Gelungene Hilfe zur Selbsthilfe

„Die Schreinerei ist für alle Marktanfragen absolut leistungsfähig. Wir sind beeindruckt, was hier in Pastraveni innerhalb eines Jahres geleistet worden ist.“ Klaus Meyer, stellvertretender Vorsitzender des Lebenshilfeverbandes in Bayern und zugleich Vorsitzender der Lebenshilfe Kempten, sowie Michael Hauke, Geschäftsführer der Allgäuer Werkstätten zeigten sich bei ihrem jüngsten Rumänienbesuch erfreut über die positive Entwicklung der Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Pastraveni.

In der Einrichtung für Schwerstbehinderte leben etwa 60 Kinder und 120 Jugendliche. „Inzwischen gibt es etliche junge Erwachsene – und die brauchen Arbeit“, informierte Hauke. Neben einer Montage, einer kleinen Wäscherei und Küche ist daher vor einem Jahr auf rund 80 Quadratmetern eine Schreinerei entstanden. Hier sind inzwischen zehn Mitarbeiter mit Behinderung integriert. Bisher produzierten sie hauptsächlich Artikel für den Eigenbedarf im Zentrum, darunter Tische, Stühle, Kleiderständer, Kleinschränke, Blumenkästen, Hutablagen, Schaukelstühle, Dekoartikel, Notebookständer. Des Weiteren werden alle Reparaturarbeiten im Zentrum selbst erledigt. Die Allgäuer Werkstätten (AW) hat seit langem die Starthilfe (Patenschaft) für das rumänische Pilotprojekt übernommen. Jetzt fuhren Klaus Meyer, Michael Hauke sowie AW-Vertriebsleiter Max Hold, AW-Schreinerei-Gruppenleiter und Schreinermeister Rudi Eberle und Regierungsoberamtsrat Uwe Fabritius erneut nach Rumänien. „Im Gepäck“ hatte die Reisegruppe einen Holzspalter und die neue vierfach-kombinierte Holzbearbeitungsmaschine. Diese kann alle Bearbeitungsformen (Sägen, Fräsen rechts und links, Hobeln) auch mit Vorschubeinrichtung fahren. Große Sorgfalt Schreinerei-Experte Rudi Eberle unterwies den rumänischen Kollegen Livio Frunza in der Bedienung der Maschine. Dabei stellte Eberle fest, dass der gesamte bisherige Maschinenpark „gut in Schuss“ gehalten wird. „Es ist alles in einem sehr guten Zustand, gepflegt – und komplett“, so Eberle. Gut bewertete das „Paten-Team“ aus dem Allgäu auch die Scheitholzheizung, denn das Abfallholz der Schreinerei dient als Anzündmaterial. „Und das Holzspal-ten über die Hydraulik des Traktors funktioniert mit neuem Holzspalter ausgezeichnet.“ Hauke und Meyer lieferten zusammen mit Vertriebsleiter Hold Tipps zur besseren Vermarktung der Produkte. So will die Werkstatt in Pastraveni künftig auch einen Baumarkt, das Ortsmagazin oder kommunale Einrichtungen mit als „Absatzkanäle“ nutzen. Laut Nicoletta Birnat, der engagierten Direktorin des Zentrums, ist der Einkauf für das entsprechende Rohholz im Haushaltsplan bereits gesichert. Ein weiterer Erfolg: Inzwischen erhalten in dem Zentrum alle Menschen mit Behinderung, die arbeiten können eine Lohnanerkennung. Hauke: „In 2010 wurden an 65 Beschäftigte circa 500 Lei ausbezahlt. Das entspricht umgerechnet etwa 130 Euro.“ Als Sockelbetrag dienen zwei Lei (0,50 Euro) pro Arbeiter, der Rest (durchschnittlich acht Lei) erfolgt über eine Leistungsberechnung. Neben der Arbeit werden inzwischen auch verschiedene Freizeitmaßnahmen für die Menschen mit Behinderung organisiert. Das Fazit der Kemptener Gruppe: „Die Hilfe zur Selbsthilfe ist gelungen.“

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