bringen.“ Daneben ließen sich die Architekten von den ausgewaschenen, teils bizarren Felsformationen, die es an der Iller gibt, inspirieren. Entstanden ist ein großer, aber sehr differenzierter und weich geformter Baukörper, welcher die beiden Endpunkte des Krafthauses – Generatoren/Transformatoren und Wehreinrichtung – mit einer durchgängigen Gebäudehülle verbindet. Ungefähr in der Mitte taucht die Gebäudehülle unter der historischen Fachwerkbrücke hindurch. Ein neu angelegter Geh- und Radweg, der am Wasserkraftwerk vorbeiführt, lädt zum Verweilen, Promenieren und Schauen ein. Die Iller als Fluss ist so städtebaulich wieder besser integriert und ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt worden. Als ein Ort, an dem Energie nicht nur produziert, sondern auch getankt werden kann. Das ist unter anderem auch die Begründung der Jury für den Preis: „Zunächst wird die komplexe Technik des Kraftwerks fest im Fluss verankert und dauerhaft geschützt. Zugleich geht das Bauwerk eine Symbiose mit dem Ufer und dem bestehenden, sehr filigranen Kabelsteg ein, der damit vor dem geplanten Abriss bewahrt werden konnte“, heißt es. Das Wasserkraftwerk verstärke die Identität des Ortes und schaffe auf unerwartet spielerische Weise ein Wahrzeichen. „Die Architektur des Wasserkraftwerks ist herausragend. Das ist um so bemerkenswerter, als es sich um ein Infrastrukturgebäude handelt – um Alltägliches und Allgegenwärtiges also, das für gewöhnlich nur mit wenig Bedacht und Gestaltungswillen geplant wird“, bilanzierte die Jury darüber hinaus. Der Deutsche Architekturpreis Beton wird vom Bundesverband der Deutschen Zementindustrie e.V. in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten BDA ausgelobt. Die Stiftung des Preises erfolgt seit 1974 heuer zum 18. Male; er ist insgesamt mit 20 000 Euro dotiert. Mit dem Deutschen Architekturpreis Beton werden beispielhafte Leistungen der Architektur und Ingenieurbaukunst ausgezeichnet.

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